Aktuelles


Floristische Erhebungen im Rahmen der ÖFS: Methodische Vorgaben

Floristische Erhebungen im Rahmen der Ökologischen Flächenstichprobe
Methodische Vorgaben

Version 5, Thomas Breunig, 28. März 2021
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Ziel der Erhebungen
Die Erhebungen sollen auf reproduzierbare Weise die Flora der wildwachsenden Pflanzenarten (Farn- und Samenpflanzen) auf den bundesweit repräsentativ gezogenen Stichprobenflächen erfassen. Wenn die gleichen Flächen im Abstand von einigen Jahren auf die gleiche Weise wieder untersucht werden, werden die floristischen Veränderungen sichtbar und können quantifiziert und statistisch gut abgesichert dargestellt werden. Dafür ist es aber notwendig, dass die methodischen Vorgaben genau eingehalten werden.
 
1. Untersuchungsflächen
Untersucht werden quadratische Stichprobenflächen von jeweils 1 km² Größe. Diese Flächen sind vorgegeben und entsprechen in ihrer Lage den bundesweit gezogenen Bereichen der Ökologischen Flächenstichprobe [ÖFS oder auch „BRS“ – Biologisch relevante Stichprobenfläche genannt].
 
Arten dürfen nur innerhalb dieser Flächen notiert werden. Selbst nur knapp außerhalb wachsende Arten dürfen nicht erfasst werden

Läuft durch den Quadratkilometer eine TK- oder Quadrantengrenze, so darf keine Exkursionsroute über diese Grenze verlaufen. Damit wird gewährleistet, dass die erhobenen Daten auch für die landesweite floristische Rasterkartierung verwendet werden können.
 
Karten und Luftbilder dieser Flächen werden zur Verfügung gestellt. [Maßstab 1:10.000]
 
2. Zu erfassende Farn- und Blütenpflanzen
Auf den Stichprobenflächen sollen möglichst alle wild wachsenden Sippen an Farn- und Blütenpflanzen erfasst werden. Nicht notiert werden dürfen dagegen Pflanzen, die in der Stichprobenfläche nur kultiviert (angepflanzt oder eingesät) vorkommen, auch wenn es sich um einheimische Arten handelt, z.B. um Sand-Birke (Betula pendula) ineiner gepflanzten Baumreihe. Treten kultivierte Arten zugleich auch verwildert oder mit Normalstatus (spontan aufgewachsen und wahrscheinlich von einer spontan aufgewachsenen Pflanze abstammend, s. u.) auf, werden sie dagegen erfasst.

3. Art der Erfassung und Erfassungsintensität
Auf den Untersuchungsflächen sollen drei halbtägige Begehungen von etwa 4 Stunden Dauer durchgeführt werden. Bei diesen drei Begehungen sollen jeweils alle sicher ansprechbaren Sippen notiert werden. Dies bedeutet, dass auch Arten notiert werden, die bei einer früheren Begehung schon einmal erfasst wurden.
 
Von den Begehungen soll jeweils eine in den Monaten April/Mai, Juni/Juli sowie August-Anfang Oktober durchgeführt werden.
 
Wichtig: Bitte nicht weitere Begehungen durchführen, auch wenn durch den Quadratkilometer eine TK-Quadrantengrenze verläuft. Auch dann bitte nur 3 Artenlisten erstellen und nicht doppelt so viele!
 
Die Begehungszeit schließt kurzes Nachschlagen nach Bestimmungsmerkmalen mit ein, nicht jedoch Pausen und längere Zeiträume, in denen Pflanzen bestimmt werden.
 
Die Routen der drei Begehungen können innerhalb der Stichprobenfläche frei gewählt werden. Durch die drei Begehungen sollen aber möglichst viele Wege, Strukturen und Biotoptypen innerhalb des Quadratkilometers zumindest einmal begangen worden sein. Wichtig ist, dass zumindest jeder vorkommende Nutzungstyp (Wald, Siedlung, Acker, Wiese, Weinberg etc.) einmal aufgesucht wurde. Bei der 2. und 3. Exkursion werden deshalb in der Regel andere Routen gewählt als bei der 1. Exkursion. Ausgenommen sind Wegabschnitte, auf denen man aus phänologischen Gründen davon ausgeht, bei einer weiteren Begehung mehr weitere Arten nachweisen zu können als bei der Wahl einer anderen Route.
 
Ausgenommen von der völlig freien Routenwahl sind Stichprobenflächen, durch die eine TK-Quadrantengrenze verläuft. Bei diesen Flächen sind die Begehungen so zu legen, dass die angefertigten Artenlisten jeweils eindeutig einem der Quadranten zugeordnet werden können. Die TK-Quadrantengrenzen sind auf den zur Verfügung gestellten Karten eingetragen.
 
Die Begehungen müssen dann auf die Quadranten verteilt werden, es bleibt aber insgesamt bei 3 Begehungen und entsprechend vielen Artenlisten (nicht doppelt so viele!).
 
Zusätzlich können weitere Begehungen durchgeführt werden, bei denen nur die bis dahin noch nicht festgestellten Sippen notiert werden müssen. Diese Listen müssen gesondert gekennzeichnet werden: „Liste gehört nicht zur Stichproben-Erhebung“.
 
Verwendet werden sollen für die Artenlisten die Erhebungsbögen der BAS. Diese werden zur Verfügung gestellt.
 
