Jährliche Archive: 2020


Aufruf zur Kartierung von Callitriche palustris agg. im mittleren Neckarraum

von Monika Voggesberger und Steffen Hammel

 

Die Arten des Wasserstern-Aggregats (Callitriche palustris agg.) sehen sich nicht nur sehr ähnlich, die vegetativen Merkmale der einzelnen Arten sind außerdem sehr variabel und deshalb für eine sichere Ansprache wenig hilfreich. Daher ist der Kenntnisstand über Verbreitung und Häufigkeit der einzelnen Arten noch sehr lückenhaft. Besondere Schwierigkeiten macht im Gebiet die Trennung der drei nahe verwandten Arten C. stagnalis, C. cophocarpa und C. platycarpa. Zur Bestimmung werden blühende und fruchtende Pflanzen benötigt.

Die Pflanzen finden sich in Bächen, an Flussufern und vor allem im Wald in flachen Teichen, Tümpeln und in Fahrspuren von Rückegassen.

Mehr zu den Wassersternen in Baden-Württemberg siehe:

Voggesberger M. 1996: Callitrichaceae – Wassersterngewächse. – In: Sebald, O., Seybold, S., Philippi, G. & A. Wörz (Hrsg.): Die Farn- und Blütenpflanzen Baden-Württembergs, Band 5: 233-246.

und

http://www.flora.naturkundemuseum-bw.de/BestimmungCallitriche.pdf.

 

Im Rahmen der Fortschreibung der Farn- und Blütenpflanzen Baden-Württembergs beschäftigen sich Monika Voggesberger (Remseck a.N.) und Steffen Hammel (Erligheim) derzeit verstärkt mit Vorkommen der Arten im Großraum Stuttgart. Das Untersuchungsgebiet umfasst die Topografischen Karten 6819 bis 6822, 6919 bis 6922, 7019 bis 7022, 7119 bis 7122 und 7219 bis 7222.

In den letzten Jahren wurde bereits einiges an Material zusammen­getragen. Dennoch sind noch einige Lücken vorhanden. Vor allem aus den Flusstälern von Enz und Neckar, den Bereichen süd- und südöstlich von Heilbronn; auch aus den Wäldern zwischen Sindelfingen und Leonberg fehlen sicher noch aktuelle Angaben bzw. zuverlässige Bestimmungen. Aus dem Strohgäu westlich von Ludwigsburg sind aufgrund des Waldmangels traditionell wenige Funde bekannt. Auch von hier wären Meldungen bedeutsam.

Wir bitten darum, im Sommer 2020 verstärkt nach Wassersternen in der beschriebenen Region Ausschau zu halten. Wird ein Callitriche-Nachweis erbracht, sollte eine Schnellmeldung an S. Hammel unter Hammel-Erligheim@t-online.de erfolgen. Die Angabe des Rechts-Hochwerts und der ungefähren Lage des Fundorts (z.B. Schwarzwilpark Stuttgart, kleiner Tümpel) ist dabei ausreichend. Der Fundort wird umgehend überprüft und ein Herbarbeleg genommen. Nach der Artbestimmung erfolgt eine Rückmeldung an den Finder.

Alternativ kann durch den Finder gleich ein Herbarbeleg genommen und dieser an das Staatliche Museum für Naturkunde Stuttgart, Rosenstein 1, 70191 Stuttgart (STU) übersandt werden. Der Beleg geht dann in die Sammlung STU ein. Dorthin können auch Pflanzenbelege aus ganz Baden-Württemberg übermittelt werden. Zum Pressen eignet sich Back- oder Butterbrotpapier. Auf Zeitungpapier dagegen kleben Wassersterne fest und können nicht mehr gut gelöst werden.


Sorbus-Exkursion der BAS am 15.09.2019 im Main-Tauber-Gebiet

von Steffen Hammel und Bernd Haynold

Das Main-Tauber-Gebiet um Tauberbischofsheim (Naturraum Tauber­land) beherbergt deutschlandweit die reichhaltigste Sorbus-Flora. Treff­punkt der Exkursion war der Friedhof von Werbach-Werbachhausen (TK 6324/1). Beim Aufstieg im Buchen-Mischwald konnte am „Leitenberg“ Samenstände von Monotropa hypophegea und Cephalanthera dama­sonium gefunden werden. Wo der Wald langsam licht wurde, fanden sich vor allem in der ehemaligen Schafweide große Mehrbeeren-Bestände. Sorbus torminalis und die noch namenlose Sorbus graeca s. l. (im weiten Sinne) wurden in Augenschein genommen. Beide sind die Elternarten der in der Regel triploiden und selten tetraploiden Bastard-Mehlbeeren des Main-Tauber-Gebietes.

