{"id":27,"date":"2004-12-31T23:20:06","date_gmt":"2004-12-31T22:20:06","guid":{"rendered":"http:\/\/www.botanik-sw.de\/BAS\/module\/wordpress\/?p=27"},"modified":"2014-10-24T08:55:20","modified_gmt":"2014-10-24T07:55:20","slug":"kartierung-der-flora-von-stuttgart-%e2%80%93-bericht-2004","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.botanik-sw.de\/BAS\/module\/wordpress\/?p=27","title":{"rendered":"Kartierung der Flora von Stuttgart \u2013 Bericht 2004"},"content":{"rendered":"<p>(2004) Reinhard B\u00f6cker<\/p>\n<p>In j\u00fcngerer Zeit wurden seit 1997 vom Institut f\u00fcr Landschafts- und Pflanzen\u00f6kologie der Universit\u00e4t Hohenheim des Projektes \u201eFlora von Stuttgart\u201c systematisch Daten zur Pflanzenwelt erarbeitet. Zahlreiche Mitarbeiter waren und sind an der modernen Raster-Kartierung, EDV-Erfassung und Herbarisierung beteiligt.<br \/>\nUm die Geschichte und Dynamik einer Flora beurteilen zu k\u00f6nnen, sind historische Dokumente n\u00f6tig. Dadurch, dass am Botanischen Institut der Hochschule Hohenheim Professoren mit breiten floristischen Artenkenntnissen t\u00e4tig waren, sind aus dem Stuttgarter Gebiet Vorkommen vieler Pflanzen dokumentiert. Insbesondere die von Prof. Oskar Kirchner (geb. 5.9.1851 in Breslau, gest. 25.4.1925 in Venedig, beigesetzt im Zentrum des alten Hohenheimer Friedhofes, von 1881 bis 1917 Professor an der K\u00f6nigl. landwirtschaftl. Akademie Hohenheim) erarbeitete und 1888 erschienene \u201eFlora von Stuttgart und Umgebung\u201c gibt insbesondere im Fall damals seltenerer Pflanzen Vorkommen an. Solche vergleichsweise exakten Fundortangaben beruhten oft auf floristische T\u00e4tigkeiten seiner Vorg\u00e4nger wie besonders Dr. Franz v. Fleischer (von 1801 bis 1878 Professor der Botanik in Hohenheim), und L.H. Zenneck (von 1779 bis 1859 Professor der Chemie und Botanik in Hohenheim). Einige wichtige floristische Angaben f\u00fcr Hohenheim stammten von Dr. J. Michalowski, Assistent an der K\u00f6niglichen Samenpr\u00fcfungsanstalt in Hohenheim.<br \/>\nF\u00fcr den Fortgang der lokalen Floristik war dann seit der Mitte des vorigen Jahrhunderts insbesondere KREH verantwortlich. Er hat in einer Vielzahl von Ver\u00f6ffentlichungen Angaben zur Flora von Stuttgart dokumentiert.<br \/>\nBisher gibt es in keiner Stadt Baden-W\u00fcrttembergs eine neuere Regionalflora. Die letzte umfassende ver\u00f6ffentlichte Flora Stuttgarts von SEYBOLD ist im Jahre 1969 erschienen und somit schon fast 35 Jahre alt.<br \/>\nIn den letzten 35 Jahren hat sich jedoch das Stuttgarter Stadtbild stark ver\u00e4ndert: Die Bebauung hat weiter zugenommen, die Tr\u00fcmmerfl\u00e4chen, bei SEYBOLD noch vielbeschrieben, sind weitgehend verschwunden und \u00fcberbaut, die Industriegebiete sind ausgeweitet worden, der Weinbau wurde auf vielen Fl\u00e4chen aufgegeben; teilweise sind diese Fl\u00e4chen brach. Auch der Obstwieseng\u00fcrtel im Au\u00dfenbereich ist stark reduziert, die landwirtschaftlichen Fl\u00e4chen sind generell in rapider Abnahme begriffen.<br \/>\nDiese Fl\u00e4chennutzungs\u00e4nderungen ziehen auch radikale Florenver\u00e4nderungen nach sich.