{"id":263,"date":"2009-12-28T17:55:00","date_gmt":"2009-12-28T16:55:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.botanik-sw.de\/BAS\/module\/wordpress\/?p=263"},"modified":"2013-03-03T17:37:04","modified_gmt":"2013-03-03T16:37:04","slug":"ottich-i-bonsel-d-gregor-t-malten-a-zizka-g-2009-natur-vor-der-haustur-%e2%80%93-stadtnatur-in-frankfurt-am-main-ergebnisse-der-biotopkartierung-%e2%80%93-kleine-senckenberg-reihe-50","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.botanik-sw.de\/BAS\/module\/wordpress\/?p=263","title":{"rendered":"Ottich, I., B\u00f6nsel, D., Gregor, T., Malten A. &#038; Zizka G. 2009: Natur vor der Haust\u00fcr \u2013 Stadtnatur in Frankfurt am Main. Ergebnisse der Biotopkartierung. \u2013 Kleine Senckenberg-Reihe 50: 204 S.; E. Schweizerbart\u2019sche Verlagsbuchhandlung, Stuttgart.  ISBN 978-3-510-61393-9."},"content":{"rendered":"<p>Besprechung von THOMAS BREUNIG<\/p>\n<p>Seit 1985 f\u00fchrt die Arbeitsgruppe Biotopkartierung am Forschungsinstitut Senckenberg Untersuchungen zu Flora, Fauna und Biotopen in Frankfurt am Main durch. Mit dem vorliegenden Band aus der Kleinen Senckenberg-Reihe sollen die \u201eErgebnisse zur Biodiversit\u00e4t durch Publikation auch der interessierten \u00d6ffentlichkeit zug\u00e4nglich\u201c gemacht und \u201eeinige neuere Ergebnisse der Arbeitsgruppe Biotopkartierung\u201c pr\u00e4sentiert werden.<br \/>\nEin einf\u00fchrender Teil enth\u00e4lt allgemeine Informationen zum Frankfurter Stadtgebiet, einen kleinen \u00dcberblick zu den Frankfurt betreffenden botanischen Sammlungen des Senckenberg-Instituts sowie Informationen zur Biotopkartierung selbst und den dabei durchgef\u00fchrten Untersuchungen.<br \/>\nIm anschlie\u00dfenden Hauptteil werden auf 127 Seiten Lebensr\u00e4ume des Stadtgebiets vorgestellt: Streuobst, Gr\u00fcnland, Magerrasen und Heiden, Brachen, Flie\u00dfgew\u00e4sser, Stillgew\u00e4sser und Wald. Unter dem Motto \u201eBio-diversit\u00e4t erleben\u201c werden au\u00dferdem drei Spazierg\u00e4nge durch den Stadtwald und zwei besondere Biotope in Frankfurt beschrieben: das L\u00f6nsw\u00e4ldchen und der Alte Flugplatz.<br \/>\nDen Abschluss bilden ein sechsseitiger \u00dcberblick zu den Naturschutzgebieten in Frankfurt, ein Ausblick auf die Stadtnatur der Zukunft und ein Anhang mit einer Reihe von Artenlisten.<br \/>\nDer Band ist reich bebildert, die Bilder sind dabei von recht unterschied-licher Qualit\u00e4t. Neben den zum Teil hervorragenden Pflanzen- und Tierportr\u00e4ts fallen die Vegetations- und Landschaftsbilder zum Teil stark in ihrer Qualit\u00e4t ab. Die Bildunterschriften sind nicht immer treffend, zum Beispiel wenn es bei Abb. 40 hei\u00dft \u201eGr\u00fcnland ist ein pr\u00e4gendes Landschaftselement\u201c, abgebildet sind jedoch landschaftspr\u00e4gende Kopfweiden. Bei den abgebildeten Herbarbelegen fehlt leider die Angabe, um welche Arten es sich handelt.<br \/>\nNicht sehr vergn\u00fcglich ist das Lesen der Texte. Man war sich offensichtlich nicht im Klaren, wen man mit der \u201einteressierten \u00d6ffentlichkeit\u201c ansprechen wollte. So reichen die Formulierungen vom Fachchinesisch (S. 54: \u201e Die [\u2026] Zwergstrauchheide ist gepr\u00e4gt von der Dominanz der Calluno-Ulicetalia-Ordnungskennart Besenheide (Calluna vulgaris)\u201c bis hin zu banalen Aufz\u00e4hlungen wie der, dass ein Baum aus Wurzeln, Stamm, \u00c4sten, Rinde, Bl\u00e4ttern, Bl\u00fcten, Fr\u00fcchten, abgestorbenen \u00c4sten und Baumh\u00f6hlen bestehen kann und dass dies unterschiedliche Habitattypen im Lebensraum Streuobst sind (S. 29). Vielfach verwendet wird ein \u201enaturschutzfachliches Gutachterjargon\u201c, dabei wird der Begriff Biodiversit\u00e4t sehr strapaziert. So wird der interessierte Laie eher abgeschreckt und der sachkundige Leser langweilt sich.