Als fixierte Art fand sich am Hang die Seybold-Mehlbeere (Sorbus seyboldiana) zahlreich. Der „Leitenberg“ ist der locus typicus der Art. Selten traten noch weitere unbeschriebene Bastarde auf, die sich klar von der Seybold-Mehlbeere abgrenzen ließen. Sie werden unter Sorbus latifolia s. l. (im weiten Sinne) zusammengefasst. Ferner konnte eine schöne spätsommerliche Xerothermvegetation mit Aster amellus, Galatella linosyris und Odontites luteus vorgefunden werden.

Das nächste Ziel war die „Limbachsleite“ nordöstlich von Werbach (TK 6323/2). Mehlbeeren sind hier selten. Im Gebüsch am Rand der Halb­trockenrasen konnte allerdings Sorbus meyeri begutachtet werden. Obwohl erst 2018 ein Mastjahr war, fanden sich am Baum auch in diesem Jahr zahlreiche Beeren (allerdings noch nicht voll ausgereift).

In den Gesellschaften des Gentiano-Koelerietum pyramidatae (Halb­trockenrasen), Teucrio-Seslerietum (Blausgrashalde) sowie der Galatella linosyrisCarex humilis-Gesellschaft (Trockenrasen) war Galatella linosyris häufig. Ebenfalls konnte Sesleria caerulea und wieder Odontites luteus notiert werden.

Weiter ging es zum „Apfelberg“ bei Werbach-Gamburg (TK 6323/2). Am Parkplatz beim „Kalten Bild“ finden sich am Waldrand wieder verschie­dene Sorbus latifolia s. l.-Bäume. Ploidiebestimmungen in den Vorjahren erbrachte hier auch einen tetraploiden Bastard. Der „Apfelberg“ ist locus typicus der von Ruprecht Düll 1961 beschriebenen Sorbus badensis. Anhand von Scans der drei Pflanzenbelege im Herbar München wurde die Ansicht der Autoren begründet, warum derzeit von einer nicht korrekten Artbeschreibung ausgegangen wird. Es wurden Belege in zwei unterschiedlichen Jahren gesammelt. Die Aufsammlung vom 10. Septem­ber 1960 entspricht am ehesten dem, was wir derzeit als Sorbus badensis kartieren. Bei den beiden anderen Belegen vom 7. Mai 1961 handelt es sich um einen oder mehrere Bäume, die aktuell unter dem von L. Meierott und N. Meyer verwendeten Arbeitsnamen „Sorbus moenofranconica“ laufen (Unterschiede u.a. Behaarung Blattunter­seite, Blattgrund keilig oder gerundet). Dass unterschiedliche Bäume besammelt wurden, zeigt sich auch bei den Belegen von R. Düll in seinem Privatherbar. Auf der Schede im Privatherbar vom 10.09.1960 (SN 1041) findet sich der Hinweis: „Fr. (unreif) fast rot“. Der Beleg in M (SN 1040) vermerkt: „Fr. kirschrot“. Wir führen die Sippe daher aktuell nur mit „Anführungs­zeichen“.

Beim Aufstieg am Apfelberg fanden sich am Waldsaum einige Sorbus graeca s. l. und wenige Bäume der besagten „Sorbus badensis“, beide Mehlbeeren auch mit Früchten. Die Halbtrocken­rasen des Apfelberges sind stark xerotherm ausgeprägt. Ein Nachweis der vom Aussterben bedrohten Italienischen Schön­schrecke (Calliptamus italicus) soll hier Erwähnung finden. In den Rasen, am Waldrand und im Wald finden sich unterschiedliche Sorbus latifolia s. l. Im Gebüsch des Halbtrockenrasens fand sich überraschenderweise eine Sorbus aria s. l., die nicht den im Gebiet üblichen Sorbus graeca s. l. entspricht. Da Sorbus aria s. str. im Gebiet nicht vorkommt, ist von einer Verwilderung eines Straßenbaumes auszugehen. Am Hangkopf (SW-Seite) findet sich dann nochmals ein Baum, der als „Sorbus badensis“ kartiert werden kann. Ein Standardblatt davon ist in Hammel & Haynold (2015: 64) abgebildet.

