{"id":20,"date":"2004-09-05T22:28:46","date_gmt":"2004-09-05T21:28:46","guid":{"rendered":"http:\/\/www.botanik-sw.de\/BAS\/module\/wordpress\/?p=20"},"modified":"2004-09-05T22:28:46","modified_gmt":"2004-09-05T21:28:46","slug":"kartierungsexkursionen-der-bas-in-den-buntsandstein-odenwald","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.botanik-sw.de\/BAS\/module\/wordpress\/?p=20","title":{"rendered":"Kartierungsexkursionen der BAS in den Buntsandstein-Odenwald"},"content":{"rendered":"<p>(2004) Bericht zu den Kartierungsexkursionen der BAS in den Buntsandstein-Odenwald am 10. Juli (TK 6520\/4) und am 5. September (TK 6421\/1)<br \/>\nvon Markus Sonnberger<\/p>\n<p>Beide Exkursionen f\u00fchrten in den s\u00fcd\u00f6stlichen Teil des Buntsandstein-Odenwalds, auf die als Winterhauch (Naturraum 144.5) bezeichnete Hochfl\u00e4che zwischen Buchen und Waldbrunn. Es handelt sich um eine insgesamt nur wenig durch Mulden und einige Bachrinnen gegliederte Tafellandschaft \u00fcber Ablagerungen des Oberen Buntsandstein, die jedoch an ihren n\u00f6rdlichen und s\u00fcdlichen R\u00e4ndern in die teils tief eingeschnittenen Seitent\u00e4ler von Main und Neckar abf\u00e4llt.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Die B\u00f6den der Hochfl\u00e4che sind in der Regel kalkarm und sauer. R\u00f6ttone und L\u00f6sslehm beg\u00fcnstigen Staun\u00e4sse, die heutzutage jedoch meist auf die Waldbereiche beschr\u00e4nkt ist. Nur noch punktuell sind auch im Gr\u00fcnlandbereich artenreichere Standorte erhalten geblieben, so dass sich das floristische Interesse auf W\u00e4lder und Saumbereiche konzentriert. Vor allem Kiefernbest\u00e4nde zeigen zum Teil noch heute eine von b\u00e4uerlicher Nutzungsweise gepr\u00e4gte Struktur und selbst j\u00fcngere Aufforstungen mit Fichten k\u00f6nnen stellenweise noch bemerkenswerte Artenbest\u00e4nde aufweisen, wobei vor allem manche nur extensiv befahrenen Waldwege wertvolle Ausweichquartiere f\u00fcr die im Offenland meist verschollene Flora der Borstgrasrasen darstellen. Die mitunter schluchtartigen T\u00e4ler tragen mancherorts noch naturraumtypische bodensaure Buchenw\u00e4lder, die bedingt durch kontrastreiche Expositions- und Neigungsverh\u00e4ltnisse sowie einer generell besseren Basenversorgung im Vergleich zu anderen Teilen des Hinteren Odenwaldes von einer auffallend artenreichen Saumflora begleitet werden.<br \/>\nBei beiden Exkursionen wurden in zumindest explorativer Weise sowohl die Hochfl\u00e4che als auch der Talbereich besucht.<br \/>\nDie erste Exkursion f\u00fchrte am 10. Juli zun\u00e4chst in ein Gebiet \u00f6stlich und s\u00fcd\u00f6stlich des Dorfes Weisbach (Gemeinde Waldbrunn). Teilnehmer waren (wohl witterungsbedingt nur) M. Sonnberger (Heiligkreuzsteinach) und M. Wander (Mannheim). Ausgangspunkt war der Sportplatz, von wo aus der Viertel-Quadrant (TK 6520\/41) erkundet wurde. Hier f\u00fchrte der Weg zun\u00e4chst in Richtung einer quellreichen Mulde um die &#8222;Hasenschl\u00e4gel&#8220;. Es herrschen hier, wie auch auf dem weiteren Weg, Fichtenforste mit einem gewissen Laubholz- und Kiefern-Anteil mit mehr oder weniger naturraumtypischer, jedoch \u00fcberwiegend trivialer Saumvegetation vor. In diesen Best\u00e4nden waren als Neufunde f\u00fcr den Quadranten lediglich, aber \u00fcberraschend genug, Persicaria maculosa, Valeriana officinalis subsp. excelsa und Festuca nigrescens zu verzeichnen. Ein kleiner Stichweg um R 3508387\/ H 5479368, der etwa 200 Meter weit in den angrenzenden NE-Quadranten der TK 6420 f\u00fchrte, erbrachte die bemerkenswertesten Funde des Tages. Auf dem Mittel- und Randstreifen des offensichtlich nur selten befahrenen Weges wuchs Luzula congesta in wenigen Exemplaren, wie bei dieser Art typisch. Die Art z\u00e4hlt