{"id":1673,"date":"2016-07-14T09:53:57","date_gmt":"2016-07-14T08:53:57","guid":{"rendered":"http:\/\/www.botanik-sw.de\/BAS\/module\/wordpress\/?p=1673"},"modified":"2016-07-14T09:53:57","modified_gmt":"2016-07-14T08:53:57","slug":"fundort-standort-wuchsort-wann-welchen-begriff-verwenden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.botanik-sw.de\/BAS\/module\/wordpress\/?p=1673","title":{"rendered":"Fundort \u2013 Standort \u2013 Wuchsort:    Wann welchen Begriff verwenden?"},"content":{"rendered":"<p>von THOMAS BREUNIG<\/p>\n<p>Die drei Begriffe Fundort, Standort und Wuchsort werden in der floris\u00adtischen und vegetationskundlichen Literatur vielfach verwendet \u2013 doch h\u00e4ufig in unterschiedlichem Sinne. In besonderem Ma\u00dfe trifft dies f\u00fcr die Begriffe Standort und Wuchsort zu, die nicht selten als Synonyme betrachtet werden. Es wird deshalb kurz erl\u00e4utert, welche Inhalte hinter diesen Begriffen stehen und am Beispiel der Wald-Berg\u00adminze (<em>Calamitha menthifolia<\/em>) wird gezeigt, worin sich die Beschrei\u00adbungen von Fundort, Standort und Wuchsort unterscheiden.<!--more--><\/p>\n<p><strong>Fundort <\/strong>ist stets geographischer Ort, an dem etwas gefunden wurde, zum Beispiel Pflanzen einer bestimmten Art. Die Fundortangabe kann dabei mehr oder weniger konkret sein: sehr konkret durch die Angabe von Koordinaten (z. B. Rechts-\/Hochwerte des Gau\u00df-Kr\u00fcger-Netzes), konkret durch eine genaue Beschreibung (z. B. \u201ebei Rhein-Kilometer 367,8 am orographisch rechten Ufer\u201c) oder auch vage (z. B. \u201ebei Heidelberg\u201c).<\/p>\n<p>Unter <strong>Standort <\/strong>werden dagegen Umweltverh\u00e4ltnisse beschrieben. Teils werden dabei nur abiotischen Faktoren (Bodenart, Wasser- und N\u00e4hrstoffhaushalt, Klima, Relief etc.) ber\u00fccksichtigt, teils zus\u00e4tzlich auch biotische Faktoren und Nutzungen (Wilddichte, Beweidung etc.) So gibt es zum Beispiel kalkhaltige, bodensaure, wechselfeuchte, feuchte, nasse, trockene, flachgr\u00fcndige und lehmige Standorte, auch Rohbodenstandorte und Standorte mit Bodenverdichtung. Die Stand\u00adortverh\u00e4ltnisse k\u00f6nnen konkret f\u00fcr einen geographischen Ort angege\u00adben werden und sind dann unabh\u00e4ngig von dem Vorkommen einer bestimmten Pflanzenart. (z.\u00a0B. \u201esandig-kiesiger, kalkhaltiger, verdich\u00adteter Rohboden am Ufer des Fermasees\u201c). So kann auf einer hohen Flugsandd\u00fcne ein trockener Standort vorkommen, ob dort nun als Trockenheitszeiger Sand-Strohblume (<em>Helichrysum arenarium<\/em>) oder die Silberscharte (<em>Jurinea cyanoides<\/em>) wachsen oder die D\u00fcne v\u00f6llig unbe\u00adwachsen ist. Ein Standort als solcher kann nicht verschwinden, es k\u00f6nnen sich h\u00f6chstens bestimmte Standortverh\u00e4ltnisse ver\u00e4ndern.<\/p>\n<p>Erfolgen Standortangaben nicht konkret f\u00fcr einem geographischen Ort sondern als Beschreibung der Standortanspr\u00fcche einer Pflanzensippe, \u00e4hneln sie den Wuchsortangaben, sind aber weniger umfassend.