{"id":529,"date":"2011-12-17T15:40:29","date_gmt":"2011-12-17T14:40:29","guid":{"rendered":"http:\/\/www.botanik-sw.de\/BAS\/module\/wordpress\/?p=529"},"modified":"2016-06-16T14:22:46","modified_gmt":"2016-06-16T13:22:46","slug":"vom-derdinger-horn-zum-bernhardsweiher-%e2%80%93-bas-exkursion-am-14-mai-2011","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.botanik-sw.de\/BAS\/module\/wordpress\/?p=529","title":{"rendered":"Vom Derdinger Horn zum Bernhardsweiher \u2013 BAS-Exkursion am 14. Mai 2011"},"content":{"rendered":"<p>von THOMAS BREUNIG<\/p>\n<p>Naturraum Stromberg-Heuchelberg, 245-310 m \u00fc. NN; TK 6918\/42,<br \/>\nR 3485715\/H 5434035, Unsch\u00e4rfe 400 m, Kartierstrecke 2,4 km (vormit-tags) und R 3486630\/H 5433350, Unsch\u00e4rfe 350 m, Kartierstrecke 1,5 km (nachmittags), Kartierdauer: 3,5 + 1,5 Stunden.<br \/>\nKartierer: Petra Bauer-Kutz, Thomas Breunig, Dieter K\u00fchnen, Helmut M\u00e4rtz, Rudi Schneider.<\/p>\n<p>Treffpunkt f\u00fcr die Exkursion war der Parkplatz am Derdinger Horn, wo die Schichtstufe des Schilfsandsteins am Rand des Strombergs spornartig nach Westen in den Kraichgau reicht. Hier zeigte ein interessanter Auf-schluss die Vielfalt der Gesteinsfarben an der Schichtgrenze Schilf-sandstein\/Gipskeuper. Die sehr unterschiedlichen Standortverh\u00e4ltnisse im Exkursionsgebiet \u2013 bodensaure, podsolige Braunerden im Bereich des Schilfsandsteins, kalkhaltige, tonige Weinbergsb\u00f6den (Pelosol-Rigosole) im Bereich des Gipskeupers und grundwasserbeeinflusste B\u00f6den (Gley, Gley-Kolluvium) im Tal des Bernhardsbachs lie\u00dfen eine artenreiche Flora erwarten.<\/p>\n<p>Schon auf den ersten Metern zeigte sich eine f\u00fcr den Naturraum Strom-berg typische Flora: Im Saum eines Eichen-Trockenwaldes bodensaurer Standorte (Betulo-Quercetum petraeae) wuchsen Essig-Rose (Rosa gallica), Schwarzwerdende Platterbse (Lathyrus niger), Strau\u00dfbl\u00fctige Wucherblume (Tanacetum corymbosum), Nickende Lichtnelke (Silene nutans) und Sichelbl\u00e4ttriges Hasenohr (Bupleurum falcatum).<br \/>\n<!--more-->Bevor wir uns den Wald und seine Saumvegetation aber n\u00e4her ansahen, ging es erst einmal auf dem Weg Richtung Bernhardweiher quer durch den von Weinreben bestandenen S\u00fcdwesthang des Derdinger Horns. Auf l\u00e4ngerer Strecke wird dieser Weg von Trockenmauern aus Keuper-Sand\u00acsteinen begleitet. Im auff\u00e4lligen Gegensatz zu Mauern aus Buntsandstein traten hier kaum Farne auf \u2013 wir fanden lediglich einige Exemplare des Mauerraute (Asplenium ruta-muraria). Artenreich war dagegen die Flora der Mauerkronen und Mauerf\u00fc\u00dfe. Au\u00dferhalb der intensiv bewirtschafteten und floristisch wenig interessanten eigentlichen Weinbergsfl\u00e4chen wuchsen hier zahlreiche einj\u00e4hrige Ruderalarten, Ackerwildkr\u00e4uter und Trockenheitszeiger, zum Beispiel Weg-Rauke (Sisymbrium officinale), Spurre (Holosteum umbellatum), Gew\u00f6hnlicher Reiherschnabel (Erodium cicutarium), Stechapfel-G\u00e4nsefu\u00df (Chenopodium hybridum), Gl\u00e4nzender Ehrenpreis (Veronica polita), Feld-Kresse (Lepidium campestre) und der f\u00fcr den Stromberg sehr charakteristische Sch\u00f6ne Pippau (Crepis pulchra).