Die Exkursion endete in der „Bremenleite“ bei Tauberbischofsheim (TK 6323/4). In den dortigen Rasen bzw. im Gebüschaufwuchs fanden sich Bastard-Mehlbeeren, die zum Sorbus herbipolitana / Sorbusmoenofranconica“-Komplex gehören.

Die Benennung der Pflanzen erfolgte entsprechend der Liste der Gefäß­pflanzen Deutschlands (Buttler et al. 2019); ergänzend nach Hammel & Haynold (2015).

 

Literatur

Buttler K. P., May R. & Metzing D. (Hrsg.: Bundesamt für Naturschutz) 2018: Liste der Gefäßpflanzen Deutschlands. Florensynopsis und Synonyme. – BfN-Skripten 519. 286 S.; Bonn-Bad Godesberg.

Hammel S. & Haynold B. 2015: Sorbus seyboldiana – eine neue Mehl­beere aus Baden-Württemberg und Bayern. –  Jh. Ges. Naturkde. Württemberg 171: 51-68.


Aufruf zur Kartierung von Prunus cerasifera

von Thomas Breunig

Die Kirschpflaume (Prunus cerasifera) ist eine häufig gepflanzte und ebenso häufig verwilderte und inzwischen auch wild auftretende Gehölzart.

Man findet Prunus cerasifera auch abseits von Obstbaumanpflanzungen in Hecken, Gebüschen und Feldgehölzen sowie an Wald- und Wegrändern. Solche spontan aufgewachsenen Exemplare sollten bei floristischen Kartierungen mit dem Status „verwildert“ erfasst werden.

Als Download finden Sie nachfogend den Beitrag  von Thomas Breunig zur Kirschpflaume (Prunus cerasifera) mit den Unterscheidungsmerkmalen zu Prunus domestica.

–> download Beitrag Prunus cerasifera

Die BAS würde sich freuen, wenn im Jahr 2020 besonders auf diese Art geachtet wird und Fundmeldungen über unser Meldeformular gemeldet werden.


Aufruf zur Erfassung von Mahonia-Sippen

von Annemarie Radkowitsch

Wintergrüne neophytische Gehölze können im Winter besonders gut bei floristischen Kartierungen erfasst werden, da sie auch als kleine noch unauffällige Jungpflanzen in blattlosen Gehölzbeständen deutlicher erkennbar sind als während der Vegetationsperiode.

Mahonien werden sehr häufig in Gärten und öffentlichen Anlagen kulti­viert. Ihre immergrünen Blätter, duftende langlebige gelbe Blüten, blau bereifte essbare Früchte und anspruchslose Kulturbedürfnisse machen sie zu attraktiven Zierpflanzen, von denen in Baumschulen unterschied­liche Kultivare angeboten werden. Nicht nur im Umfeld von Anpflan­zungen verwildert, wandern diese Arten mittlerweile auch in stadtnahe Wälder, Feldhecken und Feldgehölze ein und gehören zu den regelmäßig außerhalb von Siedlungen auftretenden neophytischen Gehölzen.

Mahonien wurden bisher in der floristischen Kartierung in Baden-Wür­ttemberg als Mahonia aquifolium (Pursh.) Nutt. erfasst. Neben weiteren auffälligen und gut von dieser Sippe abgrenzbaren Arten wie Mahonia bealei (Fort.) Carr. gibt es die Mahonia repens (Lindl.) G. Don., die in Baden-Württemberg kartierungsrelevant ist. In den Gehölzfloren von Roloff & Bärtels (4. Aufl., 2014) und Schmidt & Schulz („Fitschen -Gehölzflora“, 13. Aufl., 2018) wird sie durch die Ausläuferbildung sowie Blattmerkmale wie die nach vorne gerichteten Zähne, die geringere Anzahl Zähne (5-9 gegenüber 5-15 abstehenden Zähne bei M. aquifolium) sowie Papillen auf der Blattunterseite von M. aquifolium unterschieden. In beiden Floren gibt es Detailzeichnungen zu den Blatt­merkmalen. Die Ausläuferbildung ist als alleiniges Unterscheidungs­merkmal zwischen den beiden Arten ungeeignet, da sie häufig erst bei Altpflanzen deutlich erkennbar auftritt. Die beiden Sippen bilden außerdem den Hybrid M. aquifolium x repens, der in Wuchsform und Merkmalen zwischen beiden Elternarten steht.