Alternativ wird eine Erfassungs-App (für Betriebssystem Android) zur Verfügung gestellt. Diese kann mit einer Anleitung bei der BAS-Geschäftsstelle angefordert werden. Sie hat den Vorteil, dass bei der Arteingabe automatisch die genauen Koordinaten erfasst werden und dass das nachträgliche Digitalisieren der Artenliste nicht mehr erforderlich ist.
 
Von gefährdeten Arten (RL-Grade 3, 2, 1, 0 und R) sowie von im Gebiet seltenen Arten (nach Einschätzung der Kartierer*in) sollen die Fundortkoordinaten ermittelt werden. Besitzt eine gefährdete Art ausnahmsweise einmal viele Populationen auf einer Stichprobenfläche, ist es ausreichend, wenn nur die ersten drei Nachweise dokumentiert werden.

Ein Formblatt zur Dokumentation der Fundortkoordinaten wird zur Verfügung gestellt.
 
Die Sippen sollen so genau wie es den einzelnen Kartierer*innen möglich ist angesprochen werden: Aggregate sollen nur dann angegeben werden, wenn die Art nicht sicher angesprochen werden kann. Die Erfassung von Unterarten ist erwünscht, aber nicht zwingend notwendig. Es dürfen aber in jedem Fall nur sichere Angaben gemacht werden. Kann eine der festgestellten Sippen nicht sicher angesprochen werden, wird sie entweder nicht erfasst oder aber als entsprechend unsichere Angabe dokumentiert, zum Beispiel Ophrys spec., wenn sicher ist, dass es sich um eine Ragwurz-Art handelt, aber unklar ist, um welche Art es sich handelt.
 
4. Kopfdaten
Zu jeder Begehung sind die folgenden Kopfdaten auf den BAS-Erhebungsbögen anzugeben:
 
a. Kartierer*in, gegebenenfalls zusätzlich Mitkartierer*in;
 
b. Datum, tagesgenau;
 
c. Projekt: „BAS_ÖFS“
 
d. Dauer der Begehung
 
e. Gauß-Krüger-Koordinaten des Mittelpunkts der Kartierstrecke bzw. des Einzelfundorts; Mittelpunkt = Zentrum des kleinstmöglichen Kreises, der um die Kartierstrecke gelegt werden kann
 
f. Unschärfe in Meter = Radius des unter Punkt e ermittelten kleinstmöglichen Kreises, der die gesamte Kartierroute umschießt;
 
g. Nummer der TK 25 und des Quadranten;
 
h. Höhenangabe: Höchster und tiefster Punkt der einzelnen Exkursionsroute (nicht des Quadratkilometers!)
 
i. knappe geographische Angabe der Begehungsstrecke, z.B. „Feldflur westlich Baiertal“;
 
j. grobe Angabe der dabei aufgesuchten Biotoptypen mittels folgender Kategorien:
Laubwald, Mischwald, Nadelwald, Fließgewässer, Stillgewässer, Feuchtbiotop (= Röhrichte, Riede, Hochstaudenflur, amphibische Bereiche), Acker, Wiese, Weide, Extensivgrünland, Gehölzbestand (= Feldhecke, Feldgehölz, Gebüsch), Ruderalflur/nicht feuchte Brachfläche, Siedlungsfläche,
Verkehrsfläche (mit Straßenbegleitgrün);
 
k. Listennummer: ÖFS + Nr. der ÖFS-Fläche + fortlaufende Nummer, z.B. „ÖFS_104_01“. Bitte Nummerierung genau so vornehmen, sonst entsteht unnötiger Zusatzaufwand bei der Auswertung der Daten;
 
5. Angabe des Natürlichkeitsgrads des Vorkommens
 
Bei Sippen, die nicht mit Normalstatus vorkommen, soll der Natürlichkeitsgrad (floristischer Status) angegeben werden. Der Normalstatus ist folgendermaßen definiert:
 
Normalstatus besitzt das Vorkommen einer Sippe dann, wenn angenommen wird, dass sie am Fundort spontan aufgewachsen ist und auch von einer spontan aufgewachsenen Pflanze abstammt und zudem im Gebiet beständig ist. Bei der Kartierung soll deshalb darauf geachtet werden, ob es Hinweise für eine Anpflanzung/Einsaat gibt (z.B. Baumreihe, Saatreihen, gepflanztes Straßenbegleitgrün, exotische Begleitarten) und ob es wahrscheinlich ist, dass die Pflanzen von einer spontan aufgewachsenen Pflanze abstammen oder doch eher von einem gepflanzten Exemplar (z.B. aus einem Garten verwildert). Dies ist vor allem bei Pflanzenarten anzunehmen, von denen keine wildwachsenden Populationen in der Region oder im Naturraum bekannt sind.
 
Besitzt die Pflanze keinen Normalstatus, ist eine der folgenden Kategorien anzugeben:
 
SYN = synanthrop
Es handelt sich um einen der vier folgenden Fälle, um welchen genau ist unklar.
 
V = verwildert
Die Pflanzen stammen [wahrscheinlich] von kultivierten Exemplaren ab und haben sich ohne bewusstes menschliches Zutun an einem neuen Wuchsort angesiedelt (z.B. Verbreitung der Diasporen/Samen durch Vögel, Wind oder Hochwasser).
 