<\/p>\n<p>Mehrj\u00e4hrige Ruderalarten wie Sichelm\u00f6hre (Falcaria vulgaris) und D\u00fcrrwurz (Inula conyzae) waren auf kleine Brachfl\u00e4chen zwischen den Reben beschr\u00e4nkt. Bemerkenswert war die Flora einer Brachfl\u00e4che bei R 3486015\/H 5433840: An einer kleinen Keuper-Felswand wuchs hier ein Speierling (Sorbus domestica), unterhalb davon auf einer kleinen Stein\u00achalde zwischen reichlich Vierkantigem Weidenr\u00f6schen (Epilobium tetra\u00acgonum s.str.) auch das seltene Lanzettbl\u00e4ttrige Weidenr\u00f6schen (Epilo\u00acbium lanceolatum) sowie einige Exemplare der Kreuzbl\u00e4ttrigen Wolfs\u00acmilch (Euphorbia lathyrus) und der Mehligen K\u00f6nigskerze (Verbascum lychnitis).<br \/>\n\u00dcberwiegend von Wiesen eingenommen wurde der flachere Hangbereich unterhalb des Wegs. Als Vegetationstyp kam hier die durch Wilde M\u00f6hre (Daucus carota) und Bitterkraut (Picris hieracioides) gekennzeichnete Tieflagenform der Glatthafer-Wiese vor. Die Best\u00e4nde waren recht arten\u00acreich und die Artenzusammensetzung zeigte die nat\u00fcrlichen Standort\u00acverh\u00e4ltnisse (wechseltrockene bis wechselfrische basenreiche Tonb\u00f6den) an. Unter anderem fanden wir hier Knolligen Hahnenfu\u00df (Ranunculus bulbosus), Gew\u00f6hnlichen Wiesenbocksbart (Tragopogon pratensis s.str.), Zottigen Klappertopf (Rhinanthus alectorolophus), Flaumhafer (Helicto\u00actrichon pubescens), Herbstzeitlose (Colchicum autumnale) und H\u00fcgel-Erdbeere (Fragaria viridis).<\/p>\n<p>Ein kurzer, steiler Anstieg durch die Weinberge brachte uns zur\u00fcck zum Derdinger Wald oberhalb des Rebhangs. Teils am Waldrand, teils im Eichen-Trockenwald ging es zur\u00fcck zum Ausgangspunk der Exkursion. Der Wald war \u00fcberwiegend naturnah ausgepr\u00e4gt, am Waldrand mit vielen Exemplaren der Elsbeere (Sorbus torminalis). Die Krautschicht spiegelte sehr deutlich die trockenen, bodensauren Standortverh\u00e4ltnisse wider \u2013 unter anderem wuchsen hier Pfirsichbl\u00e4ttrige Glockenblume (Campanula persicifolia), Pillen-Segge (Carex pilulifera), Verschiedenbl\u00e4ttriger Schwin\u00acgel (Festuca heterophylla), Fr\u00fchbl\u00fchendes Habichtskraut (Hieracium glaucinum), Sch\u00f6nes und Berg-Johanniskraut (Hypericum pulchrum, H. montanum), Berg-Platterbse (Lathyrus linifolius), Wei\u00dfe Hainsimse (Luzu\u00acla luzuloides), Gew\u00f6hnlicher T\u00fcpfelfarn (Polypodium vulgare) und Heidel\u00acbeere (Vaccinium myrtillus). Im Saum des Waldes fanden wir au\u00dferdem Besenginster (Cytisus scoparius), B\u00fcschel-Nelke (Dianthus armeria), Wald-Labkraut (Galium sylvaticum), Savoyer Habichtskraut (Hieracium sabaudum), Wilde Platterbse (Lathyrus sylvestris), Salbei-Gamander (Teucrium scorodonia) und Schwalbenwurz (Vincetoxicum hirundinaria).<\/p>\n<p>Die artenreiche Saum- und Waldvegetation war aber auf einen schmalen Streifen entlang der Hangoberkante beschr\u00e4nkt. Auf den n\u00f6rdlich an-schlie\u00dfenden Fl\u00e4chen, wo der Schilfsandstein von L\u00f6ss \u00fcberdeckt ist, wuchsen auf lehmigen, m\u00e4\u00dfig frischen bis frischen Standorten wesentlich arten\u00e4rmere Best\u00e4nde des Waldmeister-Buchen-Waldes. Hier fanden wir unter anderem Waldmeister (Galium odoratum), Nestwurz (Neottia nidus-avis), \u00c4hrige Teufelskralle (Phyteuma spicatum), Sanikel (Sanicula europaea) und Wald-Veilchen (Viola reichenbachiana).