<br \/>\nEine Bilanzierung der Florenverluste und -ver\u00e4nderungen kann in eindr\u00fccklicher Weise die Entwicklung Stuttgarts in den letzten 30 Jahren nachzeichnen. Fragen, wie die nach dem Einfluss der fortschreitenden Bebauung auf die Florenzusammensetzung, oder Auswirkungen der Ausweisungen von Landschaftsschutzgebieten z.B. an der Wangener H\u00f6he sollen damit beantwortet werden.<br \/>\nEine der Hauptaufgaben einer Flora des Stadtgebietes aber ist es, die Grundlage f\u00fcr einen sinnvollen Natur- und Artenschutz in einem Gebiet zu bieten, das ihn aufgrund der starken anthropogenen Nutzung besonders n\u00f6tig hat.<br \/>\nEine aktuelle \u201dFlora von Stuttgart\u201d wird als Entscheidungshilfe f\u00fcr Artenschutzprogramme von st\u00e4dtischen Beh\u00f6rden und anderen Interessensgruppen gebraucht, so dass der Natur- und Artenschutz gem\u00e4\u00df \u00a71 BNatschG in der Bundesrepublik fl\u00e4chendeckend also auch in den St\u00e4dten in die Praxis umgesetzt werden kann. So stellt sie Argumentationshilfen bei Planungs- und Bebauungsfragen bereit und kann somit die Position des Naturschutzes auch in Stuttgart st\u00e4rken.<br \/>\nSie soll weiterhin bei den Bewohner\/innen Stuttgarts um ein st\u00e4rkeres Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die heimische st\u00e4dtische Flora werben. Oft wird das &#8222;Gr\u00fcn&#8220; in der Stadt von den Bewohner\/innen gar nicht wahrgenommen. Mit einer Stadt werden in erster Linie H\u00e4user, Stra\u00dfen und Fabriken assoziiert. Erst der zweite Gedanke gilt dann den Obstg\u00e4rten, Weinbergen, Stadtw\u00e4ldern und anderen Gr\u00fcnfl\u00e4chen. Doch gerade diese &#8222;gr\u00fcnen Lungen&#8220; machen das Leben in auch in dieser Stadt erst lebenswert. Daher kann eine \u201dFlora von Stuttgart\u201d helfen die Sensibilit\u00e4t aller an der Natur Interessierten f\u00fcr die Sch\u00f6nheit und Eigenart dieser speziellen st\u00e4dtischen Flora zu erh\u00f6hen und die Motivation zu ihrem Schutz zu verst\u00e4rken. Eine Flora des Stadtgebietes dokumentiert den gegenw\u00e4rtigen Florenbestand innerhalb der Stadtgrenzen Stuttgarts.<br \/>\nGleichzeitig erfolgt neben der Kartierung ein Vergleich mit dem ehemaligen Florenbestand der SEYBOLD`schen Flora und noch fr\u00fcheren Floren. Daraus resultiert eine Florenbilanzierung, die Auskunft \u00fcber Verluste von Pflanzenarten und Ver\u00e4nderungen von Pflanzenverbreitungen geben kann.<br \/>\nDiese umfassende Bestandsaufnahme \u00fcber Verbreitung und Gef\u00e4hrdung der Stuttgarter Flora liefert das erforderliche Grundwissen f\u00fcr Artenschutzprogramme und andere Ma\u00dfnahmen zur Erhaltung der Artenvielfalt.<br \/>\nDurch die &#8222;Flora von Baden-W\u00fcrttemberg&#8220;, die f\u00fcr die Farn- und Bl\u00fctenpflanzen fertiggestellt wurde, sind die Kenntnisse der Flora unseres Landes erheblich erhellt und verbessert worden.<br \/>\nDie Angaben zur Flora in St\u00e4dten kommen dabei jedoch zu kurz; da die Rasterkartierung der Landesflora viel zu grob ist, um sie in St\u00e4dten anwenden zu k\u00f6nnen. (Quadrantenraster: 1\/4 einer topographischen Karte 1 : 25.000). Es ist notwendig in St\u00e4dten ein viel feineres Rasternetz als Kartiergrundlage auszuarbeiten, damit das Verbreitungsmuster der Pflanzenarten im Stadtgebiet aussagekr\u00e4ftig wird. F\u00fcr Stuttgart wird vorgeschlagen auf 1\/64 MTB &#8211; Raster zu gehen, wobei die Integration einer h\u00f6heren Aufl\u00f6sung angestrebt wird z.B. auf Baublock &#8211; Basis.