{"id":2522,"date":"2020-04-03T10:39:08","date_gmt":"2020-04-03T09:39:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.botanik-sw.de\/BAS\/module\/wordpress\/?p=2522"},"modified":"2020-04-03T14:45:21","modified_gmt":"2020-04-03T13:45:21","slug":"sorbus-exkursion-der-bas-am-15-09-2019-im-main-tauber-gebiet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.botanik-sw.de\/BAS\/module\/wordpress\/?p=2522","title":{"rendered":"Sorbus-Exkursion der BAS am 15.09.2019 im Main-Tauber-Gebiet"},"content":{"rendered":"<p>von Steffen Hammel und Bernd Haynold<\/p>\n<p>Das Main-Tauber-Gebiet um Tauberbischofsheim (Naturraum Tauber\u00adland) beherbergt deutschlandweit die reichhaltigste <em>Sorbus<\/em>-Flora. Treff\u00adpunkt der Exkursion war der Friedhof von Werbach-Werbachhausen (TK 6324\/1). Beim Aufstieg im Buchen-Mischwald konnte am \u201eLeitenberg\u201c Samenst\u00e4nde von <em>Monotropa hypophegea <\/em>und <em>Cephalanthera dama\u00adsonium<\/em> gefunden werden. Wo der Wald langsam licht wurde, fanden sich vor allem in der ehemaligen Schafweide gro\u00dfe Mehrbeeren-Best\u00e4nde. <em>Sorbus torminalis<\/em> und die noch namenlose <em>Sorbus graeca<\/em> s. l. (im weiten Sinne) wurden in Augenschein genommen. Beide sind die Elternarten der in der Regel triploiden und selten tetraploiden Bastard-Mehlbeeren des Main-Tauber-Gebietes.<\/p>\n<p>Als fixierte Art fand sich am Hang die Seybold-Mehlbeere (<em>Sorbus seyboldiana<\/em>) zahlreich. Der \u201eLeitenberg\u201c ist der locus typicus der Art. Selten traten noch weitere unbeschriebene Bastarde auf, die sich klar von der Seybold-Mehlbeere abgrenzen lie\u00dfen. Sie werden unter <em>Sorbus latifolia<\/em> s. l. (im weiten Sinne) zusammengefasst. Ferner konnte eine sch\u00f6ne sp\u00e4tsommerliche Xerothermvegetation mit <em>Aster amellus, Galatella linosyris <\/em>und <em>Odontites luteus<\/em> vorgefunden werden.<\/p>\n<p>Das n\u00e4chste Ziel war die \u201eLimbachsleite\u201c nord\u00f6stlich von Werbach (TK 6323\/2). Mehlbeeren sind hier selten. Im Geb\u00fcsch am Rand der Halb\u00adtrockenrasen konnte allerdings <em>Sorbus meyeri <\/em>begutachtet werden. Obwohl erst 2018 ein Mastjahr war, fanden sich am Baum auch in diesem Jahr zahlreiche Beeren (allerdings noch nicht voll ausgereift).<\/p>\n<p>In den Gesellschaften des Gentiano-Koelerietum pyramidatae (Halb\u00adtrockenrasen), Teucrio-Seslerietum (Blausgrashalde) sowie der <em>Galatella linosyris<\/em>&#8211;<em>Carex humilis<\/em>-Gesellschaft (Trockenrasen) war <em>Galatella linosyris <\/em>h\u00e4ufig. Ebenfalls konnte <em>Sesleria caerulea<\/em> und wieder <em>Odontites luteus <\/em>notiert werden.<\/p>\n<p>Weiter ging es zum \u201eApfelberg\u201c bei Werbach-Gamburg (TK 6323\/2). Am Parkplatz beim \u201eKalten Bild\u201c finden sich am Waldrand wieder verschie\u00addene <em>Sorbus latifolia<\/em> s. l.