{"id":2404,"date":"2019-12-07T00:02:09","date_gmt":"2019-12-06T23:02:09","guid":{"rendered":"http:\/\/www.botanik-sw.de\/BAS\/module\/wordpress\/?p=2404"},"modified":"2019-12-06T23:58:30","modified_gmt":"2019-12-06T22:58:30","slug":"bas-jahresexkursion-balinger-alb-am-30-juni-2019","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.botanik-sw.de\/BAS\/module\/wordpress\/?p=2404","title":{"rendered":"BAS-Jahresexkursion Balinger Alb 30. Juni 2019"},"content":{"rendered":"<p>von Martin Engelhardt<\/p>\n<p>Die diesj\u00e4hrige Jahresexkursion f\u00fchrte auf die s\u00fcdlich von Balingen gelegenen Berge des Schw\u00e4bischen Alb. Am Sonntag, den 30. Juni \u2013 einem ausgesprochen hei\u00dfen Tag \u2013 trafen sich die 13 hartgesottenen Teilnehmer um 10.00 Uhr am Parkplatz auf der Passh\u00f6he am Lochen zwischen Weilstetten und Tieringen (TK 7719\/3).<\/p>\n<p>Die Exkursion, unter Leitung von Martin Engelhardt aus T\u00fcbingen, f\u00fchrt vom Parkplatz zuerst zur \u201eLochenkanzel\u201c, einem gewaltigen Malmfelsen (Malm ?-Lochenfazies), der wohl 30\u00a0m senkrecht in die Tiefe st\u00fcrzt. Bereits auf dem Weg dorthin wurden die ersten floristischen Beson\u00adderheiten entdeckt, so die Crassulacee <em>Jovibarba globulifera<\/em>. Der Fund gab Anlass f\u00fcr rege Diskussion: Ist das Vorkommen autochton? Nach welchen Kriterien kann man sich bei einer Einsch\u00e4tzung richten? In der N\u00e4he fanden sich auch <em>Saxifraga paniculata, Sedum rupestre, Sedum album, Rosa spinosissima<\/em> und <em>Melica ciliata<\/em>. Auf dem R\u00fcckweg wurde am Fu\u00df der s\u00fcdlich Felsen auch die G\u00e4nsesterbe (<em>Erysimum crepidi\u00adfolium<\/em>) in einem fruchtenden Exemplar gefunden. Direkt an der Kante der Hochfl\u00e4che fand sich ein gr\u00f6\u00dferer Bestand von <em>Phleum phleoides<\/em>. Offenbar ist der Boden an der Felskante hier oberfl\u00e4chlich ein wenig entkalkt. Entlang des Weges fanden sich nebeneinander sowohl die \u201ebehaarte\u201c, als auch die \u201cunbehaarte\u201c Sippe des Feld-Thymians. Je nach Auffassung (ob Unterarten oder Arten) hei\u00dfen diese <em>Thymus pulegioides<\/em> subsp. <em>carniolicus<\/em> \/ <em>Thymus froelichianus<\/em> bzw. <em>Thymus pulegioides<\/em> subsp. <em>pulegioides<\/em> \/ <em>Thymus chamaedrys<\/em>. Unmittelbar neben diesen fand sich <em>Onobrychis montana<\/em>.<\/p>\n<p>Am Aussichtspunkt der Lochenkanzel (962,9 m NN) konnte die typische Felsvegetation mit <em>Festuca pallens, Sesleria albicans, Carex humilis, Allium lusitanicum, Saxifraga paniculata, Leucanthemum adustum<\/em>, u.a.m.. beobachtet werden. Hier wurde als Seltenheit auch <em>Athamanta cretensis<\/em> in einigen Exemplaren gefunden. Diese Sippe kommt in Baden-W\u00fcrttem\u00adberg nur auf Schwammfelsen an der S\u00fcdseite des Eyachtals bei Balingen autochton vor. Ein Vorkommen bei Dettingen an der Erms geht offenbar auf eine Ansalbung um 1930 zur\u00fcck. In einer Felsspalte am Fu\u00dfe des Felsens fand sich <em>Taraxacum rubicundum<\/em>, die auf der Alb am weitesten verbreitete Sippe aus der Gruppe der Rotfr\u00fcchtigen L\u00f6wenz\u00e4hne. Die Blattform war typisch \u201eb\u00fcgelf\u00f6rmig\u201c. Leider war <em>Taraxacum lacistophyllum<\/em> nicht zu finden, dass eher typisch \u201epagodenartige\u201c Bl\u00e4tter besitzt. In der Umgebung des Felsens fand sich auch <em>Seseli libanotis<\/em> und <em>Pulsatilla vulgaris<\/em>. Hier war Gelegenheit bei guter Aussicht die geologische Struktur des Albtrauf zu besprechen.