NV = nahverwildert
Wie „V“, jedoch nur in direktem räumlichem Kontakt zu den kultivierten Ausgangsexemplaren, zum Beispiel Zierpflanzen, die lediglich den Sprung über den Gartenzaun geschafft haben oder junge, spontan aufgewachsene Rosskastanien in der direkten Nähe zu gepflanzten Rosskastanien.
 
VS = verschleppt
Von Gärten, Parks oder anderen Flächen mit Zier- oder Nutzpflanzen in die freie Landschaft ausgebrachte Art. Verschleppung meist mit Gartenabfällen oder mit Schnittgut.
 
A = angesalbt
Vom Menschen in die freie Landschaft gebracht, aber dort nicht kultiviert, genutzt, oder gepflegt, sondern sich selbst überlassen bleibend; zum Beispiel Rohrkolben-Anpflanzung an einem Tümpel oder Orchideenansiedlung in einem Naturschutzgebiet.
 
 
U = unbeständig
Im Gebiet nicht etablierte Sippe, die an dem konkreten Beobachtungsort mit hoher Wahrscheinlichkeit nur kurzzeitig auftreten wird, zum Beispiel aus Vogelfutter-Saatgut aufgewachsene, nicht frostresistente mediterrane Grasart.
 
Wichtig: Sippen, von denen nur kultivierte (Status K: angepflanzt, auch schon vor längerer Zeit, oder eingesät) Exemplare festgestellt werden, werden nicht erfasst.
 
6. Dokumentation und Dateneingabe
Die Routen der einzelnen Begehungen sollen auf den zur Verfügung gestellten Karten möglichst genau festgehalten und so gekennzeichnet werden, dass ersichtlich ist, welche Strecke zu welcher Artenliste gehört.
 
Die Artenlisten und Einzelbeobachtungen sind entweder mit dem Erfassungsprogramm AEP-Forte einzugeben (Handbuch zu diesem Programm wird digital zur Verfügung gestellt) und als Datei an die Geschäftstelle der BAS zu liefern (wird bevorzugt) oder auf den zur Verfügung gestellten Erhebungsbögen abzugeben. Eine Datenübergabe in anderer Form ist wegen des ansonsten zu hohen Bearbeitungsaufwands nicht möglich.

7. Nomenklatur
Verwendet werden soll die Nomenklatur der neuen Florenliste Baden-Württemberg (Buttler, Demuth & Breunig 2019: www.lubw.baden-wuerttemberg.de), auf welcher auch die zur Verfügung gestellte Anstrichliste und die Namen der Erfassungs-App basieren.

8. Notwendige Unterlagen
Bestimmungsbuch, Schreibwerkzeug, Klemmhefter, Erhebungsbögen der BAS, Plastiktüten zum Pflanzensammeln, Anker zum Herausfischen von Wasserpflanzen, Lupe, topographische Karte und Luftbild des Untersuchungsgebiets.
 
Nach Möglichkeit Erfassungsprogramm AEP Forte (wird von der BAS kostenlos zur Verfügung gestellt) und ein GPS-Geräte für die Ermittlung der Koordinaten. Diese können aber auch nachträglich am Schreibtisch mit Hilfe einer digitalen Karte/Luftbild ermittelt werden, z.B. mittels Karte oder Luftbild auf www.geoportal-bw.de (Koordinaten werden rechts unten angezeigt; Koordinatensystem Gauß-Krüger 3 auswählen).


Neues Mitglied im Beirat der BAS: Dr. Rico Kaufmann

Mitteilungen in eigener Sache
von RICO KAUFMANN

Nach Dr. Josef Simmel möchte nun auch ich mich als neues Beiratsmitglied der BAS kurz vorstellen. Ich bin seit August 2017 als Referent an der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) in Karlsruhe tätig und dort hauptsächlich zuständig für die Koordinierung der Offenland-Biotopkartierung in Baden-Württemberg. Seit 2018 bin ich Mitglied der BAS.
Ursprünglich komme ich aus Thüringen (Östliches Thüringer Schiefergebirge) und bin dort in einer in der Landwirtschaft tätigen Familie aufgewachsen und hatte so früh Zugang zur Natur. Das Interesse an Pflanzen kam bei mir während der Schulzeit – eine Pflanze, die dafür verantwortlich war, ist das Quendelblättrige Kreuzblümchen (Polygala serpyllifolia) mit den wunderschön bläulich-weiß schimmernden Blüten. Mein Studium im Fach Landschaftsökologie und Naturschutz und Promotion im Fach Botanik absolvierte ich an der Universität Greifswald mit Abschlussarbeiten zur genetischen Diversität und Reproduktionsbiologie der Diphasiastrum-Arten unter Betreuung von Prof. Dr. Martin Schnittler. Erste Kartiererfahrung habe ich in Thüringen durch die Mitarbeit an der landesweiten Erfassung der FFH- und Rote-Liste-Pflanzenarten seit 2008 gesammelt.
Seit 2020 bin ich Beirat der BAS. Meine Aufgaben sind hier die Einrichtung und Betreuung eines Facebook-Auftritts der BAS ergänzend zur bestehenden Internetseite sowie nach und nach verstärktes Einbringen in die Veranstaltungen der BAS, z. B. durch Anbieten von Exkursionen und Kartierung bestimmter Pflanzen-gruppen. Mein spezielles Interesse gilt dabei den Frauenmantel-Arten (Alchemilla) und den Bärlappgewächsen (Lycopodiaceae).