Für Fundmeldungen sind daher Herbarbelege oder zumindest aussage­kräftige Fotos der Blattmerkmale sowie Anmerkungen zum Alter bzw. Größe (bedeckte Fläche) der vorgefundenen Pflanzen und zum Vorhandensein von Papillen auf der Blattunterseite sowie erkennbaren Ausläufern wichtig.

Fundmeldungen bitte an: Annemarie Radkowitsch, Hohenwarterstr. 1, 75181 Pforzheim, a.radkowitsch[at]t-online.de

Download Vortrag Mahonia-Sippen [pdf]


Herbarwettbewerb der BAS

Herbarwettbewerb der BAS – Vorankündigung

von Annemarie Radkowitsch

Kinder und junge Menschen an botanische Themen heranzuführen ist ein wichtiges Anliegen der Botanischen Arbeitsgemeinschaft Südwest­deutschland e.V. Daher bietet die BAS in Zusammenarbeit mit dem Staatlichen Museum für Naturkunde in Karlsruhe im kommenden Jahr eine Einführung ins Sammeln und Kennenlernen von Pflanzen sowie ins Herbarisieren und Kartieren an. Dieses Projekt „Mit wilden Pflanzen durchs Jahr“ ist verbunden mit einem Herbarwettbewerb und richtet sich an interessierte junge Menschen ab 8 Jahren, Schulkassen und sonstige Biologie-/ Botanik- oder Naturschutz-AGs.

Am Samstag, den 9. Mai 2020 findet die Auftaktveranstaltung dazu statt.

Weitere Information erhalten Sie in der nächsten Pflanzenpresse Nr. 41 (März 2020).

Wer an einer Teilnahme interessiert ist und nähere Informationen erhalten möchte, kann sich wenden an:

  • Annemarie Radkowitsch, Hohenwarterstr. 1, 75181 Pforzheim, a.radkowitsch[at]t-online.de oder
  • Josef Simmel, Staatliches Museum für Naturkunde Karlsruhe, Erbprinzenstraße 13, D-76133 Karlsruhe, josef.simmel[at]smnk.de

29. Südwestdeutscher Floristentag 2019

In Zusammenarbeit mit der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg fand am Samstag, den 19. Oktober 2019, in Freiburg der 29. Floristentag statt. Die Veranstaltung diente dazu, neue Ergebnisse und Untersuchungen zur Flora und Vegetation Südwestdeutschlands vorzustellen.

Veränderungen in der Moosflora von Baden am Beispiel von Dicranum viride und Orthotrichum rogeri, eine Auswertung der BAS-Internet-Fundmeldungen, Biologische Vielfalt und Artenschutz im Wandel von Landschaft und Nutzung und viele weitere interessante Themen wurden den 72 Teilnehmern präsentiert.

Vorträge des Floristentags:

–> Auswertung der BAS-Internet-Fundmeldungen (T. Breunig)

–> Neues zu Oenothera im Südwesten Deutschlands (M. Hassler)

–> Potentiell natürliche Traubeneichenbestände auf Silikat (G. Hys  und  A. Reif)

–> Die Gattung Vulpia im Oberrheingebiet (U. Amarell)

–> Veränderungen in der Moosflora von Baden: Dicranum viride und Orthotrichum rogeri (M.Lüth)

–> Aufwuchsalgen in Dreisam und Elz (L. King  & W. Schütz)

–> Biologische Vielfalt und Artenschutz im Wandel von Landschaft und Nutzung (A. Radkowitsch)

 

Während des Floristentags bestand auch die Möglichkeit, Herbarbelege von beachtenswerten Funden vorzustellen.

Im Anschluss an den Floristentag fand wie gewohnt die jährliche Mitgliederversammlung statt.

 

Programm des Floristentags und Mitgliederversammlung:

–> Programm Floristentag

–> Mitgliederversammlung BAS