{"id":2709,"date":"2020-12-22T12:01:50","date_gmt":"2020-12-22T11:01:50","guid":{"rendered":"https:\/\/www.botanik-sw.de\/BAS\/module\/wordpress\/?p=2709"},"modified":"2020-12-22T12:03:13","modified_gmt":"2020-12-22T11:03:13","slug":"exkursionen-der-regionalgruppe-kurpfalz-im-jahr-2020","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.botanik-sw.de\/BAS\/module\/wordpress\/?p=2709","title":{"rendered":"Exkursionen der Regionalgruppe Kurpfalz 2020"},"content":{"rendered":"<p>von MARKUS SONNBERGER, Heiligkreuzsteinach<\/p>\n<p><strong>Samstag, 27. Juni<\/strong>: Naturraum; Bauland\/Sandstein-Odenwald; Baden-W\u00fcrttemberg; Elztal; 6621\/1; Neckarburken. &#8222;B\u00fcrgerwald-Heppenstein&#8220;; Magerwiesen, Kalk-Wald; Treffpunkt: 11:00; Bahnhof Neckarburken; N 49,37834\u00b0\u00a0 O 9,16321\u00b0.<\/p>\n<p>Die erste Exkursion startete aufgrund der Corona-Krise erst sp\u00e4t, n\u00e4mlich Ende Juni. Und war auch eher ein touristischer Termin. Erfreulich war dementsprechend die mit 10 Personen ganz ordentliche Teilnehmerzahl. Zuerst sollte ein Gebiet begangen werden das \u2013 im geologischen \u00dcbergangsbereich von Bauland zu Odenwald gelegen \u2013 eine besonders hohe Struktur- und Standortsvielfalt aufweist. Vom Neckarburkener Bahnhof ging es nach Nordosten in Richtung des NSG \u201eLandschaft um den Heppenstein\u201c (\u00f6stlicher Teil) am \u201eZimmerplatz\u201c. In der Klinge hinter den H\u00e4usern stehen noch Buntsandstein-Klippen an. Mit \u00dcberwindung der kleinen Steilstufe erreicht man oberhalb des \u201eRoteberg\u201c ein schon stark vom Kalkgehalt des Muschelkalkes gepr\u00e4gtes Wiesen- und Acker\u00adgel\u00e4nde. Die Aufrechte Trespe (<em>Bromus erectus<\/em>) dominiert hier die trockeneren Stellen im Gr\u00fcnland, die waldnahen S\u00e4ume an der Weg\u00adb\u00f6schung sind artenreich, wenn auch nicht gerade hervorragend. Am NSG \u201eOrchideenwiese\u201c h\u00e4tten wir nun eine nochmals deutlich bessere Situation erwartet. Leider waren aber selbst die bekannterma\u00dfen an Orchideen reichen Flecken abgem\u00e4ht, der Fruchtansatz der fr\u00fcher bl\u00fchenden Arten und nat\u00fcrlich auch die Sommerbl\u00fcher also vernichtet.<\/p>\n<p>\u00dcberhaupt macht das Gr\u00fcnland auch von der Nutzungsintensit\u00e4t her nicht gerade den Eindruck eines Naturreservates. Hinter dem NSG (\u00f6stlich davon) sind wir dann durch den Wald weiter nach oben gegangen. \u00dcber Muschelkalk sind hier artenreiche Laub-Mischw\u00e4lder entwickelt, durch\u00admischt mit einzelnen Kiefern. Seidelbast (<em>Daphne mezereum<\/em>), Akelei (<em>Aquilegia vulgaris<\/em>), Wei\u00dfes (<em>Cephalanthera damasonium<\/em>, verbl\u00fcht) und Rotes Waldv\u00f6gelein (<em>C. rubra<\/em>, gerade bl\u00fchend) waren verbreitet und sind auch typisch f\u00fcr diese Gegend. Auch die charakteristischen Austriebe der Violetten St\u00e4ndelwurz (<em>Epipactis