{"id":734,"date":"2013-12-23T16:34:16","date_gmt":"2013-12-23T15:34:16","guid":{"rendered":"http:\/\/www.botanik-sw.de\/BAS\/module\/wordpress\/?p=734"},"modified":"2014-01-19T16:39:22","modified_gmt":"2014-01-19T15:39:22","slug":"seitz-b-ristow-m-prasse-r-machatzki-b-klemm-g-boecker-r-sukopp-h-2012-der-berliner-florenatlas-verh-bot-ver-berlin-brandenburg-beiheft-7-533-s-isbn-978-3-942062-08-4-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.botanik-sw.de\/BAS\/module\/wordpress\/?p=734","title":{"rendered":"Seitz B., Ristow M., Prasse R., Machatzki B, Klemm G., B\u00f6cker R. &#038; Sukopp H. 2012: Der Berliner Florenatlas. \u2013 Verh. Bot. Ver. Berlin Brandenburg, Beiheft 7, 533 S. ISBN 978-3-942062-08-4"},"content":{"rendered":"<p>von THOMAS BREUNIG<\/p>\n<p>Berlin ist eine Reise wert \u2013 nicht nur wegen Kunst und Kultur! F\u00fcr Freunde der Wildpflanzen zeigt dies der Berliner Florenatlas, der die gro\u00dfe Artenvielfalt dieser Stadtlandschaft an Farn- und Samenpflanzen dokumentiert. \u00dcber einen Zeitraum von 25 Jahren durchstreiften Botani\u00ackerinnen und Botaniker die Stadt, um die Vorkommen wild wachsender Pflanzenarten zu erfassen. Nun haben sie das Ergebnis ihrer Kartierung in dem gewichtigen Werk (gut 2 kg) publiziert. Kartiergebiet waren alle 153, jeweils etwa 7,3 km\u00b2 gro\u00dfen Viertelquadranten der Topographischen Karte 1:25.000, an denen die Stadt Berlin einen Fl\u00e4chenanteil besitzt. In diesem Gebiet erhoben sie im Gel\u00e4nde fast 127.000 Funddatens\u00e4tze, \u00fcber 50.000 weitere kamen durch die Auswertung von Literatur und Herbarien hinzu.<\/p>\n<p>Als Einleitung enth\u00e4lt der Atlas Informationen zur Landschaft Berlins, zur Geschichte der Floristik, zum Florenschutz und zur Methodik der Datenerhebung, -verarbeitung und -auswertung. Zum Teil sind diese Informationen ausf\u00fchrlich, wie etwa der \u00dcberblick zur Geschichte der Floristik, zum Teil sind sie auch sehr knapp gehalten wie etwa das Kapitel zur Vegetation.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nWie es bei einem Atlas sein soll, stehen Karten im Mittelpunkt des Werks: F\u00fcr fast 2.000 Sippen \u2013 alle ehemals oder aktuell etablierten Wildpflanzensippen sowie alle nicht nur extrem selten auftretenden Unbest\u00e4ndigen \u2013 wird ihre Bestandssituation auf Raster-Verbreitungskarten dargestellt. Zus\u00e4tzlich erfolgt auf 38 Seiten zu vielen Sippen eine Kommentierung. Meist geht es dabei um Statusfragen oder es handelt sich um Hinweise zu bestimmungskritischen Sippen.<\/p>\n<p>In den Verbreitungskarten werden die Fundnachweise differenziert in f\u00fcnf Zeitr\u00e4ume (vor 1900, 1900-1949, 1950-1969, 1970-1989, ab 1990) und in vier Statusf\u00e4lle; entsprechend werden insgesamt 20 verschiedene Nachweissymbole verwendet. Auf den floristischen Status wird ein besonderes Augenmerk gelegt. Unterschieden werden bei indigenen und alteingeb\u00fcrgerten Sippen etablierte und synanthrophe Vorkommen, bei Neophyten dagegen etablierte und unbest\u00e4ndige Vorkommen. Diese Untergliederung erscheint etwas ungl\u00fccklich und d\u00fcrfte bei der geringen Gr\u00f6\u00dfe der Rasterfl\u00e4chen h\u00e4ufig mit gr\u00f6\u00dferen Unsicherheiten behaftet sein, was sich bei vielen Sippen auch in den erg\u00e4nzenden Kommentierungen niederschl\u00e4gt. Informativer und weniger problematisch w\u00e4re es wahrscheinlich gewesen, man h\u00e4tte nicht die Differenzierung in Indigene\/Alteingeb\u00fcrgerte und Neophyten in den Vordergrund gestellt, sondern den Grad der Etablierung (unbest\u00e4ndig, verwildert\/verschleppt, Normalstatus).<\/p>\n<p>Als wertvolle Zusatzinformationen enthalten die Verbreitungskarten Angaben zum Gef\u00e4hrdungsgrad der Sippe, bei Ausgestorbenen und Verschollenen das Jahr des letzten Nachweises sowie bei etablierten Neophyten das Herkunftsgebiet und das Jahr des Erstnachweises in Berlin.