-B\u00e4ume. Ploidiebestimmungen in den Vorjahren erbrachte hier auch einen tetraploiden Bastard. Der \u201eApfelberg\u201c ist locus typicus der von Ruprecht D\u00fcll 1961 beschriebenen <em>Sorbus badensis<\/em>. Anhand von Scans der drei Pflanzenbelege im Herbar M\u00fcnchen wurde die Ansicht der Autoren begr\u00fcndet, warum derzeit von einer nicht korrekten Artbeschreibung ausgegangen wird. Es wurden Belege in zwei unterschiedlichen Jahren gesammelt. Die Aufsammlung vom 10. Septem\u00adber 1960 entspricht am ehesten dem, was wir derzeit als <em>Sorbus badensis<\/em> kartieren. Bei den beiden anderen Belegen vom 7. Mai 1961 handelt es sich um einen oder mehrere B\u00e4ume, die aktuell unter dem von L. Meierott und N. Meyer verwendeten Arbeitsnamen \u201e<em>Sorbus moenofranconica<\/em>\u201c laufen (Unterschiede u.a. Behaarung Blattunter\u00adseite, Blattgrund keilig oder gerundet). Dass unterschiedliche B\u00e4ume besammelt wurden, zeigt sich auch bei den Belegen von R. D\u00fcll in seinem Privatherbar. Auf der Schede im Privatherbar vom 10.09.1960 (SN 1041) findet sich der Hinweis: \u201eFr. (unreif) fast rot\u201c. Der Beleg in M (SN 1040) vermerkt: \u201eFr. kirschrot\u201c. Wir f\u00fchren die Sippe daher aktuell nur mit \u201eAnf\u00fchrungs\u00adzeichen\u201c.<\/p>\n<p>Beim Aufstieg am Apfelberg fanden sich am Waldsaum einige <em>Sorbus graeca<\/em> s. l. und wenige B\u00e4ume der besagten \u201e<em>Sorbus badensis<\/em>\u201c, beide Mehlbeeren auch mit Fr\u00fcchten. Die Halbtrocken\u00adrasen des Apfelberges sind stark xerotherm ausgepr\u00e4gt. Ein Nachweis der vom Aussterben bedrohten Italienischen Sch\u00f6n\u00adschrecke (<em>Calliptamus italicus<\/em>) soll hier Erw\u00e4hnung finden. In den Rasen, am Waldrand und im Wald finden sich unterschiedliche <em>Sorbus latifolia<\/em> s. l. Im Geb\u00fcsch des Halbtrockenrasens fand sich \u00fcberraschenderweise eine <em>Sorbus aria<\/em> s. l., die nicht den im Gebiet \u00fcblichen <em>Sorbus graeca<\/em> s. l. entspricht. Da <em>Sorbus aria<\/em> s. str. im Gebiet nicht vorkommt, ist von einer Verwilderung eines Stra\u00dfenbaumes auszugehen. Am Hangkopf (SW-Seite) findet sich dann nochmals ein Baum, der als \u201e<em>Sorbus badensis<\/em>\u201c kartiert werden kann. Ein Standardblatt davon ist in Hammel &amp; Haynold (2015: 64) abgebildet.<\/p>\n<p>Die Exkursion endete in der \u201eBremenleite\u201c bei Tauberbischofsheim (TK 6323\/4). In den dortigen Rasen bzw. im Geb\u00fcschaufwuchs fanden sich Bastard-Mehlbeeren, die zum <em>Sorbus herbipolitana <\/em>\/ <em>Sorbus<\/em> \u201c<em>moenofranconica<\/em>\u201c-Komplex geh\u00f6ren.<\/p>\n<p>Die Benennung der Pflanzen erfolgte entsprechend der Liste der Gef\u00e4\u00df\u00adpflanzen Deutschlands (Buttler et al. 2019); erg\u00e4nzend nach Hammel &amp; Haynold (2015).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Literatur<\/strong><\/p>\n<p>Buttler K. P., May R. &amp; Metzing D. (Hrsg.: Bundesamt f\u00fcr Naturschutz) 2018: Liste der Gef\u00e4\u00dfpflanzen Deutschlands. Florensynopsis und Synonyme. \u2013 BfN-Skripten 519. 286 S.; Bonn-Bad Godesberg.<\/p>\n<p>Hammel S. &amp; Haynold B. 2015: <em>Sorbus seyboldiana<\/em> \u2013 eine neue Mehl\u00adbeere aus Baden-W\u00fcrttemberg und Bayern. \u2013 \u00a0Jh. Ges. Naturkde. W\u00fcrttemberg 171: 51-68.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Steffen Hammel und Bernd Haynold Das Main-Tauber-Gebiet um Tauberbischofsheim (Naturraum Tauber\u00adland) beherbergt deutschlandweit die reichhaltigste Sorbus-Flora. Treff\u00adpunkt der Exkursion war der Friedhof von Werbach-Werbachhausen (TK 6324\/1). Beim Aufstieg im Buchen-Mischwald konnte am \u201eLeitenberg\u201c Samenst\u00e4nde von Monotropa hypophegea und Cephalanthera dama\u00adsonium gefunden werden. 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