purpurata<\/em>) waren schon zu finden. Auf der Hochfl\u00e4che wendete sich unsere Exkursion Richtung Westen. Der freundliche Revierleiter vom Forstamt, der unsere Exkursion kenntnisreich begleitete, wies uns auf die pr\u00e4chtigen, gerade aufbl\u00fchenden T\u00fcrken\u00adbund-Lilien (<em>Lilium martagon<\/em>) hin. Die Art besitzt im Bauland und Odenwald eine sehr fleckenhafte Verbreitung, kann dann aber lokal in (relativ) gr\u00f6\u00dferer Zahl vorkommen, so wie verschiedentlich im unteren Elztal. Im Bereich des \u201eHeppenstein\u201c kommt man wieder auf eine Hochfl\u00e4che mit teils wasserstaudem, mergeligem Muschelkalk. Es ist ein klassisches Beobachtungsrevier f\u00fcr Insekten- und Pflanzen-Freunde und war gl\u00fccklicherweise noch nicht unters Messer gekommen. Das Gebiet steht schon lange unter Naturschutz und wurde 1940 als \u201eReliktf\u00f6hrenwald auf dem Heppenstein\u201c erstmals verordnet. Der alte Name stammt her vom mutma\u00dflichen Zusammenhang zwischen Funden von Kiefernholzkohle am Neckarburkener R\u00f6merlager und den urw\u00fcchsig scheinenden Kiefern auf der Muschelkalkh\u00f6he. Tats\u00e4chlich k\u00f6nnte die Kiefer an diesen Standorten auch urw\u00fcchsig sein und ganz sicher waren hier auch die R\u00f6mer unterwegs, bietet der Aufstieg \u00fcber Roteberg und Heppenstein doch den einfachsten, karrenbefahrbaren Zugang auf die Odenwald-Hochfl\u00e4che, wo hier auch der Odenwald-Limes liegt. Die immer noch pr\u00e4genden Altwege-Gleise bieten heute ein beson\u00adders interessantes Standortsmosaik.<\/p>\n<p>Der aktuelle Kiefernwald auf dem Heppenstein ist \u00fcberwiegend forstlichen Ursprungs, wie schon die reichliche Anwesenheit der Schwarz-Kiefer verr\u00e4t. Der Revierleiter wusste zu berichten, dass der Bestand in der ersten H\u00e4lfte des 20. Jh. mit der Absicht angelegt wurde, Grubenh\u00f6lzer f\u00fcr die Bergwerke im \u201eOsten\u201c bereit zu stellen. Das langsame Wachstum auf dem kargen Boden sollte wohl f\u00fcr ein besonders dichtes Holz sorgen. Insgesamt macht der Standort auch heute noch eher den Eindruck eines dealpinen Schneeheide-Kiefernwaldes, wie man ihn etwa am mittleren und unteren Lech findet. Im Unterwuchs dominieren Pfeifengras (<em>Molinia arundinacea<\/em>) und Berg-Segge (<em>Carex montana<\/em>). Auch die Strauchschicht ist artenreich, wobei Liguster und Wacholder zu den dominanteren Arten geh\u00f6ren. Damit die Geh\u00f6lze nicht wie anderenorts \u00dcberhand nehmen, wird hier unter den Kiefern jeweils im Herbst gem\u00e4ht. Es sei angemerkt, dass die Mahd des Pfeifengrases zur Bl\u00fcte von Fransen- (<em>Gentianopsis ciliata<\/em>) und Deutschem Enzian (<em>Gentianella germanica<\/em>) erfolgt, was offensichtlich zu dramatischen Bestandseinbu\u00dfen gef\u00fchrt hat.