<\/p>\n<p>Durchschnittlich wurden je Kartierraster 528 Sippen nachgewiesen, insgesamt sind es f\u00fcr das Stadtgebiet 2.445 Sippen. Dies zeugt von dem gro\u00dfen, langj\u00e4hrigen und sehr sachkundigen Engagement bei dieser \u00fcberwiegend ehrenamtlich durchgef\u00fchrten Kartierung. Ob die Berliner Flora in Anbetracht dieser Zahlen aber als \u201eau\u00dferordentlich artenreich bezeichnet werden\u201c kann, wie auf S. 45 behauptet, erscheint fraglich. Betrachtet man n\u00e4mlich nur die etablierten Sippen, reduziert sich die Artenzahl auf 1.400, einen Wert, der auch in anderen Stadtregionen vergleichbarer Fl\u00e4chengr\u00f6\u00dfe bei so intensiver Kartiert\u00e4tigkeit erreicht werden d\u00fcrfte.<\/p>\n<p>Hier zeigt sich einmal mehr die Krux, dass die meisten regionalen Kartierprojekte die Flora ihres Kartiergebietes m\u00f6glichst intensiv erfassen m\u00f6chten, dies aber \u00fcberall in unterschiedlichem Ma\u00dfe erreichen, so dass die ermittelten Daten \u2013 vor allem zur Artenvielfalt \u2013 nicht miteinander vergleichbar sind. Es w\u00e4re an der Zeit, f\u00fcr solche Kartierungen einmal einen Standard festzulegen, der bei allen Kartierprojekten erf\u00fcllt werden kann und dann auch vergleichbare Daten liefern w\u00fcrde. Dort, wo zus\u00e4tzliche Kenntnisse und weitere Katierkapazit\u00e4ten vorhanden sind, k\u00f6nnte man dann ja auf eine solche Basiskartierung noch etwas draufsatteln.<\/p>\n<p>Es macht Spa\u00df, in dem Pflanzenatlas zu schm\u00f6kern, nicht zuletzt auch wegen seiner sehr ansprechenden Gestaltung. Interessant und manchmal auch \u00fcberraschend ist der Vergleich mit der Flora S\u00fcdwestdeutschlands. Wer h\u00e4tte gedacht, dass Ajuga reptans in Berlin eine seltene Art ist und sogar eine Zielart des Berliner Florenschutzkonzepts? Oder dass Carex sylvatica keine autochthonen Vorkommen mehr besitzt und nur selten aus Kultur verwildert auftritt, w\u00e4hrend bei uns seltene Seggen-Arten wie Carex elongata und Carex ericetorum in Berlin keine Rarit\u00e4ten sind? Erstaunlich h\u00e4ufig wurden viele f\u00fcr naturnahe Biotope charakteristische Pflanzenarten in Berlin nachgewiesen, zum Beispiel Anthericum ramosum, Calama\u00acgrostis canescens und Comarum palustre. Ebenso \u00fcberraschend ist, dass manche Ruderalarten, die man sich einer Stadtlandschaft gut vorstellen kann, in Berlin sehr selten sind, zum Beispiel die in der Oberrheinebene so h\u00e4ufige Vulpia myurus. So birgt jede Flora ihre \u00dcberraschungen!<\/p>\n<p>Vor der n\u00e4chsten Fahrt nach Berlin geh\u00f6rt zur Reisevorbereitung ein Studium des Florenatlas: Wo wachsen Allium paradoxum, Bryonia alba, Parietaria pensylvanica und weitere Pflanzenarten, die man in S\u00fcdwest\u00acdeutschland nicht oder nur sehr selten zu Gesicht bekommt? Eines w\u00fcnscht man sich daf\u00fcr aber ganz dringend: eine m\u00f6glichst zweiseitige \u00dcbersichtkarte von Berlin, in der die Rasterfelder eingetragen sind, so dass auch ein mit der Berliner Geographie nicht extrem gut Vertrauter ermitteln kann, welche Fl\u00e4chen mit den einzelnen Rasterpunkten gemeint sind.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von THOMAS BREUNIG Berlin ist eine Reise wert \u2013 nicht nur wegen Kunst und Kultur! F\u00fcr Freunde der Wildpflanzen zeigt dies der Berliner Florenatlas, der die gro\u00dfe Artenvielfalt dieser Stadtlandschaft an Farn- und Samenpflanzen dokumentiert. \u00dcber einen Zeitraum von 25 Jahren durchstreiften Botani\u00ackerinnen und Botaniker die Stadt, um die Vorkommen wild wachsender Pflanzenarten zu erfassen. 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