Die Gräser im Naturportal des Staatlichen Museums für Naturkunde Stuttgart

von MARKUS SONNBERGER

Das Naturportal des SMNS soll die Bestimmungsarbeit für bestimmte Tier- und Pflanzengruppen erleichtern und wendet sich dabei insbe¬sondere an interessierte Laien und Naturfreunde.
Aktuell enthalten sind die Süßgräser, Weichtiere, Fossilien und terrestrische Gliedertiere (Insekten und Spinnen). In Bearbeitung sind die Sauergräser (Binsen und Zypergras-Gewächse), deren Freischal nach den noch nötigen Freiland- und Herbararbeiten vorgesehen ist.
Die klassische Bestimmungsmethode geht über Bücher, mit denen man im Idealfall über Alternativabfragen in Bestimmungsschlüsseln zum Artnamen gelangt. Leider sind die Merkmale der Gräser aber etwas diffiziler als bei „normalen“ Wiesenblumen. Die Sonderbildungen im Blütenbereich sind oft schwer zu interpretieren, die Variabilität enorm, die Teile zudem klein und lupenbedürftig. Wenn man dann bei hoher Irrtumswahrscheinlichkeit über dutzende Entscheidungs-Knoten geführt wird, bleibt das Erfolgserlebnis oft aus und das Interesse verebbt.
Das Naturportal geht einen neuen Weg. Anstelle der linear, hinter-einander geschalteten Merkmalsabfragen, kann man hier über eine multiple Auswahl diejenigen Merkmale bearbeiten, bei denen man sich sicher ist. Die Zahl der in Frage kommenden Arten schränkt sich dabei rasch ein, und man gelangt letztlich zu einer Übersicht (von Bildern), wo sich dann über die jeweiligen Steckbriefe die betreffende Art oder Artengruppe ziemlich sicher bestimmen lässt. Bei jedem Steckbrief wird zudem auf ähnliche und verwandte Arten hingewiesen, was für zusätzliche Sicherheit sorgt.

Die Komponenten des Gräser-Portals
Neben allgemeinen Benutzerhinweisen (deren Durchsicht nur wärmsten empfohlen werden kann) und einer Literaturliste erschließt das Portal die Arten über die Seiten „Bestimmung“ und „Systematik“. Die „Systematik“ führt dabei über die Familien und Gattungen zu den Artsteckbriefen. Unter „Systematik“ finden sich auch Steckbriefe zu den (Familien und) Gattungen, denen wertvolle Informationen zu wichtigen Merkmalen und zur Systematik, insbesondere aber auch zu Spezialliteratur, zu entnehmen sind. Die Seite „Bestimmung“ bietet dagegen über Auswahlfilter die Möglichkeit Bilder und Steckbriefe mit eigenen Funden abzugleichen.

Räumliche Abdeckung und berücksichtigte Taxa
Der Gräser-Schlüssel umfasst alle in Baden-Württemberg natürlicherweise auftretenden Arten, zuzüglich der verbreitetsten und häufiger wildwachsend beobachteten Neophyten. Über unser Bundesland hinaus wurden auch alle Arten erfasst, die im Umkreis von etwa 50 km in den Nachbarländern vorkommen, wobei die Berücksichtigung alpiner Arten gegenwärtig noch recht fragmentarisch ist. Außerhalb der Alpen sollten die Bestimmungsschlüssel zumindest auch für die Oberrheinebene, die Pfalz, Hessen und große Teile Bayerns uneingeschränkt zu verwenden sein.

Bestimmungsarbeit mit dem Filterschlüssel
Die wichtigste Komponente des Portals ist das Bestimmungsfenster (https://naturportal-suedwest.de/de/graeser/bestimmung/). Das Fenster ist zweigeteilt, wobei links (oder – je nach Anzeigeformat – oben) eine Liste mit Schlüsselmerkmalen steht, und rechts Bilder derjenigen Arten zu sehen sind, die der jeweils gewählten Merkmalskombination entsprechen. Solange man keine Merkmalsauswahl getroffen hat, sind das alle Arten von denen Steckbriefe im Portal enthalten sind.
Die Merkmale in der Merkmalsliste sind nach Merkmalskomplex (Verbreitung/generativ/vegetativ/Ökologie/Spezialschlüssel) und Merkmalsgüte nacheinander angeordnet. Die Merkmalsgüte wird in den „Allgemeinen Hinweisen“ näher beschrieben. Klickt man auf „Pfeil_nach_unten“ so öffnet sich eine Liste von Merkmalsaus-prägungen; über Kontrollkästchen (Checkboxen) kann eine Auswahl getroffen werden. Die Merkmalsausprägungen werden wenn nötig über Text und Illustrationen näher erläutert. Dazu muss man auf den Info-Knopf (i) neben der Checkbox drücken.
Für der Bestimmung bietet es sich an, die Artenauswahl zunächst auf die häufigeren Arten zu beschränken, die aus der Region, aus der man seinen Beleg bestimmen möchte, schon bekannt sind. Die Wahrscheinlichkeit, dass man einen Neufund einer Seltenheit gemacht hat, ist nämlich recht gering. Wendet man dies zum Beispiel auf den Odenwald an, so fällt von den über 250 Süßgrasarten des Südwestens schon mal die Hälfte weg. Auch der Standortsfilter kann hier weiterhelfen. Entsprechend übersichtlicher wird die eigentliche „Merkmals¬arbeit“. Bei dieser arbeitet man sich dann durch die am Beleg möglichst einfach und eindeutig interpretierbaren Merkmale durch die Liste und lässt zunächst diejenigen Merkmale unberührt, deren sichere Beurteilung man sich nicht zutraut. Die Zahl der relevanten Taxa, bzw. der angezeigten Bilder, wird dann rasch kleiner. Man kann dann, sofern man Material mit Blütenständen hat, die Bilder vergleichen und bei einem evtl. „Treffer“ den Steckbrief aufrufen, dort weitere Bilder auch vegetativer Merkmale anschauen und Hinweise auf ähnliche Arten finden.
Weiß man schon, welche Gattung man vor sich hat, so kann man die Bestimmung weiter abkürzen, indem man die Gattung auswählt. Für große Gattungen (z.B. Festuca) gibt es auch Spezialschlüssel.
Wichtig ist zu verstehen, dass der Filterschlüssel letztlich nicht wie beim dichotomen Bücherschlüssel immer zu einer einzigen Art führt, sondern zu einer mehr oder weniger großen Auswahl von Arten mit den festgestellten Merkmalen. Das liegt daran, dass beim Filterschlüssel der Übersichtlichkeit halber eine Beschränkung der Merkmalsauswahl notwendig ist, was man bei einem Bücherschlüssel nicht braucht. Gerade rein vegetatives Material ist aber auch, etwa bei vielen Sauergräsern, grundsätzlich nicht sicher bis auf Artebene zu bestimmen – egal, was irgendwelche „Florae vegetativae“ nahezulegen scheinen.

