{"id":93,"date":"2007-03-29T18:21:58","date_gmt":"2007-03-29T17:21:58","guid":{"rendered":"http:\/\/www.botanik-sw.de\/BAS\/module\/wordpress\/?p=93"},"modified":"2014-02-20T21:32:19","modified_gmt":"2014-02-20T20:32:19","slug":"bericht-uber-die-kartierexkursionen-2006-des-ak-adventivfloristik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.botanik-sw.de\/BAS\/module\/wordpress\/?p=93","title":{"rendered":"Bericht \u00fcber die Kartierexkursionen 2006 des AK-Adventivfloristik"},"content":{"rendered":"<p class=\"MsoNormal\"><span style=\"font-variant: small-caps\">Annemarie Radkowitsch<o:p><\/o:p><\/span><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Im Jahr 2006 veranstaltete der Arbeitskreis Adventivfloristik vier Kartier\u00adexkursionen. Au\u00dfer einer Exkursion nach Bietigheim-Bissingen (TK 7020\/4) im milden Neckarbecken f\u00fchrten drei weitere Exkursionen in klimatisch weniger beg\u00fcnstigte Gebiete. In der Hohenloher-Haller Ebene wurde die Flora der Bahnanlagen von Crailsheim (TK 6826\/3) erfasst. In der Baar wurden Bahnhof und Bahngel\u00e4nde sowie die Erddeponie von Villingen (TK 7916\/2) und am folgenden Tag die Bahnanlagen von Schwenningen (TK 6917\/1) kartiert. Am Rande einer Kartierexkursion des AK Geobotanik in der Umgebung von Allmendingen in der Mittleren Fl\u00e4chenalb konnte au\u00dferdem eine kleine Artenliste des Bahnhofs Allmendingen (TK 7624\/3) erstellt werden.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\"><!--more--><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">An den Kartierungen beteiligten sich folgende Mitglieder und Freunde der BAS: Uwe Amarell, Frau Fancelli, Inge Lenski, Helmut M\u00e4rtz, Gunter M\u00fcller, Annemarie Radkowitsch, Ralf Rieks, Harald Streitz, Manfred Wander und Detlef Wucherpfennig.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\"><u>Bahnhof Bietigheim-Bissingen<o:p><\/o:p><\/u><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Der Bahnhof von Bietigheim-Bissingen liegt auf der Strecke Ludwigsburg \u2013 Heilbronn bzw. Bruchsal. Nachgewiesen wurden bei der Kartierung des Bahngel\u00e4ndes am 24.6.2006 insgesamt 230 Sippen. Bietigheim-Bis\u00adsingen liegt auf einer H\u00f6he von etwa 185 m \u00fc. NN. Die Flora entspricht dem durch w\u00e4rmeliebende Sippen gepr\u00e4gten Arteninventar, das auch im Oberrhein- oder Neckargebiet an Bahnh\u00f6fen und anderen Umschlags\u00adpl\u00e4tzen zu finden ist, sowie Arten, die v.a. im Neckarraum einen Verbreitungsschwerpunkt haben wie Stink-Pippau (<em>Crepis foetida<\/em>) oder Sch\u00f6ner Pippau (<em>Crepis pulchra<\/em>). Aufgrund der Jahreszeit war eine repr\u00e4sentative Kartierung von Fuchsschwanzarten (<em>Amaranthus<\/em> spp.) oder G\u00e4nsef\u00fc\u00dfen (<em>Chenopodium<\/em> spp.) noch nicht m\u00f6glich, da die Bestimmungsmerkmale zu dieser Jahreszeit nicht vollst\u00e4ndig ausgepr\u00e4gt waren. Adventive Geh\u00f6lze wie G\u00f6tterbaum (<em>Ailanthus altissima<\/em>), Sommerflieder (<em>Buddleja davidii<\/em>), Robinie (<em>Robinia pseudoacacia<\/em>) und Gew\u00f6hnlicher Trompetenbaum (<em>Catalpa bignonioides<\/em>) bestimmen das Bild der vorkommenden Baum- und Straucharten. Erstmals im Gebiet nachgewiesen wurden G\u00f6tterbaum, Gew\u00f6hnlicher Trompetenbaum sowie der Schmalbl\u00e4ttrige Sommerflieder (<em>Buddleja alternifolia<\/em>) und die Kupfer-Felsenbirne (<em>Amelanchier lamarckii<\/em>). Der Status ist bei den beiden letzteren Geh\u00f6lzen bisher nur als verwildert einzustufen, da diese in der n\u00e4heren Umgebung auch kultiviert vorkommen und sich durch Aussamung von diesen Vorkommen ausgehend ansiedeln konnten. Die \u00fcbrigen Geh\u00f6lze treten unabh\u00e4ngig von Anpflanzungen in der Umgebung auf. Au\u00dferdem wurden verschiedene krautige Pflanzen erstmals f\u00fcr das Gebiet nachgewiesen. Erstaunlicherweise