<\/p>\n<p>V\u00f6llig andere Standortverh\u00e4ltnisse trafen wir nach der Mittagspause im Tal des Bernhardsbachs an. Hier wurde im Mittelalter von M\u00f6nchen der zur Fischzucht aufgestaute Bernhardsweiher angelegt. Umgeben ist er von Grauweiden-Geb\u00fcsch, Schilf-R\u00f6hricht sowie schmalen Gro\u00dfseggen-Best\u00e4nden. Wegen des hohen Wasserstandes war von der im Sp\u00e4t-sommer besser ausgebildeten Schlammflur kaum etwas zu sehen, mit Rotem Fuchsschwanz (Alopecurus aequalis) und Niedrigem Fingerkraut (Potentilla supina) fanden wir aber immerhin zwei bemerkenswerte Schlammflurarten. Wohl nur eingeschleppt war die in den Sandgebieten der Rheinebene h\u00e4ufige Graukresse (Berteroa incana), von ihr wuchs ein kleiner Bestand auf dem Staudamm des Weihers.<\/p>\n<p>S\u00fcd\u00f6stlich\u00a0 des Weihers ging es weiter durch das Waldgebiet Hollerstein. Auf lehmigen, frischen bis feuchten, basenreichen Standorten wuchsen hier Breitbl\u00e4ttrige St\u00e4ndelwurz (Epipactis helleborine), S\u00fc\u00dfe Wolfsmilch (Euphorbia dulcis subsp. purpurata), Behaartes Johanniskraut (Hype\u00acricum hirsutum), Hohe Schl\u00fcsselblume (Primula elatior), Quell-Sternmiere (Stellaria alsine), Berg-Ehrenpreis (Veronica montana) und weitere mesophile Arten. Mit einem gro\u00dfen Bestand kam au\u00dferdem die Indische Scheinerdbeere (Duchesnea indica) vor, die sich in den letzten beiden Jahrzehnten in S\u00fcdwestdeutschland stark ausgebreitet hat und auf n\u00e4hrstoffreichen Standorten der Waldwegr\u00e4nder inzwischen vollst\u00e4ndig etabliert ist.<\/p>\n<p>In H\u00f6he Gei\u00dfenklinge querten wir das Wiesental des Bernhardsbach. Die feuchtesten Bereiche nahm eine Kohldistel-Wiese ein, kennzeichnende Arten waren Kamm-Segge (Carex disticha), Hain-Vergi\u00dfmeinnicht (Myo\u00acsotis nemorosa) und Wald-Simse (Scirpus sylvaticus). Vorherr\u00acschender Wiesentyp war jedoch die Glatthafer-Wiese in der Auspr\u00e4gung frischer bis wechselfrischer Standorte. Hier fanden wir zum Abschluss unserer Exkursion noch Wiesen-Glockenblume (Campanula patula), Bach-Nelkenwurz (Geum rivale), Gro\u00dfen Wiesenknopf (Sangusiorba officinalis) und Kn\u00f6llchen-Steinbrech (Saxifraga granulata).<\/p>\n<p>Bei der floristischen Kartierung f\u00fcr das Grundlagenwerk \u201eDie Farn- und Bl\u00fctenpflanzen Baden-W\u00fcrttembergs\u201c wurden f\u00fcr den aufgesuchten Quadranten 6918\/4 bereits 588 Sippen nachgewiesen. Von diesen konnten wir 270 Sippen best\u00e4tigen und 61 Sippen neu nachweisen, so dass nun f\u00fcr den etwa 34 km\u00b2 gro\u00dfen Quadranten 649 Sippen bekannt sind.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von THOMAS BREUNIG Naturraum Stromberg-Heuchelberg, 245-310 m \u00fc. NN; TK 6918\/42, R 3485715\/H 5434035, Unsch\u00e4rfe 400 m, Kartierstrecke 2,4 km (vormit-tags) und R 3486630\/H 5433350, Unsch\u00e4rfe 350 m, Kartierstrecke 1,5 km (nachmittags), Kartierdauer: 3,5 + 1,5 Stunden. 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