Die Steckbriefe
Die Steckbriefe sind das „Herzstück“ der Darstellung im Portal. Es gibt sie für alle behandelten Arten, Unterarten und Sektionen sowie für alle Gattungen und Familien, wobei die beiden letzteren nicht über den Schlüssel, sondern nur über die „Systematik“ abrufbar sind. Sie enthalten Bilder, beschreibende Texte, Anmerkungen und in vielen Fällen auch Hinweise auf weiterführende Literatur.
Die Bilder zeigen den Habitus und Merkmalsdetails typischer Pflanzen, in der Regel auch Lupenmerkmale und eine Verbreitungskarte. Die Beschreibungen sind kurzgehalten, wobei auch auf häufigere Bildungsabweichungen hingewiesen wird. Unter Anmerkungen finden sich Vergleiche mit ähnlichen Arten und gegebenenfalls auch Diskussionen zu taxonomischen Problemen. Die Systematik und Taxonomie entspricht dem aktuellen wissenschaftlichen Stand. Das ist in erster Linie für die Poaceae die Arbeit von SORENG & al (2015) und für die Cyperaceae MUASYA & al. (2009). Gebräuchliche Synonyme, zum Beispiel der verschiedenen „Standardlisten“ der deutschen Länder, werden angegeben.

Zitiervorschlag und Link
SONNBERGER M., THIV M. & WÖRZ A. 2019 ff.: Naturportal Südwest, Süßgräser (Poaceae) – Die Süßgräser Baden-Württembergs kennen¬lernen und bestimmen. Staatliches Museum für Naturkunde Stuttgart. https://naturportal-suedwest.de/de/graeser/


Umweltpreis 2020 des Alb-Donau-Kreises für Eveline Jedynak und Ralf Rieks

von STEFFEN HAMMEL

Mit dem Ziel, brachliegendes Ackerland in einen reichstrukturierten Biotop zu verwandeln, kauften unser Mitglied Ralf Rieks und seine Ehefrau Eveline Jedynak 2009 von der Stadt Blaubeuren zwei im Ortsteil Asch gelegene Flurstücke (TK 7524/4) mit einer Größe von 0,66 ha (Abb. 1). Mit viel Handarbeit entstand durch das Engagement der neuen Besitzer in den vergangenen Jahren ein Mosaik aus heimischen Gehölzen, Goldkälberkropf-Hochstaudenflur, Magerwiesen und Brachen– ein wichtiger Rückzugs- und Lebensraum für Pflanzen und Tiere.

Abb. 1: Biotop von Süden, Ralf Rieks, 2009.

Bereits über 320 Pflanzenarten wurden in dem Biotop notiert, darunter selten gewordene Ackerwildkräuter wie Sommer-Adonisröschen (Adonis aestivalis) und Acker-Gelbstern (Gagea villosa; Abb. 2). Auch zahlreiche Tierarten konnten beobachtet werden: über 80 Tag- und Nachtfalterarten, zwei Reptilien- und über 30 Vogelarten. Der Biotop dient Wanderschäfern als Weideland und ist durch das Gelände durchziehende Pfade für Erholungssuchende und Naturbeobachtende zugänglich.

Abb. 2: Acker-Gelbstern (Gagea villosa), Ralf Rieks, 2019.

