{"id":19,"date":"2004-07-27T23:02:52","date_gmt":"2004-07-27T22:02:52","guid":{"rendered":"http:\/\/www.botanik-sw.de\/BAS\/module\/wordpress\/?p=19"},"modified":"2004-07-27T23:02:52","modified_gmt":"2004-07-27T22:02:52","slug":"kartierwochenende-im-mittleren-schwarzwald-am-26-27-juni-2004","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.botanik-sw.de\/BAS\/module\/wordpress\/?p=19","title":{"rendered":"Kartierwochenende im Mittleren Schwarzwald am 26.\/ 27. Juni 2004"},"content":{"rendered":"<p>THOMAS BREUNIG<\/p>\n<p>Die Erfassung der Farn- und Samenpflanzen im Quadranten 7514\/4 war Ziel des Kartierwochenendes am 26. und 27. Juni. Dieses Gebiet liegt haupts\u00e4chlich im Nordrachtal (Mittlerer Schwarzwald, Ortenaukreis). Unter den vollst\u00e4ndig in Baden-W\u00fcrttemberg gelegenen Quadranten war er mit 257 Sippen bislang derjenige mit den wenigsten Artnachweisen.<br \/>\nDer Einladung gefolgt waren acht Mitglieder der BAS. Gespannt waren wir darauf, ob das Nordrachtal tats\u00e4chlich eines der arten\u00e4rmsten Gebiete Baden-W\u00fcrttembergs ist, oder ob die geringe Zahl der nachgewiesenen Arten lediglich einen geringen Erfassungsgrad der heimischen Flora dokumentiert. Der Blick auf die reich gegliederte Kulturlandschaft des Nordrachtals stimmte uns bald hoffnungsfroh und lie\u00df viele Neunachweise erwarten.<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\nAn den beiden Tagen wurde bei einer Halbtagsexkursion angestrebt, m\u00f6glichst alle Sippen eines kleinen Kartiergebiets (innerhalb eines Radius von 250 bis 300 m) zu erfassen. Nachmittags schloss sich jeweils eine Exkursion an, bei der nur bis dahin nicht nachgewiesene, seltenere und bemerkenswerte Sippen notiert wurden.<br \/>\nKartiergebiet am Samstagvormittag war das Nordrachtal im Bereich Hintertal (etwa 300-335 m \u00fc. NN) und der Hang westlich davon (bis 440 m \u00fc. NN), der sich zwischen Heidenb\u00fchl und Hasenberg in Richtung Kohlberg hinaufzieht. Bereits nach wenigen Metern stie\u00dfen wir auf einen vor kurzem aufgelassenen Feldgarten, in dem mit Amaranthus retroflexus, Chenopodium polyspermum, Epilobium tetragonum s.str., Euphorbia lathyris (synanthrop), Geranium dissectum, Papaver rhoeas und Portulaca oleracea eine Reihe bisher nicht nachgewiesener Sippen wuchs. Der anschlie\u00dfende, teils als Weide, teils als Wiese genutzte Hang bot ein breites Standortspektrum. Neunachweise waren hier auf m\u00e4\u00dfig trockenen, s\u00fcdost-exponierten B\u00f6schungen Bromus erectus (Wegb\u00f6schung), Carex muricata subsp. lamprocarpa, Plantago media und Poa angustifolia; auf frischen Standorten Crepis capillaris und Symphytum officinale und schlie\u00dflich in einer feuchten bis nassen Hangmulde Epilobium obscurum und Juncus conglomeratus. Am oberen Ende dieser Mulde wuchs auf einem selten benutzten Weg, direkt am Waldrand, ein kleiner Bestand der landesweit seltenen, im Mittleren Schwarzwald aber zerstreut auftretenden Isolepis setacea.<br \/>\nEtwas weiter s\u00fcdlich, am Nordrand des Heidenb\u00fchl-Waldes, ging es den Hang wieder hinunter zur Nordrach. Hier entdeckten wir am Waldrand einen kleinen Magerrasen mit Calluna vulgaris, Danthonia decumbens, Nardus stricta und Ranunculus bulbosus, dem sich unterhalb eine Magerweide mit Polygala vulgaris subsp. oxyptera anschloss.