{"id":2267,"date":"2019-03-20T16:32:05","date_gmt":"2019-03-20T15:32:05","guid":{"rendered":"http:\/\/www.botanik-sw.de\/BAS\/module\/wordpress\/?p=2267"},"modified":"2021-04-06T17:32:16","modified_gmt":"2021-04-06T16:32:16","slug":"exkursionsbericht-zum-suedwestdeutschen-floristentag-2018","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.botanik-sw.de\/BAS\/module\/wordpress\/?p=2267","title":{"rendered":"Exkursionsbericht zum S\u00fcdwestdeutschen Floristentag 2018"},"content":{"rendered":"<p>von Georg Schepers<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Exkursion 2018 f\u00fchrte in den Kaiserstuhl, einem kleinen, ca. 100 qkm gro\u00dfen Gebirge vulkanischen Ursprungs im Oberrheingraben unweit von Freiburg im Breisgau. Die 11 Teilnehmer trafen sich um 9:15 Uhr mit den beiden Exkursionsleitern Georg Schepers (Waldkirch) und Wolfgang Bammert (Gottenheim) am Vogelsangpass zwischen B\u00f6tzingen und Alt-Vogtsburg. Nach einer kurzen Einf\u00fchrung in die Entstehungsgeschichte von Oberrheingraben und Kaiserstuhl wurden einige f\u00fcr den Naturraum typische Standorte in der n\u00e4heren Umgebung des Vogelsangpasses aufgesucht (z. B. Halbtrockenrasen und L\u00f6ssb\u00f6schungen). Aus der gro\u00ad\u00dfen Anzahl der hierbei gezeigten Pflanzen seien hier besonders erw\u00e4hnt: <em>Anacamptis pyramidalis, Digitalis lutea, Euphorbia seguieriana, Globularia bisnagarica, Orobanche arenaria<\/em> (auf <em>Artemisia campestris<\/em>), <em>Orobanche elatior<\/em> (auf <em>Centaurea scabiosa<\/em>) und <em>Peucedanum oreoselinum<\/em>.<\/p>\n<p>Auf Grund der leider recht geringen Teilnehmerzahl wurden Fahrgemein\u00adschaften gebildet; so konnten bei bestem Kaiserstuhlwetter (bis 32 \u00b0C) einige weitere Fundorte mit bemerkenswerten Pflanzenvorkommen aufge\u00adsucht werden. Beim \u201eBadloch\u201c am S\u00fcdhang des Badberges wurde der dortige Karbonatit-Steinbruch besucht und nach kurzer Erl\u00e4uterung zu dessen interessanter Geologie wurden zwei bemerkenswerte Pflanzen\u00advorkommen gezeigt: <em>Tanacetum macrophyllum<\/em> (diese Art wurde dort vor ca. 90 Jahren adventiv eingebracht und hat sich seitdem lokal etabliert) sowie <em>Daphne laureola. <\/em>Das dortige Vorkommen wurde erstmals vor sechs\u00a0Jahren erw\u00e4hnt, die Herkunft \u2013 vermutlich ebenfalls synanthrop? \u2013 ist leider nicht bekannt.<\/p>\n<p>Weiter ging es zu einigen Fundstellen in der Umgebung von Schelingen mit dem wohl letzten Vorkommen von <em>Iberis amara<\/em> im Kaiserstuhl, auf einer B\u00f6schung mit reichlich <em>Linum tenuifolium<\/em> und zu einem Weinberg, in dem seit einigen Jahren ein gro\u00dfer Bestand von <em>Calendula arvensis<\/em> w\u00e4chst (wohl synanthrop). In dessen N\u00e4he wuchsen am Fu\u00df einer B\u00f6schung wenige Exemplare von <em>Dianthus deltoides<\/em>, f\u00fcr die der letzte schriftlich dokumentierte Nachweis f\u00fcr den Kaiserstuhl aus dem Jahr 1819 stammt (von Fr. v. Ittner \u2013 leider jedoch ohne n\u00e4here Ortsangabe!).<\/p>\n<p>Das Mittagsvesper wurde an einem kleinen schattigen Platz in Schelingen eingenommen, bei dem sich in den Pflasterfugen ein Massenvorkommen von <em>Minuartia hybrida<\/em> subsp. <em>tenuifolia befand<\/em>. In unmittelbarer Umge\u00adbung konnte eine den meisten Exkursionsteilnehmern bis dahin unbe\u00adkannte Art, <em>Tanacetum partheniifolium<\/em>, gezeigt werden.