Das Landratsamt des Alb-Donau-Kreises hat die bedeutende ökologische Aufwertung der Freifläche im Dezember 2020 mit dem Umweltpreis des Alb-Donau-Kreises unter der Kategorie „Vorbildlich mit Auszeichnung“ prämiert. Die Botanische Arbeitsgemeinschaft Südwestdeutschland eV. gratuliert Eveline Jedynak und Ralf Rieks ganz herzlich zu dieser Auszeichnung. Hervorheben möchten wir, dass bei der Entwicklung des Biotops vorbildlich auf das künstliche Einbringen von Pflanzenarten verzichtet wurde, insbesondere wurden keine Wildblumenmischungen angesät, wie dies inzwischen leider vielerorts geschieht.


Aufruf zur Kartierung der Laubholz-Mistel

Aufruf zur Kartierung der Laubholz-Mistel (Viscum album subsp. album) und ihrer Wirtsbäume in Südwestdeutschland

 

Ralf Rieks

Seit ca. 4 Jahrzehnten kartiert der Autor die Vorkommen der Laubholz-Mistel (Viscum album subsp. album) in Südwestdeutschland, speziell im Ulmer Raum. Im Fokus steht dabei die aktuelle Verbreitung, dokumentiert in 1km² großen Quadraten der Gauß-Krüger-Koordinaten. Im Zuge des Klimawandels, speziell der milden Winter, weitet die Mistel aktuell deutlich ihr Areal aus. Somit lohnt es sich, das Augenmerk auf neu besiedelte Standorte zu richten. Auch die Ausbreitung in höhere Lagen der Mittelgebirge, z.B. der Schwäbischen Alb, kann derzeit beobachtet werden.

Ein zweites Augenmerk richtet sich auf die Wirtsbäume der Laubholz-Mistel. Auf »Obstbäumen und Pappeln« oder ähnlich lauten die Angaben in vielen Lokalfloren, wobei sowohl die »Obstbäume« als auch die »Pappeln« viel Spielraum bei der Artdiagnose lassen. Um den Kenntnisstand über die Wirtsbäume der Laubholz-Mistel in Südwestdeutschland zu erweitern, wird dazu aufgerufen, entsprechende Angaben zu sammeln.

Es wird gebeten, die Meldungen von Vorkommen der Laubholz-Mistel auf der Homepage der Botanische Arbeitsgemeinschaft Südwestdeutschland e.V. (BAS) www.botanik-sw.de vorzunehmen und dabei die Wirtsbaumarten im Feld „Angaben zu Wuchsort und Standort“ anzugeben. Wenn die genaue Art des Wirtes aufgrund des unbelaubten Zustands im Winter nicht ermittelt werden kann, ist die Angaben der entsprechenden Gattung erwünscht, z.B. „auf Linde“.

In dem nächsten Band der Berichte der Botanischen Arbeitsgemeinschaft Südwestdeutschland wird ein Artikel des Verfassers über die Laubholz-Mistel und ihre Wirtsbäume in Südwestdeutschland und speziell im Ulmer Raum erscheinen, mit Quellenverzeichnis und statistischen Auswertungen. Die auf der Homepage der BAS eingegangenen Fundmeldungen sollen zu einem späteren Zeitpunkt für ganz Südwestdeutschland ausgewertet und veröffentlicht werden.

Laubholz-Misteln finden sich gebietsweise häufig auf Garten-, Zier-, Hof- und Straßenbäumen im städtischen Bereich, in Alleen, Bruch- und Auwäldern, Uferbepflanzungen, an Waldrändern und in lichten Wäldern. Typische Wirtsbäume sind Kanadische Pappel (Populus x canadensis), Feld- und Silber-Ahorn (Acer campestre, A. saccharinum), Hänge-Birke (Betula pendula), Linden (Tilia spec.) und Weiden (Salix spec.), aber auch die Robinie (Robinia pseudoacacia). Reich an exotischen, selten dokumentierten Wirtsbäumen sind Parks, Arboreten und Botanischen Gärten. In Streuobstwiesen wird vor allem der Apfelbaum (Kulturapfel, Malus domestica) befallen, hier weiß man noch wenig über Unterschiede im Mistelbefall zwischen den einzelnen Sorten. In alten Feldhecken und kargen Heidelandschaften der Schwäbischen Alb sind Weißdorn (Crataegus spec.) und Mehlbeere (Sorbus aria) potenzielle Mistelwirte.

Die Mistelkartierung ist etwas speziell, da die Sichtnachweise im Winterhalbjahr am ergiebigsten sind und andererseits die Artdiagnose an winterkahlen Gehölzen deutlich erschwert ist, z.B. bei Populus, Salix, Tilia oder Crataegus.
Es wäre schön, wenn viele Fundmeldungen zusammenkommen und unser Kenntnisstand über die Verbreitung der Mistel wie auch ihrer Wirtsbäume abgerundet wird.

Neben der Laubholz-Mistel (Viscum album subsp. album) kommen in Südwestdeutschland noch die auf Weißtannen schmarotzende Tannen-Mistel (V. album subsp. abietis) sowie die auf Wald-Kiefer spezialisierte Kiefern-Mistel (V. laxum) vor. Beide zeigen in den inter¬aktiven Verbreitungskarten der Farn- und Blütenpflanzen Baden-Württembergs eine sehr unterschiedliche Verbreitung und sind ebenfalls lohnenswerte Kartierungsobjekte mit überraschendem Neufundpotenzial.