<br \/>\nNeues boten auch die Stra\u00dfe im Nordrachtal und die Ufervegetation der Nordrach. Auf der Stra\u00dfenb\u00f6schung wuchs ein sch\u00f6ner Bestand von Verbascum nigrum, an der stra\u00dfenbegleitenden Trockenmauer ein Exemplar von Asplenium adiantum-nigrum und ein gro\u00dfer Bestand von Cymbalaria muralis, direkt auf der Stra\u00dfenrabatte schlie\u00dflich einige Exemplare von Dianthus armeria. Am Ufer der Nordrach kartierten wir neben den bereits nachgewiesenen Arten Carex pendula, und Mimulus guttatus auch Geranium columbinum (auf einem Felsblock), Reynoutria sachalinensis (kleiner Bestand) und Salix fragilis.<br \/>\nKurz vor dem Ausgangspunkt der Kartierexkursion in Hintertal fanden wir schlie\u00dflich auf einer Ruderalfl\u00e4che zwischen Stra\u00dfe und Nordrach (Lagerfl\u00e4che mit verdichtetem Boden, Pf\u00fctzen und Erdablagerungen) zahlreiche Arten, die in der umgebenden Feldflur nicht vorkamen. Hier wuchsen unter anderem Alisma plantago-aquatica, Carex otrubae, Lactuca serriola, Lepidium virginicum, Poa palustris, Rorippa palustris, Scleranthus annuus, Spergula arvensis, Trifolium hybridum und Typha latifolia. Insgesamt stellten wir entlang der innerhalb eines Radius von 250 m um R 3433240 H 5363800 gelegenen Kartierstrecke 283 Sippen fest.<br \/>\nNachmittags schloss sich eine Exkursion ins oberste Nordrachtal (470-560 m \u00fc. NN) nord\u00f6stlich von Nordrach-Kolonie an. Hier wuchsen entlang des Baches und im Wald die am Vormittag noch nicht beobachteten Hochstauden und Farne Adenostyles alliariae Dryopteris affinis, Festuca altissima, Ranunculus aconitifolius, Senecio ovatus und Thelypteris limbosperma. Auf einer seit langem brachliegenden Wiese erinnerten Carex demissa, Carex echinata, Carex panicea, Galium saxatile und Viola palustris daran, dass hier einmal ein Kleinseggen-Ried und ein Magerrasen vorkam.<br \/>\nKartiergebiet am Sonntagvormittag war die am Talanfang des Moosb\u00e4chle (der Nordrach von Nordwesten zuflie\u00dfend) gelegene Rodungsinsel Moosbach. In einer H\u00f6henlage von 510 bis 610 m \u00fc. NN gibt es hier \u00fcberwiegend extensiv bewirtschaftetes Gr\u00fcnland, einige H\u00f6fe mit angrenzenden G\u00e4rten, kleine Ruderalfl\u00e4chen (Abgrabungen und eine gro\u00dfe Erdaufsch\u00fcttung), ein Bachlauf und mehrere wasserf\u00fchrende Gr\u00e4ben. An bemerkenswerten Gr\u00fcnlandarten fanden wir in den Magerwiesen Alchemilla acutiloba, Dactylorhiza maculata, Hieracium lactucella, Listera ovata, Platanthera chlorantha und Polygala serpyllifolia. In den Feucht- und Nasswiesen wuchsen Carex nigra, Dactylorhiza majalis (zahlreich), Eriophorum angustifolium, Hypericum humifusum (Trittstellen), Ranunculus aconitifolius und Viola palustris.