<\/p>\n<p>Ein \u201eHighlight\u201c der Exkursion war zweifelsohne der L\u00fctzelberg bei Sas\u00adbach mit den Vorkommen von zahlreichen Rarit\u00e4ten in seinen Weinber\u00adgen, Trockenrasen, Geb\u00fcschr\u00e4ndern und Trockenmauern. Gezeigt wer\u00adden konnten hier u. a. <em>Ajuga chamaepitys<\/em>, <em>Allium sphaerocephalum<\/em>, <em>Alyssum montanum, Amaranthus graecizans<\/em> subsp. <em>sylvestris<\/em>, <em>Cynodon dactylon, Echinops sphaerocephalus, Festuca csikhegyensis, Melica ciliata, Nepeta cataria, Orobanche amethystea<\/em> (auf <em>Eryngium campestre<\/em>), <em>Potentilla cinerea<\/em> subsp. <em>incana<\/em>, <em>Potentilla inclinata<\/em>, <em>Potentilla<\/em> x <em>subaren\u00adaria<\/em>, <em>Rumex pulcher, Seseli hippomarathrum<\/em> und <em>Teucrium montanum<\/em>.<\/p>\n<p>Die Exkursionsroute f\u00fchrte weiter \u00fcber den B\u00fcchsenberg bei Niederrot\u00adweil mit seinem Flaumeichenwald (<em>Quercus pubescens<\/em> sowie <em>Quercus<\/em> x <em>calvescens<\/em>) und einem gro\u00dfen Vorkommen von <em>Buglossoides purpuro\u00adcaerulea<\/em> und <em>Dictamnus albus<\/em>, beide\u00a0 leider bereits verbl\u00fcht. Am Weg\u00adrand standen u. a. die w\u00e4rmeliebenden Arten <em>Colutea arborescens<\/em>, <em>Hippocrepis emerus, Physalis alkekengi<\/em> var. <em>alkekengi<\/em>\u00a0 und <em>Tanacetum corymbosum<\/em>.<\/p>\n<p>Nach einem kurzen Abstecher zum B\u00f6hmischberg bei Achkarren mit <em>Leonurus cardiaca<\/em> subsp. <em>cardiaca<\/em> wurde ein Vorkommern von\u00a0 <em>Equise\u00adtum ramosissimum<\/em> am Bahnhof Achkarren aufgesucht. Unklarheit herrschte bei den Exkursionsteilnehmern \u00fcber morphologisch auff\u00e4llige <em>Equisetum<\/em>-Pflanzen, die eine H\u00f6he von fast einen Meter erreichten und eine extrem gro\u00dfe Zentralh\u00f6hle (ca. 90% des St\u00e4ngel-Duchmessers) aufwiesen. Es bestand der Verdacht, dass es sich hierbei wom\u00f6glich um Hybriden \u2013 evtl. mit <em>Equisetum hyemale<\/em> \u2013 handeln k\u00f6nnte. Eine \u00dcberpr\u00fc\u00adfung von gesammelten Belegen durch Marcus Lubienski (Hagen) ergab jedoch, dass es sich auch bei diesen Pflanzen um <em>Equisetum ramosissi\u00admum<\/em> handelt!<\/p>\n<p>Zum Abschlu\u00df der Exkursion wurde der eindrucksvolle L\u00f6sshohlweg \u201eEichgasse\u201c bei Bickensohl besichtigt (mit <em>Prunus cerasus<\/em> subsp. <em>acida<\/em> in der L\u00f6\u00dfwand), und in einem benachbarten Weinberg wurde noch <em>Bromus catharticus<\/em> gefunden, bevor es zum Ausgangspunkt am Vogelsangpass zur\u00fcckging, wo die Exkursion gegen 17.20 Uhr endete.<\/p>\n<p>Zwei weitere Besonderheiten konnten bei dieser Exkursion gezeigt werden: ein recht gro\u00dfes, wenig bekanntes Vorkommen von <em>Limodorum abortivum<\/em> und ein seit einigen Jahren bekanntes Vorkommen des\u00a0 Farns <em>Asplenium ceterach<\/em>, der im Kaiserstuhl schon als \u201eausgestorben\u201c gegol\u00adten hatte. Aus Naturschutzgr\u00fcnden wird auf die Fundorte dieser beiden Arten nicht n\u00e4heren eingegangen.<\/p>\n<p>Die Benennung der Pflanzen erfolgte entsprechend der Nomenklatur in Rothmaler\u2018s Exkursionsflora von Deutschland, 20. Aufl. (2011).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Georg Schepers &nbsp; Die Exkursion 2018 f\u00fchrte in den Kaiserstuhl, einem kleinen, ca. 100 qkm gro\u00dfen Gebirge vulkanischen Ursprungs im Oberrheingraben unweit von Freiburg im Breisgau. Die 11 Teilnehmer trafen sich um 9:15 Uhr mit den beiden Exkursionsleitern Georg Schepers (Waldkirch) und Wolfgang Bammert (Gottenheim) am Vogelsangpass zwischen B\u00f6tzingen und Alt-Vogtsburg. 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