{"id":1426,"date":"2016-05-31T12:50:56","date_gmt":"2016-05-31T11:50:56","guid":{"rendered":"http:\/\/www.botanik-sw.de\/BAS\/module\/wordpress\/?p=1426"},"modified":"2016-05-31T12:58:11","modified_gmt":"2016-05-31T11:58:11","slug":"lippert-w-meierott-l-2014-kommentierte-artenliste-der-farn-und-bluetenpflanzen-bayerns","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.botanik-sw.de\/BAS\/module\/wordpress\/?p=1426","title":{"rendered":"Lippert, W. &#038; Meierott L. 2014: Kommentierte Artenliste der Farn- und Bl\u00fctenpflanzen Bayerns."},"content":{"rendered":"<p>von THOMAS BREUNIG<\/p>\n<p><strong>Lippert, W. &amp; Meierott L. 2014: Kommentierte Artenliste der Farn- und Bl\u00fctenpflanzen Bayerns. \u2013 Selbstverlag der Bayerischen Botanischen Gesellschaft, 407 S.; ohne ISBN-Nr.; Bezugsquelle Bayerische Botanische Gesellschaft e.V., <\/strong><a href=\"mailto:bestellung@bbgev.de\"><strong>bestellung@bbgev.de<\/strong><\/a><\/p>\n<p>Die bayrischen Botaniker planen \u2013 100 Jahre nach Erscheinen der Flora von Bayern (Vollmann 1914) \u2013 eine neue Flora von Bayern. Als ein Baustein dazu verfassten Wolfgang Lippert und Lenz Meierott eine kommentierte Artenliste. Sie enth\u00e4lt Angaben zu 3.438 etablierten und 1.446 noch nicht etablierten Sippen, zu 740 Hybriden und zu 273 Sippen, die irrt\u00fcmlich f\u00fcr Bayern angegeben wurden oder deren Vorkommen hier zumindest fraglich erscheint. Alles in allem ergibt sich eine f\u00fcr ein Bundesland unglaublich hohe Anzahl von 5.897 behandelten Sippen.<\/p>\n<p>Ein einf\u00fchrender Teil bietet auf 16 Seiten einen kurzen Abriss zur floristischen Erforschung Bayerns und zum Projekt einer neuen Flora von Bayern, Erl\u00e4uterungen zum Aufbau der Artenliste, eine Karte der Natur\u00adr\u00e4ume Bayerns, sowie 29 Abbildungen zu seltenen oder in Bayern aus\u00adgestorbenen Arten. Abgeschlossen wird das Werk mit einem 29 Seiten umfassenden Literaturverzeichnis. Die Artenliste selbst ist tabellarisch aufgebaut und enth\u00e4lt in f\u00fcnf Spalten die folgenden Informationen: Status der Sippe, wissenschaftlicher Name mit Autoren und taxono\u00admischer Referenznummer, deutscher Name; Quellen der Artnachweise und Bemerkungen zu den Sippen sowie schlie\u00dflich die Angabe, aus welcher der folgenden acht naturr\u00e4umlichen Regionen Nachweise der Sippe vorliegen: Spessart-Rh\u00f6n, Mainfr\u00e4nkische Platten, Keuper-Lias-Land, Schw\u00e4bisch-Fr\u00e4nkische Alb, Ostbayerisches Grenzgebirge, Molasseh\u00fcgelland, Mor\u00e4neng\u00fcrtel (= Alpenvorland) und Alpen.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Die kommentierte Florenliste ist eine Fundgrube und enth\u00e4lt viele interes\u00adsante Detailinformationen, zum Beispiel, dass <em>Laburnum anagyroides<\/em> \u201eforstlich zur Wildf\u00fctterung eingebracht\u201c wird, <em>Crepis pulchra<\/em> ebenso wie in Baden-W\u00fcrttemberg (BW) in Ausbreitung begriffen ist, <em>Myosurus minimus<\/em> auch in Stadtparks (M\u00fcnchner Theresienwiese) auftreten kann, der sich derzeit in BW ausbreitende <em>Plantago coronopus<\/em> in Bayern mit zwei Unterarten vorkommt, ein \u201enoch nicht g\u00fcltig beschrieben[er], offenbar weit verbreiteter]er\u201c \u201efranconia-Typ\u201c von <em>Valeriana pratensis<\/em> existiert, oder dass die in BW vom Aussterben bedrohte <em>Veronica acinifolia<\/em> in Bayern erstmals 1990 nachgewiesen wurde, dort also ein Neophyt ist.<\/p>\n<p>Die Liste regt zum Vergleich und zur Diskussion an. Interessant ist, wie unterschiedlich die Situation mancher Arten im Vergleich zu BW ist, zum Beispiel bei <em>Lathyrus aphaca<\/em>, <em>Phytolacca americana<\/em>, <em>Prunus cerasifera<\/em> oder bei <em>Adonis vernalis,<\/em> die in f\u00fcnf von acht Naturr\u00e4umen nachgewiesen wurde, w\u00e4hrend sie in BW fehlt. Viele Anmerkungen gelten aber in gleicher Weise f\u00fcr BW, vor allem diejenigen, die Baustellen der floris\u00adtischen Erforschung aufzeigen, etwa dass bei <em>Ranunculus acris<\/em> subsp. <em>friesianus<\/em> \u201eVorkommen, Verbreitung und Status \u2026 noch sehr unsicher\u201c und dass bei <em>Senecio erraticus<\/em> unbelegte Angaben anzuzweifeln sind.