<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\nAuff\u00e4llig sind eine Reihe von Nachl\u00e4ssigkeiten und Ungereimtheiten. Verwundert liest man gleich in der Einleitung dass das \u201eheutige Gesicht der Stadt vor allem durch Eingemeindungen kleinerer Ortschaften gepr\u00e4gt\u201c ist und fragt sich, ob man bislang ein v\u00f6llig falsches Bild von Frankfurt am Main im Kopf hatte. Wenn man anschlie\u00dfend erf\u00e4hrt, dass der Waldanteil von \u00fcber 15 % ungew\u00f6hnlich f\u00fcr eine deutsche Gro\u00dfstadt ist (nochmals auf S. 156: \u201ebeeindruckende Zahlen\u201c), m\u00f6chte man den Autoren eine zehnmin\u00fctige Internetrecherche zu den Verh\u00e4ltnissen in anderen deutschen Gro\u00dfst\u00e4dten empfehlen. Bei den Sch\u00e4tzungen, dass bis weit \u00fcber 5.000 Tierarten Streuobstbest\u00e4nde nutzen, w\u00fcnscht man sich eine Quellenangabe, und bei der Aussage, dass der Biotoptyp Streuobst weniger Merkmale geschlossener \u00d6kosysteme aufweist als andere Lebensraumtypen (S. 33) m\u00f6chte man gerne verstehen, was gemeint ist. Zu Recht weisen die Autoren darauf hin, dass der wissenschaftliche Nutzen eines Herbarbelegs h\u00f6her ist als der einer Fundortangabe. Doch dass sie daf\u00fcr als Beispiel ausgerechnet eine Fundortangabe f\u00fcr den kaum verwechselbaren Diptam [\u201ean der Hinkelsteinschneise\u201c] anf\u00fchren anstatt eine bestimmungskritische Sippe zu nennen, ist nur eine von vielen weiteren Nachl\u00e4ssigkeiten.<br \/>\nWie wenig an den Leser gedacht wurde, zeigt auch Tabelle VI im Anhang, in der die letzten Angaben zum Vorkommen von Arten lichter W\u00e4lder im Frankfurter Stadtwald aufgelistet sind. Wie spannend w\u00e4re es hier \u2013 \u00fcber\u00acsichtlich chronologisch geordnet \u2013 zu erfahren, wann welche Art aus dem Stadtwald verschwunden ist. Statt dessen sind die Arten ungeschickterweise alphabetisch nach ihrem deutschen Namen aufgelistet \u2013 die \u00c4stige Graslilie steht so am Anfang, die Traubige Graslilie fast am Ende der Liste. Gesteigert wird die Un\u00fcbersichtlichkeit der Liste noch dadurch, dass sie neben verschwundenen Arten auch solche enth\u00e4lt, die noch vor wenigen Jahren im Stadtwald nachgewiesen wurden und die nach Tabelle V auch aktuell noch vorkommen.<br \/>\nSo bleiben W\u00fcnsche f\u00fcr die Zukunft:\u00a0 Die Auftrennung der Ergebnisse der Biotopkartierung in eine anschaulichere Beschreibung der Frankfurter Stadtnatur f\u00fcr den Naturinteressierten und in eine separate, inhaltlich deutlich angereicherte Ver\u00f6ffentlichung mit umfassender Darstellung der Ergebnisse der Biotopkartierung f\u00fcr Fachkreise, zum Beispiel mit Fl\u00e4chenstatistiken zu allen erfassten Biotoptypen und mit H\u00e4ufigkeitsangaben zu den erfassten Arten. Und schlie\u00dflich bleibt zu w\u00fcnschen, dass sich das Forschungsinstitut Senckenberg f\u00fcr seine Ver\u00f6ffentlichungen in Zukunft eine redaktionelle Bearbeitung leisten kann, die es laut Impressum f\u00fcr den vorliegenden Band nicht gab.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Besprechung von THOMAS BREUNIG Seit 1985 f\u00fchrt die Arbeitsgruppe Biotopkartierung am Forschungsinstitut Senckenberg Untersuchungen zu Flora, Fauna und Biotopen in Frankfurt am Main durch. Mit dem vorliegenden Band aus der Kleinen Senckenberg-Reihe sollen die \u201eErgebnisse zur Biodiversit\u00e4t durch Publikation auch der interessierten \u00d6ffentlichkeit zug\u00e4nglich\u201c gemacht und \u201eeinige neuere Ergebnisse der Arbeitsgruppe Biotopkartierung\u201c pr\u00e4sentiert werden. 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