<\/p>\n<p>Danach f\u00fchrt die Exkursionsroute vorbei am &#8222;Lochengr\u00fcndle&#8220; (klassische Fossillienfundstelle) und dann an der Jugendherberge am Lochenpass vorbei, am Albtrauf entlang durch das Naturschutzgebiet &#8222;H\u00fclenbuch\u00adwiesen&#8220; zum &#8222;H\u00f6rnle&#8220;. Auf der Balinger Alb kommt \u2013 im Gegensatz zu den meist von Rotbuchen (<em>Fagus silvatica<\/em>) dominierten Traufw\u00e4ldern (Kalkbuchenwald) der Schw\u00e4bischen Alb \u2013 haupts\u00e4chlich Ahorn-Eschen-Ulmen-Wald vor, mit bemerkenswert alten, \u00fcber 50 m hohen Wei\u00dftannen (<em>Abies alba<\/em>) und hier wohl einem nat\u00fcrlichem Auftreten der Fichte (<em>Picea excelsa<\/em>). Hier kommen Arten der W\u00e4lder, der Magerwiesen und der Saumvegetation oft kleinr\u00e4umig nebeneinander vor. Folgende Arten, die beobachtet wurden, seien erw\u00e4hnt: <em>Amelanchier<\/em> <em>embergeri<\/em>, <em>Cotoneaster integerrimus, Ribes alpinum, Sorbus aria<\/em> s.str., <em>Buphthalmum salicifolium, Filipendula vulgaris, Galium boreale<\/em>, <em>Genista sagittalis, Gentiana lutea, Laserpitium latifolium, Orchis mascula, Phyteuma orbiculare, Platanthera bifolia<\/em> agg., <em>Polygonatum verticillatum, Polystichium aculeatum, Thesium bavarum, Trifolium montanum <\/em>und<em> Trifolium rubens<\/em>.<\/p>\n<p>Leider sind gro\u00dfe Bereich der mageren Bergwiesen offenbar am Tag vor der Exkursion gem\u00e4ht worden wohingegen einige Bereich im Kernbereich deutlich \u00fcberst\u00e4ndig waren und mitunter riesige Klappertopfbest\u00e4nde trugen. Die Teilnehmer hatten daher Anlass \u00fcber die Ziele des Natur\u00adschutzes, M\u00e4hzeitpunkte, die Verwertung des M\u00e4hguts und andere Themen ausf\u00fchrlich zu diskutieren und Erfahrungen auszutauschen.<\/p>\n<p>Das \u201eH\u00f6rnle\u201c ist wie die \u201eLochenkanzel\u201c eine Malm-Felsnase in 956,4 m u. NN, die hier in spitzem Winkel ins Eyachtal vorspringt. Die wenig ged\u00fcngten, gro\u00dffl\u00e4chigen und einsch\u00fcrig genutzten, artenreichen Holzwiesen, \u00fcber die der Weg zum \u201eH\u00f6rnle\u201c f\u00fchrt, sind Refugien von <em>Muscari botryoides, Gentiana verna, Centaurea montana<\/em> und anderen Arten. Leider sind fr\u00fcher hier bzw. an den Lochen vorkommende Arten wie z.B. <em>Anemonastrum narcissiflora, Arnica montana, Coeloglossum viride<\/em>, <em>Herminium monorchis, Traunsteinera globosa<\/em> l\u00e4ngst durch nicht angepasste Nutzung erloschen.<\/p>\n<p>Am \u201eH\u00f6rnle\u201c wurde im Schatten Mittagspause gemacht und die Gruppe machte sich dann wieder auf den R\u00fcckweg zum Parkplatz am Lochen\u00adpass, wo die Exkursion p\u00fcnktlich um 16 Uhr endete.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Martin Engelhardt Die diesj\u00e4hrige Jahresexkursion f\u00fchrte auf die s\u00fcdlich von Balingen gelegenen Berge des Schw\u00e4bischen Alb. Am Sonntag, den 30. Juni \u2013 einem ausgesprochen hei\u00dfen Tag \u2013 trafen sich die 13 hartgesottenen Teilnehmer um 10.00 Uhr am Parkplatz auf der Passh\u00f6he am Lochen zwischen Weilstetten und Tieringen (TK 7719\/3). 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