Kontakt:
Ralf Rieks
Dolinenweg 29
D-89143 Blaubeuren
ralf-rieks@outlook.de


Aufruf zu Erforschung der Gattung Alchemilla in Baden-Württemberg

von RICO KAUFMANN

Seit etwa 10 Jahren beschäftige ich mich mit der Gattung Alchemilla, wobei ich erst im letzten Jahr Baden-Württemberg dahingehend etwas näher erkundet habe. Mich reizt die Einfachheit der Pflanzen mit einer überschaubaren Anzahl von Merkmalen, die in meinen Augen dennoch gut für eine Unterscheidung geeignet sind, selbst bei ausschließlicher Berücksichtigung der Blattmerkmale. In den letzten Jahrzehnten waren insbesondere Gerold Hügin, Sigurd Fröhner, Heinz Kalheber und Wolfgang Lippert in Südwestdeutschland und Baden-Württemberg aktiv und haben direkt oder indirekt durch z. B. Herbar­belege die Verbreitung der Arten untersucht. Dabei sind bereits einige größere Veröffentlichungen für Baden-Württemberg und die angrenzenden Gebiete entstanden (Hügin 2006, Hügin & Fröhner 2009, Hügin & Fröhner 2012).

Ich werde im Laufe der nächsten Jahre die Gattung Alchemilla im Schmeil-Fitschen bearbeiten und möchte zusätzlich gern einen Bestimmungsschlüssel für Baden-Württemberg entwickeln, der nur die hier vorkommenden Arten behandelt und der einfach zu handhaben ist. Dafür benötige ich jedoch noch Informationen über die Verbreitung insbesondere der bislang als eher selten eingeordneten Arten, da ich die Variabilität der Merkmale berücksichtigen möchte. Außerdem vermute ich, dass einige der Arten der Vogesen auch im Hochschwarzwald vorkommen könnten, z. B. A. lunaria und A. flabellata. Letztere fand ich im August dieses Jahres auf dem Gipfel des Grand Ballon. Zuvor gab es aus den Vogesen nur einen veröffentlichten Nachweis vom Hohneck (Ochsenbein 1959). Mein schönster Fund war in diesem Jahr A. crinita im baden-württembergischen Allgäu auf einer Nasswiese bei Bad Wurzach, ein Erstnachweis für das Messtischblatt 8025. Die Art könnte im Gebiet, insbesondere in Richtung der Alpen, weiterverbreitet sein.

Hiermit möchte ich dazu aufrufen, mir gerne Fotos von Alchemilla-Arten, insbesondere mit gut erkennbaren Oberseiten der zur Bestimmung relevanten Grundblätter sowie der Blattstielbehaarung, per E-Mail (rico.kaufmann@mail.de) zu schicken. Die Blätter sollten jedoch im trockenen Zustand, also z. B. nicht direkt nach einem Regenschauer fotografiert worden sein. Herbarbelege schaue ich mir auch gern an. Zum Bearbeiter der Gattung im Rothmaler, Sigurd Fröhner, habe ich bereits Kontakt.

 

Hügin, G. (2006): Die Gattung Alchemilla im Schwarzwald und seinen Nachbargebirgen (Vogesen, Nord-Jura, Schwäbische Alb). Berichte der Botanischen Arbeitsgemeinschaft Südwestdeutschland, Beiheft 2.

Hügin, G. & Fröhner, S. (2009): Die Gattung Alchemilla im Französischen und Schweizer Jura. Verbreitungskarten, Neubeschreibungen, Abbildungen, Bestimmungs- und Merkmalstabellen. Kochia 4, 47-134.

Hügin, G. & Fröhner, S. (2012): Die Gattung Alchemilla im Französischen und Schweizer Jura. Fortsetzung 1: Alchemilla pseudodecumbens spec. nov. Kochia 6, 29-62.

Ochsenbein, G. (1959): La végétation du Hohneck, Bulletin de la Société Botanique de France, 106:sup2, 37-60.


Schubert, Enno 2020: Die Pflanzenwelt des Weschnitztals und seiner Randgebiete. – 312 S.; Herausgeberin und Bezug: Botanische Vereinigung für Naturschutz in Hessen e. V., Schiffenbergerstraße 14, 35345 Wettenbreg, E-Mail: info@bvnh.de [ISBN: 978-3-00-065375-99]

von SIEGFRIED DEMUTH

Die Weschnitz ist ein kleiner Fluss im Grenzgebiet zwischen Hessen und Baden-Württemberg. Sie entspringt im hessischen Hammelbach, fließt durch den Odenwald bis ins badische Weinheim, um hier aus dem Mittelgebirge in die Oberrheineben auszutreten. Von hier verläuft sie weiter nach Nordwesten, um (wieder in Hessen) bei Wattenheim nach rund 55 km in den Rhein zu münden.

Eine ausführliche Darstellung der Naturräume und ihrer Besonderheiten, der Geologie und der Lebensräume führt in das Untersuchungsgebiet ein, bereichert durch zahlreiche Bilder.

Die Flora umfasst ein etwa 105 km² großes Gebiet zwischen der Quelle und dem Austritt in die Rheinebene mit Anteil an zehn Naturräumen. Zwischen 1993 und 2018 wurde vom Autor eine systematische Rasterkartierung auf 64stel-Quadranten der TK 25 durchgeführt. Dazu wurden jeder der ca. 2,1 km² großen Quadranten fünfmal zu verschie­denen Jahreszeiten begangen. Dabei wurden alle wildwachsenden, etablierten, in Etablierung begriffenen sowie öfter auftretende unbeständige Farn- und Samenpflanzen erfasst. Festgestellt wurden in diesen 26 Jahren 1.046 Sippen; dazu kommen knapp einhundert, die aus der Zeit vor 1990 bekannt waren, danach aber nicht mehr bestätigt werden konnte. In den artenreichsten Rasterflächen konnten über 500 Sippen nachgewiesen werden (Spitze sind 546), in den „artenärmsten“ immerhin noch über 300! Allein diese Zahlen sprechen für eine sehr gründliche Durchforschung dieses landschaftlich sehr reichen Gebiets.