<\/p>\n<p>Zur Zeit unserer Exkursion, zu Beginn des Hochsommers, zeigt sich das Gebiet aber in seiner sch\u00f6nsten Pracht. Zum Teil massenhaft bl\u00fchen die Orchideen, wie M\u00fccken-H\u00e4ndelwurz (<em>Gymnadenia conopsea<\/em>) und Wohl\u00adriechende H\u00e4ndelwurz (<em>G. odoratissima<\/em>), die hier ihr letztes reichlicheres Vorkommen in Nordbaden hat. Die Echte Sumpfwurz (<em>Epipactis palustris<\/em>) hat indes mit der Trockenheit sehr zu k\u00e4mpfen \u2013 und auch mit dem Andrang der Orchideenliebhaber, die den fr\u00fcher bl\u00fchenden Arten zum Teil in Scharen ihre Aufwartung machen und die eher unscheinbaren Austriebe der Sumpfwurz platttreten. Eine effektivere Besucherlenkung haben wir vor Ort diskutiert, zumal offensichtlich auch der Wacholder \u201eein Problem\u201c hat, wie zahlreiche absterbende Str\u00e4ucher beweisen. Trocken\u00adheit d\u00fcrfte hier eher nicht als Ursache in Frage kommen, wahrscheinlicher ist, dass auch hier mikrobielle Erreger wie <em>Phytophtora cinnamomi<\/em>\/ <em>austrocedrae<\/em> angekommen sind. Und die werden bekannterma\u00dfen durch die F\u00fc\u00dfe von Wanderern ausgebreitet.<\/p>\n<p>Der weitere Weg f\u00fchrte dann rasch wieder hinab zum Bahnhof, wo sich ein Teil der Teilnehmer auf den R\u00fcckweg machte, w\u00e4hrend die anderen einen zweiten Rundgang anvisierten. Auf dem Bahnsteig fiel einem unserer Teilnehmer (PBK) schlie\u00dflich noch ein kleines Pfl\u00e4nzchen auf, das wir hier nicht vermutet h\u00e4tten, n\u00e4mlich das seltene Behaarte Bruchkraut (<em>Herniaria hirsuta<\/em>). Die Art tritt bedeutend seltener auf als das mittlerweile recht h\u00e4ufige Kahle Bruchkraut (<em>H. glabra<\/em>) und wurde in der Umgebung z. B. in Pflasterfugen des Mosbacher Marktplatzes gefunden. Aus floristischer Sicht war das kleine, kronblattlose Nelkengew\u00e4chs jedenfalls der Fund des Tages.<\/p>\n<p><strong>Samstag, 1. August:<\/strong> Naturraum; Bauland; Baden-W\u00fcrttemberg; Adels\u00adheim; 6622; 1; Adelsheim, &#8222;Wirsching-Burgstall-Au&#8220;; Laub-Misch\u00adwald, Kleebwald, Gr\u00fcnland; Treffpunkt: 11:00; Adelsheim, Rohnstockweg, Seckachtal-Stadion; N 49,39899\u00b0\u00a0 O 9,39142\u00b0. Rosenberg; 6523; 1; Hirschlanden, &#8222;Ortslage-Reissig&#8220;; Ortslage, Gr\u00fcnland, \u00c4cker, Laubwald; schlechter Kartierstand (12 Arten); Treffpunkt: 16:00; Hirschlanden, Sportplatz; N 49,47095\u00b0\u00a0 O 9,50140\u00b0.<\/p>\n<p>Die n\u00e4chste Exkursion f\u00fchrte gleich wieder ins Bauland, das \u00fcberhaupt noch einige wei\u00dfe Flecken bez\u00fcglich Kartierdichte aufweist. Die Mittagstour hatte das Seckachtal s\u00fcdlich von Adelsheim zum Ziel. Die Region wurde von Meszmer (1998: Flora des Neckar-Odenwald-Kreises. Laub, Dallau) in der Vergangenheit gut untersucht. Neuere Beobach\u00adtungen liegen aber kaum vor. Insgesamt war auch hier die extreme Trockenheit ein gro\u00dfes Problem, dennoch war noch nicht alles verdorrt. Der Weg f\u00fchrte zun\u00e4chst am Osthang unterhalb des \u201eRohnstock\u201c