war der weit verbreitete Sachalin-Kn\u00f6terich (<em>Reynoutria sachalinensis<\/em>) im Gebiet noch nicht bekannt. Der Feigenbl\u00e4ttrige G\u00e4nsefu\u00df (<em>Chenopodium ficifolium<\/em>) und die Dichtbl\u00fctige Kresse (<em>Lepidium densiflorum<\/em>) kamen im Gleisschotter vor. Besonders bemerkenswert war ein Fund der Schmalbl\u00e4ttrigen Miere (<em>Minuartia hybrida<\/em> subsp. <em>hybrida<\/em>). Diese im Gegensatz zur einheimischen Unterart <em>tenuifolia <\/em>im Bl\u00fctenbereich dr\u00fcsige Sippe ist mediterran verbreitet und tritt in S\u00fcddeutschland nur selten adventiv auf.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\"><u>Bahnhof Crailsheim<o:p><\/o:p><\/u><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Der Bahnhof Crailsheim liegt auf einer H\u00f6he von 410 m \u00fc. NN. Dort kreuzen sich die Bahnlinien Stuttgart\u2013N\u00fcrnberg und Ulm\u2013Frankfurt a. M. Die Kartierung des Bahngel\u00e4ndes ergab am 27.5.2006 246 Arten. Die Geh\u00f6lzflora unterscheidet sich stark von den Bahnh\u00f6fen im Neckar- und Oberrheingebiet, in denen Sommerflieder und G\u00f6tterbaum h\u00e4ufig ansehn\u00adliche Geb\u00fcsche aufbauen. Beide Arten wurden an den Crailsheimer Bahnanlagen nicht nachgewiesen. Als Kulturrelikt oder Verwilderung aus ehemaligen Schreberg\u00e4rten entlang der Bahn traten verschiedene Zierpflanzen auf. In extensiv gepflegten \u00e4lteren Geh\u00f6lzpflanzungen kamen Jungpflanzen des Goldregens (<em>Laburnum anagyroides<\/em>) und die Gew\u00f6hnliche Jungfernrebe (<em>Parthenocissus inserta<\/em>) vor. Als verwilderte Gartenstauden wurden Gro\u00dfwurzeliger Kranichschnabel (<em>Geranium ma\u00adcrorhizum<\/em>), Deutsche Schwertlilie (<em>Iris germanica<\/em>), die Gelbe Taglilie (<em>Hemerocallis fulva<\/em>), Armenische Traubenhyazinthe (<em>Muscari armenia\u00adcum<\/em>) und die Sibirische Schwertlilie (<em>Iris sibirica<\/em>) kartiert. Bei allen diesen Vorkommen war kein unmittelbarer Zusammenhang mit Anpflanzungen in benachbarten G\u00e4rten erkennbar. F\u00fcr die Bestimmung von Brom\u00adbeerarten ist meist der Rat eines Spezialisten sinnvoll. Die beiden neophyti\u00adschen Brombeeren <em>Rubus armeniacus<\/em> und <em>Rubus laciniatus<\/em> sind jedoch leicht an ihren dicken St\u00e4ngelrippen und typischen Stacheln beziehungsweise ihrem Blattschnitt erkennbar. Beide wurden f\u00fcr das Gebiet neu nachgewiesen. Als bisher nicht kartierte krautige Arten wurden zum Beispiel eine Unterart des Saat-Mohns (<em>Papaver dubium<\/em> subsp. <em>confine<\/em>), der mittlerweile an kaum einem Bahnhof fehlende Dreifinger-Steinbrech (<em>Saxifraga tridactylitis<\/em>) und die Virginische Kresse (<em>Lepidium virginicum<\/em>) notiert. Besonders erw\u00e4hnenswert ist der Fund des Nizza-Pippaus (<em>Crepis nicaeensis<\/em>). Diese seltene Adventiv-Art stammt aus S\u00fcdosteuropa und dem Kaukasus und wurde f\u00fcr Baden-W\u00fcrttemberg erstmals von D\u00f6ll 1825 in Karlsruhe-Knielingen erw\u00e4hnt. In j\u00fcngerer Zeit wurden nur zwei Funde aus dem s\u00fcdlichen Oberrheingebiet bei Freiburg (1973) und Grie\u00dfheim (1992) bekannt (<span style=\"font-variant: small-caps\">Sebald<\/span> et al., 1996, Die Farn- und Bl\u00fctenpflanzen Baden-W\u00fcrttembergs, Bd. 6).<\/p>\n<p><u><span style=\"font-size: 14pt; font-family: Univers\"><br style=\"page-break-before: always\" clear=\"all\" \/> <\/span><\/u><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\"><u>Bahnh\u00f6fe Villingen und Schwenningen<o:p><\/o:p><\/u><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Auf dem Gel\u00e4nde des Bahnhofs Villingen wurden am 23.9.2006 243 Sippen notiert, auf dem Bahnhof Schwenningen am folgenden Tag 234 Arten. Villingen-Schwenningen liegt auf einer H\u00f6he von 704 m \u00fc. NN. An beiden Bahnh\u00f6fen fallen etliche spontane Vorkommen des Mongolischen Steppen-Ahorns (<em>Acer ginnala<\/em>) auf. Als weitere adventive Geh\u00f6lze k\u00f6nnen f\u00fcr Villingen die Kupfer-Felsenbirne (<em>Amelanchier lamarckii<\/em>), der Tataren-Ahorn (<em>Acer tataricum<\/em>) und die Schneebeere (<em>Symphoricarpus rivularis<\/em>) genannt werden. Sommerflieder (<em>Buddleia davidii<\/em>) und G\u00f6tterbaum (<em>Ailanthus altissima<\/em>) konnten sich in dem rauen Klima der Baar in dieser H\u00f6henstufe wohl bisher noch nicht erfolgreich etablieren.