Dargestellt werden die Sippen mit einer Rasterverbreitungskarte, die nicht nur das Vorkommen des Fundes in einem Raster angibt, sondern auch die ungefähre Menge in einer fünfstufigen Skala. Dazu gibt es Angaben zu Standort, naturräumlicher Verbreitung, Bestandsgröße, den floristi­schen Status im Gebiet sowie zu Vorkommen außerhalb des Unter­suchungsraums. Was besonders lesenswert ist – nicht nur für Kenner des Weschnitztals – sind die Beobachtungen des Autors in den mehr als 25 Jahren über Rückgänge und Zunahmen von Populationen und ihrer möglichen Ursachen. Solche spezifischen Kenntnisse kann keine Karte wiedergeben. Abgeschlossen wird die Flora des Weschnitztals mit einer Auswertung dieser großen Datenmenge in Bezug auf Areale, Zeigerwerte, Ausbreitungs- und Rückgangstendenzen in Abhängigkeit von Gefährdung und Etablierungsgrad, jeweils bezogen auf die Naturräume.

Wer jetzt Lust bekommt, sich selbst eine Eindruck von dieser sehens­werten Landschaft und ihre Pflanzenwelt zu machen, dem wird geholfen: Vorgestellt werden am Ende des Buches 186 Biotope und Biotopkomplexe mit bemerkenswerten Pflanzenvorkommen. Leicht zu finden durch genaue Ortsbeschreibungen und Karten. Gegliedert werden die Biotope in Feuchtgebiete, Gebiete mit Magerwiesen, Mager- und Trockenrasen, Wegböschungen und Wegränder (ideal für botanische Spaziergänge!), Felsen und Mauern, Ruderalflächen, Äcker, Wälder und – was den Rezensenten besonders freut – sechs Friedhöfe.


Aufruf zur Erfassung der Acker-Begleitflora in Baden-Württemberg

von MARKUS KOCH und LAURA KELLERMANN (Projekt  AgroBioDiv, Universität Heidelberg)

 

Zur Förderung der ökologischen Landwirtschaft wurde von der Landesregierung Baden-Württemberg das über das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst (MWK) geförderte Forschungs­programm „Ökologischer Landbau“ ins Leben gerufen. Die Agrarland­schaft bietet nach wie vor eine große Chance für einen Landschaftraum, einer großen Vielfalt von Pflanzen und Insekten ihren Raum zu geben. Daher untersucht das Projekt AgroBioDiv (Universität Heidelberg), inwiefern ein ökologischer Landbau, der auch auf sogenannte „Öko­sorten“ bei der Kulturpflanzenwahl setzt, zum Schutz der Biodiversität in der Agrarlandschaft beitragen kann.

Die Botanische Arbeitsgemeinschaft Südwestdeutschland ist ein wichtiger und tragender Kooperationspartner mit großer floristischer Erfahrung, und wir sind auf eine besondere Form von Mitarbeit und Bürgerwissenschaft angewiesen, um in dem Projekt erfolgreich sein zu können.

Ziel ist es, die biologische Vielfalt auf ausgesuchten Anbauflächen und hier insbesondere auf Getreidefeldern mit dem Schwerpunkt der Acker­begleitflora zu erfassen. Die erhobenen lokalen Daten sollen zum einem im Kontext der landesweiten floristischen Vielfalt untersucht werden (Flora Baden-Württemberg). Zum anderen werden Flächen von ökologisch wirtschaftenden Betrieben mit konventionell bewirtschafteten, sowie mit verschiedenen Zwischenformen verglichen.

Die beteiligten Landwirte und die in der Vegetationsperiode Frühjahr/Sommer 2021 zu kartierenden Flächen verteilen sich auf ganz Baden-Württemberg. Dieser erste Kartierungsdurchgang wird vor allem ökologisch arbeitende Betriebe erfassen, sodass wir von einer spannen­den Ackerbegleitflora ausgehen dürfen. Die ausgesuchten Getreideäcker sollen möglichst umfassend qualitativ und quantitativ in Bezug auf die Ackerbegleitflora und im Austausch mit den Landwirten erfasst werden.

Die Daten finden natürlich auch Einzug in die Datenbank der Flora Baden-Württemberg am Naturkundemuseum in Stuttgart.

Einen Überblick über die grobe Lage der derzeitigen Unter­suchungsgebiete finden Sie auf der Website des Projektes: https://oekolandbauforschung-bw.uni-hohenheim.de/agrobiodiv_aktuelles.

 

Wir würden uns sehr über Ihre Mitarbeit bei diesem spannenden Projekt freuen! Bitte melden Sie sich bei Interesse per E-Mail unter agrobiodiv@cos.uni-heidelberg.de oder laura.kellermann@cos.uni-heidelberg.de oder telefonisch unter +49 6221 / 54 4619.