durch Laub-Mischwald, der noch einige Charakterarten landschaftstypischer Edellaubholz-Mischw\u00e4lder aufwies, \u00fcberwiegend aber durch fortstliche Ma\u00dfnahmen und r\u00fccksichtslose Holzwerbung ruderalisiert war. Am Wegrand fand sich eine gr\u00f6\u00dfere Kolonie der Moschus-Erdbeere (<em>Fragaria moschata<\/em>) wie sie einem im mittleren Bauland immer wieder begegnen. Vielleicht ist diese Art hier tats\u00e4chlich heimisch. N\u00f6rdlich vom \u201eWirsching\u201c liegen am S\u00fcdhang \u00fcber der Seckachaue sch\u00f6ne Offenland-Bereiche mit Streuobst, Trockenmauern und Halbtrockenrasen. Schwertlilien (<em>Iris<\/em> sect. <em>Iris<\/em>) waren zu finden, und im Fr\u00fchjahr gibt\u00b4s da sicher auch noch mehr sch\u00f6ne Sachen. Bei der Trockenheit ist die Fl\u00e4che aber leider wieder nur ein Posten mehr auf der \u201eDa-m\u00fcsste-man-noch-mal-hin-Liste\u201c.<\/p>\n<p>Weiter ging\u00b4s Richtung \u201eBurgstall\u201c, ein nach Nordost exponierter, eher feuchter Hang. Hier war Wolliger Hahnenfu\u00df (<em>Ranunculus lanuginosus<\/em>) zu finden und auch \u2013 zun\u00e4chst unterhalb des Weges \u2013 eine Kolonie Spitzwegerich-\u00e4hnlicher Grasbl\u00e4tter: die Wimper-Segge (<em>Carex pilosa<\/em>), die hier bisher gar nicht, auch nicht in der Umgebung des Baulandes gefunden wurde. Der n\u00e4chstgelegene Fundort liegt, gleicherma\u00dfen isoliert, sieben Messtischbl\u00e4tter weiter s\u00fcdwestlich am Nordrand des Schwarzwaldes. Nun neigen Seggen nicht gerade zur Bildung adventiver Ansiedelungen, vielmehr sind weitr\u00e4umig isolierte Kolonien am Arealrand bei vielen Arten bekannt. An der talseitigen Wegb\u00f6schung ist ein Vorkom\u00admen aber allemal verd\u00e4chtig. Viele Waldwege kann man schlie\u00dflich als Kleindeponien auffassen. Wenig weiter setzt sich die Kolonie aber auch oberhalb der Wegb\u00f6schung in augenscheinlich wenig beeintr\u00e4chtigtem Kleebwald fort. Da muss man also wirklich noch mal hin! Zur\u00fcck ging es dann durch die Aue, wo Meszmer (loc. cit.) noch eine gro\u00dfe Kolonie des Breitbl\u00e4ttrigen Knabenkrauts fand. V\u00f6llig ausschlie\u00dfen m\u00f6chte man die Persistenz des Vorkommens anhand der vorgefundenen Indizien nicht. <em>Carex acutiformis<\/em> und <em>C. disticha<\/em> weisen auf einen Feuchtwiesen-Standort hin. Damit h\u00e4tte man schon drei Gr\u00fcnde, noch mal hinzugehen. Die Nachmittagsexkursion zog uns in ein anders \u201eWei\u00dfes Loch\u201c ca. 10\u00a0km weiter nord\u00f6stlich, n\u00e4mlich ins sch\u00f6ne \u00d6rtchen Hirschlanden im Quadrant 6523\/1 mit seinen bisher stattlichen 12 bekannten Arten. Da sollten wir doch zumindest noch eine Null daran bekommen \u2013 so war\u00b4s dann auch (233 Arten). Allerdings ist auch hier eher h\u00e4ngegeblieben, dass die Ecke ganz untersch\u00e4tzt ist und ein Fr\u00fchjahrs-Besuch, abseits einer Rekord\u00add\u00fcrre sicher noch viel ergiebiger gewesen w\u00e4re. Grundlage daf\u00fcr sind in erster Linie die sch\u00f6nen Streuobstwiesen v. a. im S\u00fcden des Ortes. Die Obstb\u00e4ume stehen, zumindest soweit wir das gesehen haben, in artenreichen Kalk-Magerwiesen voller Rosetten vielversprechender Magerkeitszeiger, wie <em>Cirsium acaulon<\/em>, <em>Carex flacca<\/em> und <em>Trifolium medium<\/em>. Auch die S\u00e4ume am Waldrand sind interessant.