zur atlantischen Flora und tritt in Baden-W\u00fcrttemberg als Seltenheit nur im Bereich des Winterhauchs auf. Begleitet wurde sie, au\u00dfer von diversen Prunellion-Arten, von Nardus stricta, Stellaria alsine, Carex nigra, Juncus conglomeratus, Danthonia procumbens und Carex demissa sowie Torfmoosen. Derartige Gelbseggen-Wegrasen z\u00e4hlen zu den floristisch bemerkenswerten Best\u00e4nden und sind durch Verf\u00fcllung mit nicht standortsgerechtem Wegebaumaterial, insbesondere von Muschelkalk, gerade im Bereich des Winterhauchs stark gef\u00e4hrdet. Nur wenig weiter fand sich auch eine kleine Kolonie von Potentilla anglica agg., eine in Baden-W\u00fcrttemberg anscheinend nur selten beobachtete, zumindest im hessischen Odenwald aber stellenweise recht verbreitete Hybride von Potentilla erecta und P. reptans mit ebenfalls st\u00e4rker atlantisch orientiertem Areal (vgl. Handbuch). Ein bemerkenswerter Standort war ein torfmoosreiches Erlenw\u00e4ldchen im Bereich einer Quellflur um R 3508598 \/H 5479053 mit Carex echinata, C. demissa, C. ovalis und Agrostis canina. Insgesamt wurden 171 Arten im Viertel-Quadranten TK 6520\/41 gefunden.<br \/>\nDie n\u00e4chste Tour f\u00fchrte in einen wenig weiter s\u00fcdlich gelegenen Teil des Seebachtales, im Viertel-Quadranten TK 6520\/43. Die \u00fcberwiegend s\u00fcd\u00f6stlich bis s\u00fcdwestlich exponierten, mit Buchen- und Mischw\u00e4ldern bestandenen H\u00e4nge sind steil. Deutlich macht sich in der Saum- und Waldflora ein h\u00f6herer Basengehalt der B\u00f6den bemerkbar, durch Vorkommen von Atropa bella-donna, Campanula trachelium, Aruncus dioicus und Melica uniflora (neu f\u00fcr TK 6520\/4). Am Fu\u00df der H\u00e4nge liegen mehrere teils stark sch\u00fcttende Quellen, die vielfach zu einer Versumpfung des entsprechend von Hygrophyten gepr\u00e4gten Talgrundes f\u00fchren. Neben dem Seebach gibt es einige rasch flie\u00dfende Seitengerinne, in denen zum Beispiel die eher seltene Berula erecta w\u00e4chst. Ein Neufund ist das Mittlere Hexenkraut (Circaea intermedia), das an entsprechenden Standorten in den s\u00fcdlichen Odenwaldt\u00e4lern aber durchaus zur typischen Flora z\u00e4hlt. Die Art ist ein steriler und sich nur vegetativ fortpflanzender Bastard aus der h\u00e4ufigen C. lutetiana und der sehr viel selteneren C. alpina, die im weiteren Umkreis zu fehlen scheint. Kolonien von C. intermedia k\u00f6nnen demzufolge als Relikte mit nur beschr\u00e4nktem Regenerationsverm\u00f6gen aufgefasst werden. Die Art kennzeichnet naturnahe Feuchtw\u00e4lder. Im Seebachtal und dem angrenzenden Salinenschlag wurden 174 Arten gefunden.<br \/>\nDie zweite Exkursion f\u00fchrte am 5. September auf den nord\u00f6stlichen Winterhauch in die Umgebung des Dorfes St\u00fcrzenhardt (Stadt Buchen). Teilnehmer waren G. Ilgenfritz (Kirchzarten), K. Langenbach (Mannheim), I. Schneider, E. Schubert (M\u00f6rlenbach), M. Sonnberger (Heiligkreuzsteinach) und M. Wander (Mannheim). Ausgangspunkt war der Wanderparkplatz 250 Meter westlich des Ortes, von wo aus der Viertel-Quadrant TK 6421\/13, namentlich die Waldinsel Str\u00fct und deren Umgebung, erkundet wurden. Schon die Umgebung des Parkplatzes mit S\u00e4umen aus Stauden und Annuellen brachte viele, \u00fcberwiegend h\u00e4ufige Arten. Neu f\u00fcr die TK 6421\/1 waren hier immerhin Campanula rapunculus, Carduus crispus, Epilobium ciliatum, Geranium pusillum und Lamium montanum var. florentinum. Letztere Art ist, wie auch die nahebei stehende Dianthus barbatus, wohl als Gartenauswurf zu deuten. Der Gr\u00fcnlandbereich um die Waldinsel zeigte sich als artenarmes Intensivgr\u00fcnland und keiner n\u00e4heren Betrachtung wert. Interessanter ist der Waldbereich mit \u2013 neben den unvermeidlichen Fichten-Aufforstungen \u2013 