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Etliche krautige Adventivarten wurden f\u00fcr Villingen neu nachgewiesen. Im Gegensatz zu dem untersuchten Gel\u00e4nde in Schwenningen wuchsen in Villingen mehrere Arten der Gattung Fuchsschwanz (<em>Amaranthus bouch\u00adonii, A. hybridus<\/em> s. str. und <em>A. retroflexus<\/em>). Im Saum einer Gr\u00fcnanlage im Bahnhof Villingen wurde eine kleine durch Trittbelastung und Trockenheit k\u00fcmmernde Pflanze des Beifu\u00df-Traubenkrautes (<em>Ambrosia artemisiifolia<\/em>) gefunden. Aber auch weit verbreitete Adventivarten sind bisher in diesem Gebiet noch nicht bekannt gewesen. Dazu geh\u00f6ren in Villingen u. a. das Kleine Liebesgras (<em>Eragrostis minor<\/em>), das Raue Berufkraut (<em>Erigeron acris<\/em>), der Einj\u00e4hrige Feinstrahl (<em>Erigeron annuus<\/em>), das Kahle Bruchkraut (<em>Herniaria glabra<\/em>) und die beiden Franzosenkr\u00e4uter (<em>Galinsoga ciliata<\/em>, <em>G. parviflora<\/em>). F\u00fcr Schwenningen bisher nicht erfasst sind unter anderem der an Bahnanlagen weit verbreitete Schmalbl\u00e4ttrige Hohlzahn (<em>Galeopsis angustifolia<\/em>), das Dr\u00fcsige Springkraut (<em>Impatiens glandulifera<\/em>), die Zarte Binse (<em>Juncus tenuis<\/em>) oder der Japanische Staudenkn\u00f6terich (<em>Reynoutria japonica<\/em>). Bemerkenswert war in Villingen der Fund des Gestreiften Leinkrautes (<em>Linaria repens<\/em>). Diese westeurop\u00e4ische Art kommt in Baden-W\u00fcrttemberg meist nur adventiv, gelegentlich auch an R\u00e4ndern von Waldwegen vor. Die Ostgrenze des nat\u00fcrlichen Areals der Art verl\u00e4uft vermutlich entlang der Vogesen und des Pf\u00e4lzerwaldes.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\"><u>Bahnhof Allmendingen<o:p><\/o:p><\/u><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Allmendingen ist eine kleine Ortschaft (515m m \u00fc. NN) s\u00fcdlich von Schelklingen im Schmiechtal auf der Schw\u00e4bischen Alb. Obwohl der Bahnhof im Vergleich zu den bisher untersuchten Bahnh\u00f6fen nur sehr klein ist (eingleisig, das ehemalige G\u00fctergleis aufgelassen) konnten auch hier etliche Adventivarten am 29.7.2006 neu nachgewiesen werden. Zum Beispiel die oben schon erw\u00e4hnten Brombeerarten <em>Rubus armeniacus<\/em> und <em>Rubus laciniatus<\/em>. Neu waren au\u00dferdem der Stechapfel (<em>Datura stramo\u00adnium<\/em>) G\u00e4nsefu\u00df (<em>Chenopodium hybridum<\/em>), Wirtgens Erdrauch (<em>Fumaria wirtgenii<\/em>), die gelegentlich auf Friedh\u00f6fen auftauchende Spanische Fetthenne (<em>Sedum hispanicum<\/em>) sowie weit verbreitete Neophyten wie die Kanadische Goldrute (<em>Solidago canadensis<\/em>). Insgesamt wurden 48 Sippen kartiert.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Eine Auswertung aller bisherigen Kartierungen des AK-Adventivfloristik ist f\u00fcr Band 5 der Berichte der Botanischen Arbeitsgemeinschaft geplant.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Annemarie Radkowitsch Im Jahr 2006 veranstaltete der Arbeitskreis Adventivfloristik vier Kartier\u00adexkursionen. Au\u00dfer einer Exkursion nach Bietigheim-Bissingen (TK 7020\/4) im milden Neckarbecken f\u00fchrten drei weitere Exkursionen in klimatisch weniger beg\u00fcnstigte Gebiete. 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