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Sonntag, 20. September<\/strong>: Naturraum; N\u00f6rdliche Oberrheinebene; Baden-W\u00fcrttemberg; Mannheim; 6516\/22; Mannheim, &#8222;Innenstadt&#8220;, SW; Innenstadtkartierung, Ruderalvegetation; Treffpunkt: 10:00; Paradeplatz; N 49,48708\u00b0\u00a0 O 8,46638\u00b0.<\/p>\n<p>Die Mannheim-Innenstadt-Exkursion geh\u00f6rt seit Jahren zum festen Programm der Regionalgruppe Kurpfalz. Sie findet immer am dritten Sonntag im September statt und f\u00fchrt in j\u00e4hrlich im Uhrzeigersinn wechselnde \u201eQuadranten\u201c der praktischerweise ihrerseits nach Quadraten gegliederten Innenstadt. Die Grenzen unserer (nicht ganz gleich zuge\u00adschnittenen) Quadranten sind dabei in NW-SO-Richtung die \u201ePlanken\u201c und in SW-NO-Richtung die \u201eKurpfalzstra\u00dfe\u201c. Ziel ist letztlich der lang\u00adj\u00e4hrige Vergleich der qualitativen Florentwicklung an solchen ultraurbanen Lebensr\u00e4umen. 2020 war der SW-Quadrant Ziel der Exkursion. Methodik ist auch hier die eines \u201eRandom Meander\u201c von Baumscheibe zu Blumen\u00adk\u00fcbel, von Park zu Parkplatz. Und auch in den Pflasterfugen, am Geb\u00e4udesockel und den schmalen Rasenstreifen vor den Wohnbl\u00f6cken findet sich etwas Spontanvegetation. Situationstypische Nitratimmis\u00adsionen und hohe St\u00f6rungsfrequenz moderieren das Artenspektrum. Die besondere W\u00e4rmegunst tut ihr \u00dcbriges, so dass viele, oft auch sonst seltene Sommerannuelle, zu finden sind.<\/p>\n<p>Die Familien der Fuchsschwanzgew\u00e4chse und der Nachtschatten\u00adgew\u00e4chse sind besonders prominent vertreten. So bildet z.B. der Sarracha-Nachtschatten (<em>Solanum sarrachoides<\/em>) im Umfeld des Schlos\u00adses gro\u00dfe Best\u00e4nde. In der N\u00e4he der alten Sternwarte fanden wir nach Jahren auch wieder ein kr\u00e4ftiges Einzelexemplar des Schneeballbl\u00e4ttrigen G\u00e4nsefu\u00df (<em>Chenopodium opulifolium<\/em>). Eine Art, die sich mittlerweile unauff\u00e4llig wohl fast \u00fcberall in trockenen Ruderalfluren angesiedelt hat, ist das Kurzfr\u00fcchtige Weidenr\u00f6schen (<em>Epilobium brachycarpum<\/em>), ein Neophyt aus Nordamerika, der Ende der 1990er Jahre erstmals in der Rhein-Neckar-Region festgestellt wurde. Wir fanden die Art unter anderem auf dem Schillerplatz (B3). Ansonsten waren die floristischen Verh\u00e4ltnisse erwartungsgem\u00e4\u00df eher unaufregend. Insgesamt zeichnet sich anscheinend auch im