bemerkenswerten Altbest\u00e4nden der Wald-Kiefer. Auch hier sind die Waldwege und deren S\u00e4ume zwar die artenreichsten Strukturen, was sicher auch dadurch bedingt ist, dass zumindest die Hauptwege h\u00e4ufig mit allerlei Erdaushub, Bauschutt etc. \u00fcbersch\u00fcttet und vielfach auch dammartig \u00fcberh\u00f6ht werden. Die wertvollsten Strukturen sind aber die im Beerstrauch-Kiefernwald noch vorhandenen und jetzt zuwachsenden Lehmgruben. Um R 3518898 \/ H 5490700 finden sich dort \u00fcber staunassem Boden Sphagnum-Anfl\u00fcge, reichlich Molinia caerulea, Glyceria fluitans, Thelypteris limbosperma (neu f\u00fcr TK 6421\/1), Betula pubescens, Carex acuta, C. nigra, C. canescens und C. panicea, au\u00dferdem gro\u00dfe Kolonien von Maianthemum bifolium. Als Besonderheit der Pilzflora ist vom Fund weniger Fruchtk\u00f6rper des pr\u00e4chtigen und sehr seltenen Violetten Schleierlings (Cortinarius violaceus s.l.) zu berichten. Auf nur extensiv befahrenen Waldwegen w\u00e4chst hier Calluna vulgaris und Nardus stricta, was angesichts der weitgehenden \u00f6kologischen Ver\u00f6dung des Offenlandes durchaus als mitteilenswert erscheint. Der weitere Weg erbrachte als Neufund noch Hypericum desetangsii, das mit anderen Hartheu-Arten zu den charakteristischen Elementen der Waldweg-S\u00e4ume des Odenwaldes geh\u00f6rt und wohl oft verkannt wird. Fast zur\u00fcck am Ausgangspunkt wurde am s\u00fcdlichen Waldrand, ebenfalls im Saum eines Feldweges, ein kleiner Bestand des nur selten adventiv beobachteten Rauen Beinwells (Symphytum asperum) gefunden. Insgesamt wurden bei diesem Rundweg 200 Arten erfasst, was etwa der H\u00e4lfte der bis dato in TK 6421\/1 bekannten 413 Arten entspricht. Der verst\u00e4ndliche Wunsch nach noch mehr Arten wurde beim nur explorativen Begehen der Stra\u00dfenb\u00f6schung der K3916 nahe der Morre-Br\u00fccke in den Nachbar-Viertelquadranten TK 6421\/31 und TK 6421\/32 gut erf\u00fcllt: Im Saum des dort stehenden Waldlabkraut-Eichen-Hainbuchen-Mischwaldes (Galio-Carpinetum) und eines sich dort anschlie\u00dfenden trockenen Buchen-Waldes waren als Highlight des Tages gro\u00dfe Best\u00e4nde voll erbl\u00fchter Prachtnelken (Dianthus superbus subsp. silvestris) zu bewundern, die einen Neufund f\u00fcr den Quadranten darstellen. Weitere Neufunde von hier waren Brachypodium sylvaticum, Campanula persicifolia, Galium sylvaticum, Knautia maxima, Poa chaixii und Potentilla sterilis; eine auch von der Gaim\u00fchle bekannte Artenzusammensetzung, die in den Main-Seitent\u00e4lern sicher weiter verbreitet sein d\u00fcrfte, wor\u00fcber Exkursionen in den Folgejahren Klarheit erbringen d\u00fcrften. Neu f\u00fcr den angrenzenden Viertel-Quadranten (TK 6421\/31) waren die im unmittelbaren Stra\u00dfensaum wachsenden Gr\u00e4ser Bromus secalinus (!) und Puccinellia distans.<br \/>\nDie insgesamt erfreuliche Exkursion wurde mit einer kurzen Waldbesichtigung unmittelbar beim Treffpunkt an der B27 unterhalb des Rastplatzes vor Buchen beendet. Demonstriert wurde ein f\u00fcr die Buchener Gegend typischer Buchen(misch)wald \u00fcber Muschelkalk mit Epipactis purpurata, Aquilegia vulgaris, Cephalanthera rubra und C. damasonium, zahlreichen Waldseggen und -gr\u00e4sern sowie der lokal recht h\u00e4ufigen Steinbeere (Rubus saxatilis).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(2004) Bericht zu den Kartierungsexkursionen der BAS in den Buntsandstein-Odenwald am 10. Juli (TK 6520\/4) und am 5. September (TK 6421\/1) von Markus Sonnberger Beide Exkursionen f\u00fchrten in den s\u00fcd\u00f6stlichen Teil des Buntsandstein-Odenwalds, auf die als Winterhauch (Naturraum 144.5) bezeichnete Hochfl\u00e4che zwischen Buchen und Waldbrunn. 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