<\/p>\n<p>Vorgehensweise<br \/>\nDie Voraussetzung f\u00fcr eine aktuelle Flora ist eine gr\u00fcndliche, kritische Bearbeitung und Aktualisierung des seit der letzten Flora Stuttgarts (SEYBOLD 1969) zusammengetragenen Florenmaterials.<br \/>\nAls aktuell gelten Pflanzenfunde und Best\u00e4tigungen ab dem Erscheinungsjahr der Flora Seybolds. Bei der Bearbeitung soll der Kenntnisstand aller an der Bearbeitung der Flora beteiligten haupt- und ehrenamtlichen Bearbeiter\/innen abgefragt und eingebracht werden.<br \/>\nNeuere Erhebungen liegen z.B. in Form von Diplomarbeiten der Universit\u00e4t Hohenheim, der Universit\u00e4t Stuttgart, in privaten Sammlungen und im Naturkundemuseum vor. Diese Daten sollen gesammelt, kritisch gepr\u00fcft und in die Flora mit aufgenommen werden.<br \/>\nGebiete, aus denen kein aktuelles Material vorliegt, m\u00fcssen in naher Zukunft kartiert werden. Diese Kartierungen werden unter anderem in Zusammenarbeit mit dem botanischen Stammtisch Stuttgart, der aus ehrenamtlichen, botanisch-interessierten Mitgliedern besteht, durchgef\u00fchrt.<br \/>\nPr\u00e4zise Angaben zu den Wuchspl\u00e4tzen der Pflanzen und Beschreibungen des menschlichen Einflusses und der Standortfaktoren erh\u00f6hen die Benutzbarkeit der Flora f\u00fcr den angewandten Naturschutz in der Region Stuttgart.<br \/>\nErfassung und Auswertung der umfangreichen Datenmengen sind nur durch Nutzung von EDV m\u00f6glich. Das vom Bundesamt f\u00fcr Naturschutz bereitgestellte Programm FLOREIN soll auch weiterhin f\u00fcr die Datensammlung genutzt werden.<br \/>\nAus der Aufbereitung ergibt sich eine Bilanzierung der Florenverluste und -gewinne durch Abgleich mit \u00e4lteren Floren und somit Ans\u00e4tze f\u00fcr konkrete Ma\u00dfnahmen des Naturschutzes im Bereich der Biotopsicherung.<br \/>\nIn der geplanten Bearbeitungsphase sollen in den n\u00e4chsten Jahren Rasterkarten erzeugt werden. Sie zeigen den gegenw\u00e4rtigen Florenbestand, regionale Besonderheiten und R\u00fcckg\u00e4nge bei jeder Pflanzenart auf und vermitteln ein eindr\u00fcckliches Bild des Florenwandels.<br \/>\nGew\u00fcnscht ist auch in Zukunft eine rege Mitarbeit an der Kartierung. Die Termine werden jeweils in der Pflanzenpresse und an dieser Stelle ver\u00f6ffentlicht.<\/p>\n<p>N\u00e4here Informationen bei<br \/>\nReinhard B\u00f6cker, Universit\u00e4t Hohenheim, Institut 320, 70593 Stuttgart<br \/>\nboeckerr (at) uni-hohenheim.de<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(2004) Reinhard B\u00f6cker In j\u00fcngerer Zeit wurden seit 1997 vom Institut f\u00fcr Landschafts- und Pflanzen\u00f6kologie der Universit\u00e4t Hohenheim des Projektes \u201eFlora von Stuttgart\u201c systematisch Daten zur Pflanzenwelt erarbeitet. Zahlreiche Mitarbeiter waren und sind an der modernen Raster-Kartierung, EDV-Erfassung und Herbarisierung beteiligt. Um die Geschichte und Dynamik einer Flora beurteilen zu k\u00f6nnen, sind historische Dokumente n\u00f6tig. 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