<\/p>\n<p>Der <strong>Wuchsort<\/strong> ist im Gegensatz zum Standort immer an eine Pflanzen\u00adsippe gebunden. Er ist die mehr oder weniger umfassende Beschrei\u00adbung der Situation, in der eine Pflanzensippe w\u00e4chst einschlie\u00dflich der Standortangaben. Der Wuchsort kann entweder konkret f\u00fcr eine bestimmte Population an einem bestimmten geographischen Ort beschrieben werden oder aber allgemein ohne Ortsbezug durch die Beschreibung der f\u00fcr eine Pflanzensippe typischen Verh\u00e4ltnisse.<\/p>\n<p>Um Standort und Wuchsort m\u00f6glichst klar zu trennen, wird empfoh\u00adlen, unter Standort nur abiotische Faktoren zu betrachten, bei Wuchs\u00adort zus\u00e4tzlich alle weiteren Faktoren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Beispiele f\u00fcr <em>Calamintha menthifolia<\/em><\/strong><\/p>\n<p><u>Fundort<\/u><\/p>\n<p>TK 6717\/2, Hardtebenen, Rhein-Neckar-Kreis, Gemeinde Malsch: 800 m n\u00f6rdlich des Bhf. Rot-Malsch, am Waldweg westlich der Bahnlinie, 107 m \u00fc. NN.<\/p>\n<p><u>Standort <\/u>(konkret: bezogen auf einem Fundort)<\/p>\n<p>Auf schwach kalkhaltigem, sandig-lehmigem Hochflutsediment, m\u00e4\u00dfig frischer, zeitweise beschatteter Standort am Waldwegrand.<\/p>\n<p><u>Standort <\/u>(allgemein: f\u00fcr die Art typische Standortverh\u00e4ltnisse)<\/p>\n<p><em>Calamintha menthifolia<\/em> w\u00e4chst auf m\u00e4\u00dfig trockenen bis m\u00e4\u00dfig fri\u00adschen, selten auch auf trockenen sowie frischen bis m\u00e4\u00dfig feuchten Standorten auf basenreichem, zumeist auch kalkhaltigem Substrat.<\/p>\n<p><u>Wuchsort <\/u>(konkret: bezogen auf einem Fundort)<\/p>\n<p>Im Saum eines Stieleichen-Hainbuchen-Waldes am Rand eines Wald\u00adwegs auf dem gelegentlich gem\u00e4hten Wegrain; auf m\u00e4\u00dfig frischem schwach kalkhaltigem, sandig-lehmigem Standort.<\/p>\n<p><u>Wuchsort <\/u>(allgemein: f\u00fcr die Art typische Wuchsortverh\u00e4ltnisse)<\/p>\n<p><em>Calamintha menthifolia<\/em> w\u00e4chst auf m\u00e4\u00dfig trockenen bis m\u00e4\u00dfig fri\u00adschen, basenreichen, zumeist auch kalkhaltigen Standorten im Saum von Hecken, und W\u00e4ldern, in Lichtungen von Trockenw\u00e4ldern, an Wald- und Feldwegr\u00e4ndern, auf B\u00f6schungen und Bahnd\u00e4mmen sowie in Streuobstgebieten unter Obstb\u00e4umen. Meist tritt die Art in Saum\u00advegetation der Verb\u00e4nde Trifolion medii und Geranion sanguinei auf, selten auch in nitrophytischer Saum- und Ruderalvegetation der Klasse Artemisietea.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von THOMAS BREUNIG Die drei Begriffe Fundort, Standort und Wuchsort werden in der floris\u00adtischen und vegetationskundlichen Literatur vielfach verwendet \u2013 doch h\u00e4ufig in unterschiedlichem Sinne. In besonderem Ma\u00dfe trifft dies f\u00fcr die Begriffe Standort und Wuchsort zu, die nicht selten als Synonyme betrachtet werden. 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