<\/p>\n<p>Diskussionsw\u00fcrdig sind manche Stausangaben, insbesondere zu Arten, die auch kultiviert oder ausges\u00e4t werden. Ob zum Beispiel <em>Allium cepa<\/em> tats\u00e4chlich verwildert, scheint ebenso fraglich wie Verwilderungen von <em>Phaseolus vulgaris<\/em>, <em>Picea pungens<\/em> oder mancher in Bl\u00fchmischungen anges\u00e4ter Arten. In vielen F\u00e4llen d\u00fcrfte es sich nur um Verschleppungen mit Gartenabf\u00e4llen handeln beziehungsweise um Kulturrelikte, die einmal ein Jahr \u00fcberdauern. Bei der Formulierung \u201ebisher kaum verwildert\u201c ist man geneigt (z.B. bei <em>Quercus palustris<\/em>), sie als Hinweis darauf zu interpretieren, dass noch keine sichere Verwilderung beobachtet wurde. Warum eine Reihe von Arten aufgenommen wurden, die in Bayern nur kultiviert vorkommen und mit der Wildflora nichts zu tun haben \u2013 etwa <em>Aesculus flava<\/em> oder auch <em>Alnus cordata<\/em>, zu der es hei\u00dft \u201egelegentlich gepflanzt\u201c, erschlie\u00dft sich nicht.<\/p>\n<p>Taxonomische Referenzen der Artenliste sind im Wesentlichen die Exkur\u00adsionsfloren von Rothmaler (Grundband, Krautige Zier- und Nutzpflanzen), zudem erfolgte ein Abgleich mit einer Reihe nationaler und internationaler Florenlisten. Eine umfassende eigene taxonomische und nomenkla\u00adtorische Bearbeitung erfolgte nicht und w\u00e4re w\u00e4hrend der kurzen Bearbeitungszeit wohl auch kaum m\u00f6glich gewesen. Vielleicht w\u00e4re deshalb gleich eine m\u00f6glichst enge Anlehnung an die bundesdeutsche Taxonomie und Nomenklatur des \u201eRothmaler\u201c und des \u201eVerbreitungsatlas der Farn und Bl\u00fctenpflanzen Deutschlands\u201c vorzuziehen gewesen. F\u00fcr die sich im Allgemeinen nicht n\u00e4her mit Taxonomie und Nomenklatur besch\u00e4ftigenden Feldbotaniker ist jeder vermiedene zus\u00e4tzliche Name auf jeden Fall ein Gewinn. Und ob zum Beispiel die Degradierung der Fluss-Hirse (<em>Panicum barbipulvinatum<\/em>) von einer Art zu einer Variet\u00e4t von <em>Panicum capillare<\/em> etwas bringt, <strong>\u2013<\/strong> au\u00dfer dass auf die Sippe vielleicht weniger geachtet wird \u2013 darf bezweifelt werden.<\/p>\n<p>Alles in allem ist die kommentierte Florenliste aber ein unentbehrliches Nachschlagewerk f\u00fcr alle, die sich mit der Flora S\u00fcddeutschlands und angrenzender Regionen besch\u00e4ftigen. Wie hilfreich w\u00e4re es, es g\u00e4be solche kommentierten Artenlisten mit der Darstellung des aktuellen Wissenstands f\u00fcr alle Bundesl\u00e4nder! Es ist sicherlich ein geschickter Schachzug der Autoren, dass sie diese Liste nicht zu perfekt, daf\u00fcr aber sehr schnell erstellt haben. Genau das regt zu Diskussionen an, zeigt die Kenntnisl\u00fccken und die Baustellen der floristischen Kartie\u00adrung auf und schafft so zus\u00e4tzliche Motivationen, sich bei floristischen Kartierungen <strong>\u2013<\/strong> nicht nur in Bayern <strong>\u2013<\/strong> zu engagieren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von THOMAS BREUNIG Lippert, W. &amp; Meierott L. 2014: Kommentierte Artenliste der Farn- und Bl\u00fctenpflanzen Bayerns. \u2013 Selbstverlag der Bayerischen Botanischen Gesellschaft, 407 S.; ohne ISBN-Nr.; Bezugsquelle Bayerische Botanische Gesellschaft e.V., bestellung@bbgev.de Die bayrischen Botaniker planen \u2013 100 Jahre nach Erscheinen der Flora von Bayern (Vollmann 1914) \u2013 eine neue Flora von Bayern. 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