Innenstadtbereich das Bild ab, das wir aus der \u00fcbrigen Landschaft finden: Es gibt einerseits ausbreitungsfreudige und entsprechend weit verbreitete Generalisten und andererseits konservative \u201eStubenhocker\u201c, die die Ausbreitungswiderst\u00e4nde in der stark fragmen\u00adtierten Nischen-Landschaft nicht zu \u00fcberwinden verm\u00f6gen. Durch die hohen Widerst\u00e4nde in der Innenstadt wird dieses Muster auch auf dieser kleinen r\u00e4umlichen Skala bemerkbar.<\/p>\n<p>Zur Abrundung des Exkursionstages geht es dann immer noch in ein anderes Gebiet, etwa um die ber\u00fchmte Adventivflora der H\u00e4fen und Umschlagpl\u00e4tze zu untersuchen. Aktuell sind aber besonders die riesigen Baustellen der aufgegebenen Milit\u00e4rquartiere im Norden der Stadt von Interesse. Hier wird viel gew\u00fchlt und transportiert, und dabei auch so manche ungew\u00f6hnliche Art aufgescheucht und zu unerwarteter Entwick\u00adlung verholfen. Die gro\u00dfen Rohbodenfl\u00e4chen sind ideale Ansiedelungs- und Ausbreitungsfl\u00e4chen f\u00fcr so ziemlich alles was kommt \u2013 in der Sprache der Populations-Biologie sozusagen \u201eSuper Safe Sites\u201c. Bei zur\u00fcckliegenden Exkursionen (2018) fanden wir z.B. auf der Vogelstang das ungew\u00f6hnliche Fallsamengras <em>Sporobolus vaginiflorus<\/em>, wohl ein Verm\u00e4chtnis der dort stationierten Amerikaner. 2020 hatten wir uns das ehemalige US-Army-Quartier Benjamin-Franklin-Village bei K\u00e4fertal vorgenommen. Dort gibt es neben den Baustellen auch Relikte der Altlandschaft, n\u00e4mlich lichte Kiefern- und Stieleichen-Haine und Reste der typischen Sandvegetation. Leider behinderte die extreme Trockenheit eine vertiefte Besch\u00e4ftigung mit der Flora. Viele Solanaceen-Arten, <em>Epilobium brachycarpum<\/em>, Fuchsschw\u00e4nze und G\u00e4nsef\u00fc\u00dfler waren aber auch da. Immerhin: Strukturen waren gut zu erkennen. Im Unterwuchs der Haine dominieren recht konsolidierte Schafschwingel-Rasen, wobei der sonst verbreiteten Hart-Schafschwingel (<em>Festuca lemanii<\/em>) gegen\u00fcber dem (vermutlich) am Oberrhein endemischen und seltenen Tomans-Schafschwingel (<em>F. albensis = F. tomanii<\/em>) stark zur\u00fcck tritt. \u00dcberhaupt scheint hier eine der gr\u00f6\u00dften Populationen dieser seltenen Art in Baden-W\u00fcrttemberg zu bestehen, die fr\u00fcher (vor 2015) f\u00fcr <em>F. duvalii<\/em> oder (noch fr\u00fcher) f\u00fcr <em>F. pallens<\/em> gehalten wurde (Korneck, D., &amp; Gregor, T. (2015) <em>Festuca tomanii<\/em> sp. nov., ein D\u00fcnen-Schwingel des n\u00f6rdlichen<\/p>\n<p>Oberrhein-, des mittleren Main- und des b\u00f6hmischen Elbetales (Kochia, 9, 37-58). N\u00e4here Untersuchungen im Fr\u00fchjahr sind jedenfalls schon gebucht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von MARKUS SONNBERGER, Heiligkreuzsteinach Samstag, 27. 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