<br \/>\nAuf Ruderalfl\u00e4chen wuchsen Artemisia vulgaris, Barbarea intermedia (wenige Exemplare), Geranium pyrenaicum sowie die aus den G\u00e4rten verwilderten Arten Helianthus tuberosus und Tanacetum parthenium. Selbst die seit wenigen Jahren im Schwarzwald eingewanderte Senecio inaequidens hat den Weg ins abgelegen Moosb\u00e4chletal schon gefunden und trat mit einem Exemplar auf einer gro\u00dfen Erdhalde auf. Interessant war schlie\u00dflich auch die Flora der Gr\u00e4ben. In einem wegbegleitenden Graben am Waldrand wuchsen Carex demissa, Carex pendula, Isolepis setacea und Juncus bulbosus, an etwas trockeneren Stellen auch Linum catharticum. Ein frisch ausgehobener Graben in Hofn\u00e4he \u00fcberraschte uns mit einem gro\u00dfen Bestand von Montia fontana (die Unterart ist noch zu bestimmen). Insgesamt stellten wir entlang der innerhalb eines Radius von 250 m um R 3433660 H 5366720 gelegenen Kartierstrecke 262 Sippen fest.<br \/>\nDie abschlie\u00dfende Exkursion f\u00fchrte uns am Sonntagnachmittag vom Sportplatz in \u201eVor Ernsbach\u201c \u00fcber Vorder Schrofen nach Hinter Schrofen und \u00fcber die Feldflur s\u00fcd\u00f6stlich davon wieder zur\u00fcck zum Sportplatz. Notiert wurden vor allem einige bislang noch nicht nachgewiesene Ackerwildkr\u00e4uter und Ruderalarten, die wir im Ort, im Bereich eines S\u00e4gewerks, an Wegr\u00e4ndern und auf Wegb\u00f6schungen fanden, zum Beispiel Anthemis arvensis, Artemisia absinthium (ein Exemplar am Wegrand), Atriplex patula, Chenopodium ficifolium, Melilotus albus, Papaver somniferum (unbest\u00e4ndig), Sedum hispanicum (verwildert an einem Wegrand) und Vulpia myurus.<br \/>\nInsgesamt ergaben die vier Exkursionen den Nachweis von 380 Sippen. Weitere 12 Sippen kamen durch die Auswertung einer Artenliste von K.H. Harms hinzu, die er bei einer Exkursion in den Quadranten am 23. Mai 2004 erstellte. Er beobachtete unter anderem Ornithopus perpusillus (an zwei Stellen in L\u00f6cherberg), Orobanche rapum-genistae (eine Pflanze am Weg von L\u00f6cherberg zur Heidenkirche), Phyteuma nigrum, Poa humilis und Scleranthus perennis (L\u00f6cherberg),<br \/>\nVon den bislang aus dem Gebiet bekannten Sippen konnten 226 Sippen (88 %) wieder nachgewiesen werden, die \u00fcbrigen d\u00fcrften bei gezielter Suche ebenfalls wieder zu finden sein. Neu nachgewiesen wurden f\u00fcr das Gebiet 166 Sippen. Aktuell sind somit Nachweise f\u00fcr 392 Sippen, und insgesamt nachgewiesen sind f\u00fcr den Quadranten 423 Sippen. Bedenkt man, dass die Fl\u00e4che, welche die vier Exkursionsrouten abdecken (errechnet \u00fcber den Radius um den Mittelpunkt des Kartiergebiets), zusammen nicht einmal einen Quadratkilometer des etwa 34 km\u00b2 gro\u00dfen Quadranten betr\u00e4gt, ist es sehr wahrscheinlich, dass bei weiteren Exkursionen \u2013 zu anderen Jahreszeiten und in andere Bereiche des Quadranten \u2013 auch jetzt noch eine Reihe von Arten neu nachgewiesen werden k\u00f6nnte. Damit deutet sich an, dass der Mittlere Schwarzwald bei weitem nicht so artenarm ist, wie es das Grundlagenwerk \u201eDie Farn- und Bl\u00fctenpflanzen Baden-W\u00fcrttembergs\u201c zeigt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>THOMAS BREUNIG Die Erfassung der Farn- und Samenpflanzen im Quadranten 7514\/4 war Ziel des Kartierwochenendes am 26. und 27. Juni. Dieses Gebiet liegt haupts\u00e4chlich im Nordrachtal (Mittlerer Schwarzwald, Ortenaukreis). 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